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Tausche Dirndl gegen Flamencokleid: Eine fünfköpfige Familie zieht ans Meer

Eine fünfköpfige Familie beschließt, für ein halbes Jahr nach Spanien zu gehen. Allen Widrigkeiten zum Trotz lassen sie ihren Traum wahr werden.

Die fünfköpfige Familie lebt nun in Spanien: (v. l. n. r.) Triana, Pablo, Mariella, Hanna und Nico. SN/privat
Die fünfköpfige Familie lebt nun in Spanien: (v. l. n. r.) Triana, Pablo, Mariella, Hanna und Nico.

Den Entschluss hatten sie schon lang gefasst. Für Hanna und ihren Mann Pablo war es nur eine Frage der Zeit, bis sie ihre Koffer packen und mit ihren drei Kindern und zwei Katzen eine Zeit lang am Meer leben würden. Die Coronapandemie machte ihren Plänen zunächst einen Strich durch die Rechnung. Nun naht die verpflichtende Schulzeit für ihre älteste Tochter Triana. "Also haben wir uns gesagt: jetzt oder nie", erzählt die 35-jährige Hanna, die als bayerische Beamtin in München arbeitet. Der kleine Hafenort El Puerto de Santa María im Süden Spaniens sollte es werden. Dort hatten sich die beiden vor sechs Jahren das Jawort gegeben.

Spanien war naheliegend für sie und ihren Mann. Hanna hatte bereits während und nach ihrem Studium fünf Jahre in der andalusischen Stadt Sevilla verbracht, Pablo stammt aus der spanischen Region Kastilien. Die beiden hatten sich während eines Kurztrips im italienischen Padua kennengelernt. "Ich hätte niemals gedacht, dass sich aus einer Urlaubsbekanntschaft so eine Liebe entwickeln und ich diesen Mann sogar heiraten würde", sagt sie.

"Se alinean los planetas", heißt es im Spanischen: Die Sterne stehen günstig - "alles passiert zugunsten eines Plans", ergänzt Hanna. Sie glaubt an Schicksal. Aber auch, dass man es ein wenig anschubsen kann. Nach einer kurzen Fernbeziehung krempelten Hanna und Pablo ihr Leben um. Er zog nach Deutschland, sie bauten sich ein gemeinsames Leben auf. Zwei Jahre später kam ihre erste Tochter Triana auf die Welt, bald darauf folgte Mariella. Im vergangenen Sommer erblickte der jüngste Sprössling Nico das Licht der Welt.

Die drei Kinder erziehen sie zweisprachig. Hanna spricht Deutsch mit ihnen, Pablo baut die spanischen Wurzeln aus. "Uns war klar, dass wir ihnen irgendwann auch die spanische Kultur vor Ort näherbringen wollen", sagt Hanna. Außerdem lieben beide das Meer. Für Hanna war es schon immer Sehnsuchts- und Zufluchtsort in einem.

Planmäßig sollte es im Jänner dieses Jahres losgehen. Doch es galt noch einige Hürden zu überwinden: Es wollte sich einfach keine erschwingliche Bleibe im beliebten Küstenort finden lassen, auch Kindergartenplätze waren rar. "Es sah alles danach aus, als könnten wir unseren Traum doch nicht verwirklichen", erzählt Hanna. Obendrein kam bei allen fünf noch eine Coronaerkrankung kurz vor der geplanten Abreise hinzu.

Aber die Planeten sollten sich abermals zu ihren Gunsten richten: Pablo entdeckte kurzerhand ein Haus zu einem erschwinglichen Preis - und schlug sofort zu. Im nahe gelegenen Kindergarten wurden ebenfalls genau zwei Plätze in der passenden Alterskategorie der Töchter frei. "Es war, als hätte das Schicksal mitgeholfen", sagt Hanna. Pablo konnte eine Homeoffice-Lösung mit seinem Arbeitgeber vereinbaren, Hanna war ob ihrer Karenz ohnehin flexibel.

Nach überstandener Coronaerkrankung startete die fünfköpfige Familie also Mitte Februar in ihr Abenteuer. "Ich hätte es mir nicht schöner vorstellen können", resümiert Hanna nun knapp vier Monate später. Ihr kleines Haus ist nur fünf Gehminuten vom Meer entfernt. Die Kinder sprechen bereits mit andalusischem Akzent Spanisch und wurden innerhalb kürzester Zeit zu begeisterten Flamencotänzerinnen. Durch den Kindergarten vernetzten sich auch die Eltern schnell und unkompliziert.

Im Juli wäre die Rückreise geplant gewesen. Ihr Bauchgefühl signalisierte ihnen aber schon länger, dass ihre Zeit noch nicht vorüber sein sollte. "Aber die Mieten sind den Sommer über horrend", sagt Hanna. Das hätte sich die fünfköpfige Familie nicht leisten können. Mit Kind, Kegel und zwei Katzen eine neue Bleibe zu suchen wäre nicht infrage gekommen. Aber wieder sollte es das Schicksal gut mit ihnen meinen - der Vermieter kam ihnen letztlich preislich entgegen.

Der Traum vom Leben am Meer hält also noch an. "Hier am Meer hat man eine ganz andere, offene Perspektive auf das Leben", sagt Hanna. Möglicherweise will sie sich beruflich verändern. "Wie sich unser Leben sonst weiterentwickeln wird, lassen wir nun auf uns zukommen." Geplant ist, bis Ende des Jahres zu bleiben. Eine neu gewonnene Freundin aus Schweden erinnert sie jedoch immer wieder: "Wer nach Puerto kommt, wird niemals wieder gehen."


Aufgerufen am 09.08.2022 um 04:07 auf https://www.sn.at/panorama/international/tausche-dirndl-gegen-flamencokleid-eine-fuenfkoepfige-familie-zieht-ans-meer-122546878

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