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Julia Jentsch zur zweiten Stafel von "Der Pass": "Musste wieder eine neue Figur erfinden"

In der zweiten Staffel von "Der Pass" will Kommissarin Ellie Stocker (Julia Jentsch) erneut einem Serienmörder das Handwerk legen.

Von Gespenstern geplagt, aber nicht müde, Unrecht zu bekämpfen: Kommissarin Ellie Stocker, gespielt von Julia Jentsch. SN/sky studios/w&b television/epo film
Von Gespenstern geplagt, aber nicht müde, Unrecht zu bekämpfen: Kommissarin Ellie Stocker, gespielt von Julia Jentsch.

Die von Julia Jentsch (43) gespielte Figur Ellie Stocker von der Kripo Traunstein hat in der ersten Staffel von "Der Pass" einiges durchmachen müssen. Die Folgen davon sind auch in der Fortsetzung (ab Freitag um 20.15 Uhr auf Sky One, abrufbar auf Sky X und Sky Q) sicht- und spürbar. Die Kommissarin ermittelt - eingeschränkt, aber doch - gemeinsam mit dem Wiener Kommissar Gedeon Winter (Nicholas Ofczarek), nachdem dieser aus dem Koma erwacht ist.

Die zweite Staffel birgt - ähnlich wie das zweite Buch oder die zweite CD - einige Gefahren. Warum wollten Sie dennoch wieder mit von der Partie sein? Julia Jentsch: Mich hat der Gedanke interessiert und begeistert, mit einem während der ersten Staffel vertraut gewordenen Team etwas weiterzuführen und auf den gemeinsamen Erfahrungen aufbauen zu können. Ich war daher auch gespannt darauf, wie eine Fortsetzung aussehen könnte, was das für mich und meine Rolle bedeuten würde. Die Verletzungen aus dem ersten Fall mitzunehmen und damit weiter zu arbeiten ist eine spannende Herausforderung: Ich musste quasi wieder eine neue Figur erfinden. Die alte Ellie Stocker, die gibt es in dieser Form nicht mehr.

Waren Sie in die Arbeit an den Drehbüchern von Philipp Stennert und Cyrill Boss miteingebunden? Erst wurde mir der Plot vorgestellt, das hat mich neugierig gemacht. Als dann alle acht Bücher fertig geschrieben waren, haben wir sie zu lesen bekommen - und danach gab es einen wertvollen Austausch mit den Regisseuren, die auch die Autoren sind. Man konnte Fragen stellen, Anmerkungen kundtun. Es gab bis zu der endgültigen Drehfassung immer wieder leichte Veränderungen, manchmal technischer Natur, weil Drehorte oder Motive sich änderten, aber auch inhaltlicher Art. Es wurde immer weiter gefeilt, alles noch stimmiger gemacht. Und wir Schauspieler konnten uns immer auch einbringen - das macht Spaß.

Wie verändert sich Ihre Figur in der Fortsetzung? In der zweiten Staffel kommen bei meiner Figur zwei Dinge zusammen: Die Liebe zum Beruf, dieses Absolute, Unabdingbare, was Ellie Stocker von Beginn an hatte, damals, als sie noch unversehrt war. Und zu diesem Charakterzug kommt diese Verletzung, oder sagen wir Traumatisierung, ausgelöst durch die so nahe Täterbegegnung, die sie ja fast mit ihrem Leben bezahlt hat. Das alles zeichnet die neue Ellie aus. Die auf gewisse Weise Getriebene, Angetriebene wird gleichzeitig also durch sich selbst zurückgehalten, weil sie nicht mehr die volle Kapazität hat.

Mit der jungen, engagierten Polizistin Yela Antic (Franziska von Harsdorf) taucht eine neue Kollegin auf ... Ja, es ist schon befruchtend, wenn es neues Personal, konkret eine neue Kollegin in der Ermittlerrunde, gibt. Das bedeutet in der Praxis: Neue Beziehungen, neue Spannung, neue Konflikte können auftreten. Es ist eine gute Idee, auch für die Zuschauer, wenn sich in der zweiten Staffel durch die neue Ermittlerin etwas tut. Mehr will ich da gar nicht verraten.

Ist für Sie persönlich "Der Pass" jetzt abgeschlossen? Denkbar oder vorstellbar ist eine dritte Staffel allemal. Nach der ersten Staffel hat sich auch nicht aufgedrängt, dass es eine Fortsetzung geben wird. Die Möglichkeit besteht auf jeden Fall. Ob eine neue Staffel kommt, hängt von vielen Faktoren ab, wir werden sehen. So wie die zweite Staffel gelaufen ist, habe ich jedenfalls nicht das Gefühl, dass die Figuren schon auserzählt sind. Aber freilich kann man auch sagen: Das war's jetzt mit "Der Pass".

Bei den Dreharbeiten soll mitunter arger Schneemangel geherrscht haben. Wie groß war das Problem? Zum Glück gab es schon auch Schnee. Sogar eine sehr schöne Schneelandschaft - wir konnten durch einen Schneewald laufen. Aber dann kamen die Tage, an denen es einen Wärmeeinbruch gab, und plötzlich war der ganze Schnee weggeschmolzen. Ja, das war eine ganz spezielle Herausforderung. An einem Tag musste aus einem Nachbardorf, wo noch genug Schnee lag, Schnee mit dem Lastwagen zu unserem Drehort gebracht werden. So konnte man das Problem lösen. Und natürlich gibt's ja auch filmisch verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen. Kurzum: Das Publikum wird die Schneekrise nicht merken.

Sind Sie persönlich auch ein Krimifan und wenn ja, was schauen Sie gerne? Privat bin ich eigentlich kein ausgesprochener Krimifan. Aber ich schaue mir dann und wann durchaus gerne Krimis an - nationale wie internationale. Meistens, wenn ich mich für die Macher besonders interessiere, etwa die Regie sehr schätze oder wenn ich Kollegen, die ich gut kenne, spielen sehen möchte. Aber besonders krimiaffin bin ich eben nicht.

Julia Jentsch, geboren 1978 in Berlin, ist ausgebildete Theaterschauspielerin, die durch ihre Rolle im Film "Die fetten Jahre sind vorbei" (2004) bekannt wurde. 2019 spielte sie in "Waren einmal Revoluzzer" von Johanna Moder, 2021 war sie in Stefan Jägers "Monte Verità - Der Rausch der Freiheit" zu sehen.

Aufgerufen am 26.05.2022 um 11:27 auf https://www.sn.at/panorama/medien/julia-jentsch-zur-zweiten-stafel-von-der-pass-musste-wieder-eine-neue-figur-erfinden-115787935

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