Kopf des Tages

Walter Röhrl, das "Genie auf Rädern" und Rallye-Weltmeister wird 70

Walter Röhrl ist mit seinen Rallye-WM-Titeln 1980 und 1982 zur Motorsport-Ikone aufgestiegen. Tempo ist für den in Saalbach-Hinterglemm lebenden Bayern, der am Dienstag (7. März) seinen 70. Geburtstag feiert, immer noch das beherrschende Thema. "Ich bin ja bewegungssüchtig", betonte Röhrl. Skifahren, Radfahren und natürlich Autofahren bestimmen sein Leben.

Fast 180 Tage war "Der Lange", wie der 1,96 Meter große Schlaks gemeinhin auch genannt wird, im vergangenen Jahr als Repräsentant für Porsche immer noch weltweit unterwegs.

Insgesamt viermal - mit unterschiedlichen Marken (1980 Fiat, 1982 Opel, 1983 Lancia, 1984 Audi) - gewann Röhrl die berüchtigte Rallye Monte Carlo und wurde damit zur Legende. Denn: Er war der bislang einzige Pilot, der die Monte für vier verschiedene Hersteller gewann.

Der Rallyesport und Walter Röhrl - das hat immer schon zusammengepasst.

"Ich dachte nie daran, Formel 1 zu fahren, weil ich wusste: Wenn du ein schlechtes Auto hast, bist du eine Null. Wenn du hingegen Rallye fährst und ein schlechtes Auto hast, kann ich immer noch schneller sein als die anderen", erklärte Röhrl, der seinen Geburtstag beim Skifahren in Südtirol verbringt.

Legenden unter sich: Walter Röhrl zwischen 924 Carrera GTS und 924 Turbo (1981). SN/porsche
Legenden unter sich: Walter Röhrl zwischen 924 Carrera GTS und 924 Turbo (1981).

Röhrl ist eine Instanz für höchstes Fahrgefühl. "Ich sitze heute im Auto, fahre um jeden Kanaldeckel und denke mir: mein armes Auto. Total bescheuert, gell?", sagte Röhrl. "Das habe ich aber nie ablegen können, es war sicher auch Teil meines Erfolgs, weil ich auf mein Auto aufgepasst habe." Nicht umsonst nannte ihn Österreichs Formel-1-Legende Niki Lauda "Genie auf Rädern".

So wenig als möglich lenken

Dabei lässt sich diese Genialität im Prinzip eine sehr schlichte Sache reduzieren. Jedenfalls kann man diesen Eindruck gewinnen, wenn Röhrl sagt: "Das Geheimnis lautet: so wenig als möglich lenken."

So kommt man schnell um die Kurven, nicht nur bei der Rallye Monte Carlo. Die Monte war Röhrls erster Lauf zur Rallye-WM, das war 1973. 14 Jahre später, 14 WM-Laufsiege und zwei WM-Titel (1980 und 1982) später beendete Röhrl seine Karriere in der Rallye-WM.

Fast wie ein Ehepaar: Das Weltmeister-Duo Walter Röhrl/ Christian Geistdörfer. SN/audi ag
Fast wie ein Ehepaar: Das Weltmeister-Duo Walter Röhrl/ Christian Geistdörfer.

Bei 53 der insgesamt 75 WM-Läufe hatte der aus München stammende Christian Geistdörfer das "Gebetsbuch" in der Hand. Dieses Gebetsbuch ist das Protokoll der einem Lauf vorausgehenden Erkundungsfahrt. Und darin sind Streckenbeschaffenheit, Kurvenverläufe, Anbremszonen, Einlenkpunkte, Kuppen, Kompressionen, Licht-/Schattenverhältnisse und vieles mehr vermerkt.

Je besser Fahrer und Beifahrer sich auch akkustisch verstehen, desto schneller sind ihre Zeiten auf den Sonderprüfungen.

