Medien

Influencer sind mehr als Werbeträger

Aus einem Webtrend wird Big Business: Internetstars sind immer öfter mit eigenen Produkten erfolgreich. Etwa auch eine Salzburgerin.

Ein Shoppingtag mit der Familie. In der echten Welt, in echten Geschäften, wunderbar unbeeinflusst von allem Digitalen. Oder doch nicht? Im Buchhandel fällt eine Wand auf. Mit einer Ansammlung an Büchern - allesamt geschrieben von Influencern, also Meinungsmachern auf Instagram, Facebook, YouTube. Und wenig später im Supermarkt ist ein Regal mit Backzubehör und Fanartikeln nicht zu übersehen. Alle sind einer Person gewidmet. Einer Influencerin.

Das Influencer-Konzept steht eigentlich für die Idee, mit reichweitenstarken Social-Media-Auftritten Werbung für Produkte Dritter zu machen. Also etwa die Schminkexpertin, die in ihren Videos Produkte von Kosmetikfirmen (bezahlt) empfiehlt. Doch offenbar können Influencer mittlerweile auch eigene Produkte breitenwirksam an den Mann oder die Frau bringen. Ist das Onlinephänomen tatsächlich in der analogen Welt angekommen? Beeinflussen die Klickbringer auf Social Media nicht mehr nur die Digitalwelt und dort die jüngere Zielgruppe, sondern die breite Masse - und verkaufen sogar Fanartikel?

Segmentübergreifende Zahlen, die die Tendenz bestätigen oder widerlegen können, gibt es freilich kaum. Aber es gibt zumindest Beispiele, die belegen, dass aus dem Onlinetrend durchaus ein Geschäftsmodell samt eigener Produktpalette werden kann. Das wohl eindrucksvollste Exempel liefert Saliha Özcan, besser bekannt als Sally. Die gebürtige Deutsche gilt als erfolgreichste "Food-YouTuberin" im deutschsprachigen Raum. In ihren Videos, die sechsstellige Aufrufzahlen schaffen, gibt sie Kochtipps. Für Klassiker wie ein Wiener Schnitzel, aber auch Ausgefalleneres wie einen Konfettikuchen mit Überraschungsfach. Im Onlineshop der 31-Jährigen finden sich Kochbücher ebenso wie Küchenmaschinen und Backutensilien. Und eine Reihe von Fanartikeln wie mit Sally-Logo versehene Tragetaschen.

Seit 2017 arbeitet Sally mit Spar zusammen. Ihre Produkte werden mittlerweile in sämtlichen Interspar- und Maximarkt-Filialen angeboten, wie die Pressestelle der Handelskette beschreibt. Wie gut sich die Produkte verkauften, wolle man nicht schildern. Die Beliebtheit von manchen Influencern sei jedoch "beeindruckend". Bei Autogrammstunden mit Sally seien Fans etwa stundenlang angestanden, um einen Schriftzug der gelernten Grundschullehrerin zu ergattern.

Für Robert Zniva, Professor für Handel und Marketing an der FH Salzburg, sind solche Erfolgsbeispiele durchaus nachvollziehbar. Es habe schon immer Meinungsmacher gegeben, die sich durch ihr Können, ihr Aussehen oder andere Faktoren von der Masse abhöben und deshalb bewundert und gar nachgeahmt würden. Dennoch sei der Erfolg nicht simpel planbar. Nicht ohne Grund können nach wie vor nur wenige Influencer von ihrem Onlineauftritt leben. Nach Studien sind es gar nur einige Prozent.

Im Grunde gebe es zwei Wege, mit seinem Influencer-Auftritt so richtig breitenwirksam zu werden, sagt Zniva. Der eine ist per se nur wenigen vorbehalten. "Das sind die klassischen Celebrities. Sie leben einen gewissen Lebensstil und werden dafür bewundert." Der andere Weg führe über den Transport von Expertise. "Ich muss ausnehmend gut kochen, basteln oder gärtnern und das auch noch gut vermitteln können." Je authentischer der Vermittler wirkt, desto wahrscheinlicher ist es, dass er Erfolg hat. "Wenn ich eine junge Mutter bin und mir eine andere Mutter mit den gleichen Problem etwas erklärt, wirkt das selbstverständlich viel näher."

Ein besonderes Beispiel für einen derartigen Erfolgsweg gibt es in Salzburg: Christina Bauer ist eigentlich Bäuerin in Göriach, im Lungau. Parallel habe sie immer schon gern gebacken, schildert sie. Also habe sie vor wenigen Jahren begonnen, via Social Media Kurse anzubieten - und irgendwann auch Videos wie Rezepte ins Netz zu stellen. Mittlerweile hat "Backen mit Christina" auf Instagram mehr als 31.000 Fans, auf Facebook sind es grob 57.000. Und das schlägt sich wirtschaftlich nieder: In ihrem Onlineshop verkauft Bauer Bücher, Zutaten und Backutensilien ebenso wie Fanartikel - vom Stoffsackerl bis zur Brotdose. Pro Tag gingen rund 60 Bestellungen ein, meistens Pakete mit einem Durchschnittswert von 40 bis 50 Euro, schildert Bauer. Dazu werden ihre Produkte etwa noch in sämtlichen Thalia-Filialen angeboten. Allein ihre Kochbücher haben sich somit bislang mehr als 100.000 Mal verkauft. Und seit 2018 bringt sie ein eigenes Magazin auf den Markt; das Heft hat rund 6000 zahlende Abonnenten.

Für Christina Bauer ist ihr Erfolg selbst "ein Phänomen". Aber auch sie glaubt, dass Authentizität mitentscheidend ist - in ihrem Fall von den Fans wohl irgendwo zwischen Backstube und Bauernhof verortet. Und diese scheint im Falle Bauers tatsächlich gegeben: Die Interviewanfrage der SN erreichte die Lungauerin im Kuhstall.

Dass Christina Bauer derart erfolgreich ist, ist aber kein reines Onlinephänomen. Nach ersten Erfolgen seien klassische Medien - Zeitungen, Fernsehen, Radio - aufgesprungen und hätten "Backen mit Christina" in die Welt getragen. Das sei freilich die optimale Kombination, ergänzt Zniva. Der Rummel wie die Zusammenarbeit mit Handelsketten könne aber auch negative Effekte haben. Vor allem, wenn das jeweilige Produkt nicht zum Image des Influencers passe. "Dann ist die Authentizität weg. Und der Erfolg wahrscheinlich ebenso."

Aufgerufen am 30.09.2020 um 06:51 auf https://www.sn.at/panorama/medien/influencer-sind-mehr-als-werbetraeger-84373369

128 neue Betten für Tamsweg

128 neue Betten für Tamsweg

16 Chalets und ein Haupthaus samt Appartements werden bald oberhalb des Lungauer Hauptorts entstehen. Die Gemeinde begrüßt dieses Projekt.

Kommentare

Schlagzeilen