Resident Evil 2

Schrecken mit ganz viel Seele

Remakes gibt es auch immer häufiger von Videospielen, aktuell wurde der Horror-Klassiker "Resident Evil 2" neu aufgelegt. Gehen der Branche etwa die Ideen aus?

Remakes haben im Filmgeschäft eine lange Tradition. Aber auch bei Videospielen gibt es inzwischen einen Trend, alten Kamellen neues Leben einzuhauchen - erst kürzlich wurde das als Meisterwerk gefeierte "Shadow of the Colossus" neu aufgelegt.

Jetzt, 21 Jahre nach dem Release, hat auch Capcoms "Resident Evil 2" eine Frischzellenkur bekommen. In Deutschland war der Schocker lange Zeit indiziert, bis 2014. Heute sieht man das Ganze offenbar nicht mehr so streng. Die Neuauflage erscheint ungeschnitten und ist ab 18 frei erhältlich. Wer denkt, die Macher hätten an Grausamkeiten gespart, irrt gewaltig. Auch 2019 ist der Horrorspiel-Klassiker nichts für schwache Nerven und stellenweise ziemlich blutrünstig, eben ein Zombie-Game durch und durch.

Aber ist das wirklich nötig? Brauchen wir solche Remakes? Darauf gibt es eine klare Antwort: Wenn sie so gut und aufwändig gemacht sind, wie im Falle von "Resident Evil 2", definitiv.

 SN/capcom

Der Horror beginnt in einer abgelegenen Tankstelle. Ein Mann kauert am Boden, presst seine Hand gegen den Hals. Blut, überall. Mit letzter Kraft deutet er in Richtung Lagerraum. Es kostet Überwindung, hinter den Kühlregalen im völligen Dunkeln den Sicherungskasten zu suchen. Das Licht der Taschenlampe flackert, Aufsteller stürzen um, Untote brechen von oben durch die Decke. Es bleibt nur die Flucht ins nahe gelegene Polizeipräsidium. Doch statt Schutz findet man dort nur noch mehr Schrecken.

Seit nunmehr 23 Jahren steht "Resident Evil" für kompromisslosen, geradlinigen Horror, bei dem - anders als bei Spielen wie "The Last of Us" - nicht die Story oder die Figuren im Mittelpunkt stehen, sondern der Grusel. Es geht um Survival, ums Überleben. Und um grauenhafte Gestalten und düstere Kulissen.

Im Vergleich zum ersten Teil bot "Resident Evil 2" 1998 mehr Action, mehr Zombies, mehr Adrenalinschübe. Das Remake weicht davon nicht ab. Und dennoch wird einem nach wenigen Minuten klar, dass dieser neue Schocker nicht mehr viel mit der alten Vorlage gemein hat: Die hakelige Steuerung von damals ist Geschichte, inzwischen befindet sich die Kamera - wie erstmals in "Resident Evil 4" - über der Schulter des Protagonisten, der Blickwinkel kann dynamisch verändert werden und der Spieler kann mit gezogener Waffe gehen und auf Gegner zielen. Alleine das sorgt für ein völlig neues Spielgefühl. Zudem wurde die Umgebung ins Spiel integriert, sie ist nicht länger nur eine vorgerenderte Kulisse, durch die Figuren navigiert werden müssen. Und auch optisch entspricht das Game den heutigen Standards. Kurzum: Die Macher haben viel Liebe und Arbeit investiert, um sowohl den Wünschen von Neueinsteigern als auch Nostalgikern gerecht zu werden. Das ist gelungen.

 SN/capcom

Trotz vieler Neuerungen gibt es auch einige nette Reminiszenzen an den Klassiker, die vor allem Fans des Originals erfreuen werden: Beibehalten wurde etwa das rudimentäre Inventar-System, das ob seines eingeschränkten Umfangs verzweifeln lässt. Und es gibt auch wieder Schreibmaschinen, mit denen der Spielfortschrift gespeichert werden kann, und Truhen, in denen gesammelte Gegenstände abgelegt werden können.

Manchmal ist "Resident Evil 2" fast schon unerträglich spannend und bietet stellenweise eine richtig klaustrophobische Atmosphäre, wenn etwa eine Horde Untoter den rettenden Gang ins Freie versperrt. Überall knarzt, zischt und knallt es - ein Jump-Scare jagt den nächsten. In brenzlichen Situationen gilt es Ruhe und einen kühlen Kopf zu bewahren, denn Munition ist Mangelware.

Fazit: Dieses Remake hat zweifelsfrei seine Berechtigung und ist nicht bloß seelenloses Recycling eines erfolgreichen Klassikers. Mehr davon!

Info
Resident Evil 2
Capcom
USK: 18
PS4 (Test), Xbox One

Quelle: SN

Aufgerufen am 30.10.2020 um 03:34 auf https://www.sn.at/panorama/medien/resident-evil-2-schrecken-mit-ganz-viel-seele-65180308

homo ludens - die spielerische Seite der SN

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