11. Juli 1987: Der Höllenritt auf den Pikes Peak

Doch auch im Solo war Röhrl eine Klasse für sich. 1987, im Jahr seines Rücktritts, zeigte er der internationalen Konkurrenz bei einem ganz besonderen Rennen den Herrn. Es war der 11. Juli in Colorado Springs, von wo sich eine 19,99 Kilometer lange Schotterstraße über 156 Kurven hinauf auf den Pikes Peak schlängelte. Der Start lag bereits auf einer Seehöhe 2862 Metern, das Ziel befand sich in dünner Luft in genau 4301 Meter. Die Steigung betrug im Schnitt sieben Prozent.

Röhrl saß am Steuer eines Audi Sport quattro E2, der eigenes für dieses Rennen getrimmte Wagen war 598 PS stark. Der Pikes Peak International Hill Climb hatte damals wie heute seine Tücken: "Wie von der Tischkante geht es an vielen Stellen 500 Meter tief ins Nichts", sagte Röhrl Jahre später. "Bei einer Rechtskehre geht es sogar 1800 Meter runter. Da muss man schon höllisch aufpassen, wenn man langsam hochfährt. Beim Rennen damals hab ich es einfach ausgeblendet."

Das Monster: Mit diesem fast 600 PS starken Audi Sport quattro E2 besiegte Walter Röhrl die Peugeot-Armada beim Pikes-Peak-Rennen im Jahr 1987 (Colorado, USA). SN/audi ag
Das Monster: Mit diesem fast 600 PS starken Audi Sport quattro E2 besiegte Walter Röhrl die Peugeot-Armada beim Pikes-Peak-Rennen im Jahr 1987 (Colorado, USA).

Und zwar gut ausgeblendet: 10 Minuten und 48 Sekunden nach dem Start war Röhrl bereits im Ziel. Auf der ungesicherten Schotterpiste war dies so schnell noch nie zuvor einem Fahrer gelungen.

Das Faszinierende an Röhrl ist dieses Spannungsverhältnis zwischen normalem Menschen und unvergleichlichem Talent. "Ich war immer ein Mensch, der nicht fort wollte. Ich bin immer bodenständig gewesen, Reisen, Hotels, das mag ich alles nicht. Und genau das Gegenteil war mein Leben", erzählte Röhrl. Am liebsten hätte er unter Ausschluss der Öffentlichkeit manövriert. "Ich wollte ja nur für mich wissen, ob ich gut bin, das muss kein Mensch sonst wissen."

So wurde der Bayer zum Pinzgauer

Walter Röhrl lebt heute mit seiner Frau Monika in der Pinzgauer Gemeinde Saalbach-Hinterglemm. Wie es dazu kam, schilderte er in einem SN-Interview so: "Es war bei der Winterrallye 1976, als ich vor dem Ziel ausschied. Ich ging zu Fuß die Prüfung weiter und sah mir die nächsten Fahrer an. Da kam einer im VW Käfer mit dem Heck zuerst und danach mit der Schnauze ums Eck. Der interessierte mich. Es war der Haider-Sepp aus Saalbach. Wir wurden Freunde, er lud mich zum Skifahren ins Glemmtal ein. 1980 ließen wir, meine Frau Monika und ich, uns dort nieder. Es war der perfekte Platz: kein Telefon, viel Ruhe und Natur. Der Ort, um sich zu sammeln, Energie zu tanken. Abseits vom Trubel."

Legende des Motorsports: Walter Röhrl feiert seinen 70. Geburtstag. SN/porsche
Legende des Motorsports: Walter Röhrl feiert seinen 70. Geburtstag.

Dem Motorsport und der Fahrzeugentwicklung blieb Röhrl auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Fahrerszene für Porsche verbunden. So war er etwa im Vorjahr bei der Präsentation des neuen Porsche Panamera am Tegernsee in Bayern ein nach wie vor begehrter Gesprächspartner - bei Journalisten und anwesenden Konzernrepräsentanten.

Und daran wird sich auch bis auf weiteres nichts ändern. Röhrl: "Ich bin seit 25 Jahren Botschafter für Porsche, aber ich habe jetzt das Testen aufgegeben, das sollen die Jungen machen. Ich wollte zum Vertrag schon sagen, es reiche jetzt, da sagten sie mir: "Dein Vertrag gilt lebenslang."

Quelle: Spre, Gk

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