battlefield V

Krieg, ganz ohne Schrecken

Action statt Anti-Kriegsspiel: Der Shooter "Battlefield V" verabsäumt es, die Gräuel des Zweiten Weltkrieges digital aufzuarbeiten. Dafür bietet das Game packende Gefechte und eine tolle Grafik.

Panzerketten rasseln, Motoren grölen, der Boden zittert. Von den Häusern lösen sich Dachlawinen. Hinter den Hügeln stapft eine Infanterie-Einheit durch den tiefen Schnee, die Uniformen steif gefroren. Links und rechts zischen Projektile durch die Luft, oben am Himmel jagen sich die Kampfflieger. Unten, am Boden, krachen Häuser in sich zusammen.

"Only in Battlefield", Szenen, die man nur in Battlefield erlebt. Mit diesem Schlachtruf wirbt die Spieleschmiede Electronic Arts seit Jahren für ihren Multiplayer-Shooter - eine Serie, die es mittlerweile seit 16 Jahren gibt. Realistische Kriegsszenarien, zerstörbare Gebäude, riesige Areale und komplexe Spielvarianten sind das Markenzeichen dieses Franchise. Anders als bei der ewigen Konkurrenz "Call of Duty" hat der Spieler in "Battlefield" viele Freiheiten: Wohin er geht, ob er lieber schleicht oder mit Wirbel und Getöse in die feindliche Basis einfällt. Zuletzt wurde mit "Battlefield 1" der Erste Weltkrieg virtualisiert - durchaus gelungen, mit grausamen Schlachten in schlammigen Schützengräben, düsteren Schauplätzen und brachialer Gewalt. Ein nicht zu bändigendes Chaos, willkürlich, brutal, unmenschlich. Gleichzeitig unglaublich beeindruckend inszeniert. Teil V spielt im Zweiten Weltkrieg, wieder einmal.

Stell dir vor, es ist Krieg, und alle gehen online: Herzstück ist wie üblich der Multiplayer-Modus. Erneut treten hier bis zu 64 Spieler, aufgeteilt in zwei Teams, gegeneinander an. Neben einem neuen Battle-Royal-Modus gibt es auch altbekannte Modi wie "Eroberung", bei denen beispielsweise Stützpunkte auf einem Spielfeld einzunehmen und zu halten sind. Was ist neu? Animationen wurden verbessert, die Soldaten bewegen sich jetzt realistischer, können am Boden rückwärts in Sicherheit kriechen oder durch Fenster springen. Das sieht gut aus, ist aber kein Kaufgrund. Ansonsten gibt es wenig Neues. Zwar sind die Schauplätze wieder riesig, aber das unvergleichliche Gefühl, wie man es beim Spielen von Teil 3 und 4 hatte, will dieses Mal nicht aufkommen. Zu beliebig und austauschbar sind die Schlachtfelder, ohne markante Landschaften oder Settings. Und auch die Möglichkeit, provisorische Befestigungen errichten zu können, ist längst nicht so innovativ wie angekündigt und bleibt daher vielfach ungenützt.

Auch der Singleplayer-Modus, seit "Battlefield 1" als Kriegsgeschichten tituliert, ist nicht mehr so atmosphärisch wie im Vorgänger. Gräueltaten werden gänzlich ausgeklammert, weshalb dem Spiel - eher ungewollt - das Flair eines Achtzigerjahre-Actionfilms anhaftet. Wieder werden kurze Episoden erzählt, die unabhängig voneinander in beliebiger Reihenfolge spielbar sind. Es geht nach Norwegen, mit französischen Kolonialtruppen an die Front und mit Spezialisten hinter die feindlichen Linien in Nordafrika. Leider bleiben die Figuren blass, die Dialoge sind platt und ideenlose Geschichten dienen meist nur als Überleitung zwischen groß angelegten Gefechten, die dann aber wirklich gelungen sind.

Grafik, Sound und Mechaniken sind dafür spektakulär gut, reißen einen förmlich mitten ins laute und turbulente Treiben, auch wenn an manchen Stellen noch viel Arbeit nötig ist und viele Bugs zu fixieren sind. Spannend ist neben dem authentischen Kriegsgerät vor allem auch der Fuhrpark: Panzer, Flugzeuge und Motorräder wirken wie original aus der Zeit und steuern sich auch so, manche behäbiger als andere. Insgesamt ist dieser Teil aber leider nur mittelmäßig und erreicht längst nicht das Niveau, das man aus vorangegangen Teilen kennt - und liebt.

Info
Battlefield V
Electronic Arts
PC (Test), Xbox One und Playstation 4
USK: 16

Aufgerufen am 26.10.2021 um 04:37 auf https://www.sn.at/panorama/medien/battlefield-v-krieg-ganz-ohne-schrecken-63150697

homo ludens - die spielerische Seite der SN

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