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Selbst Flugpassagiere sind immer öfter online

Längst kann man auch im Flugzeug per WLAN surfen. Experten sehen einen großen Markt. Einen, in dem ein Salzburger mitmischt.

Über den Wolken zu surfen wird immer selbstverständlicher. SN/kasto - Fotolia
Über den Wolken zu surfen wird immer selbstverständlicher.

Was für ein ungewohntes Gefühl: Das Handy ausschalten, sich für ein paar Stunden von der Welt abkapseln, für niemanden erreichbar sein. In den vergangenen Jahren war das gefühlt nur noch im Flugzeug möglich. Doch mittlerweile verschwindet zunehmend auch dieser Hort der Unerreichbarkeit. Schon lang ist es technisch möglich, hoch oben zu surfen. Weil die Technik immer ausgeklügelter wird, sprechen Experten schon von einer "Goldgrube" für die Luftfahrtunternehmen. Die London School of Economics geht etwa davon aus, dass bis 2035 weltweite Umsätze in Höhe von 130 Milliarden US-Dollar erzielt werden können. 30 Milliarden Dollar entfielen allein auf Extraeinnahmen der Airlines.

Zwar ist Internet im Flugzeug schon lang möglich und vor allem in den USA weit verbreitet. In Europa bleiben aber viele Airlines skeptisch. Das liegt vor allem an der bisher eingesetzten Technik, bei der die Daten via Satellit an Empfänger am Flugzeug übermittelt werden. Dies sei zu teuer und die Internetgeschwindigkeit oft "unzureichend", verlautbarte Ryanair noch vor einigen Monaten. "Wir erachten WLAN nicht als die große Neuerung, da immer mehr Kunden Inhalte vor dem Flug auf ihr persönliches Gerät herunterladen."

Eine Umfrage des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft hält dagegen: 47 Prozent der Befragten halten Internet an Bord für eine gute Sache. Fünf Jahre zuvor waren es noch 40 Prozent.

Andere technische Ansätze könnten Airlines wohl auch zum Umdenken bewegen. Das hofft zumindest Martin Herbst. Der Salzburger hat bereits 2007 mit der FH Salzburg das Projekt xFly gestartet. Dabei wird die Internetverbindung nicht über Satelliten hergestellt, sondern von der Erde aus. Das schaffe eine Verbindung, "die fast wie ein Glasfaseranschluss" funktionieren könne, sagt Herbst. Seine Technologie sei auch bereits bei "einer der größten Fluggesellschaften Europas" im Einsatz. Herbst dürfte aber nicht sagen, bei welcher - dies verbiete ein Stillschweigeabkommen. Er könne aber zumindest weiteres Interesse bestätigen: etwa aus China und ebenso von Turkish Airlines. Kommende Woche gebe es in Istanbul weiterführende Gespräche mit der Fluglinie.

Die Austrian-Airlines-Mutter Lufthansa investiert indessen schon seit Jahren in Bordinternet: "Seit dem Frühjahr 2017 bietet Lufthansa auch auf ihren Europa-Routen WLAN-Zugang an", teilte eine Sprecherin mit. Aber selbst der Luftfahrtriese räumte ein, dass die Verbindungsqualität über Satellit "von diversen Umweltfaktoren beeinflusst" werde. Beim Übergang zwischen den Satelliten könne zudem die Datenübertragung einige Minuten lang unterbrochen werden.

Ryanair wolle indessen das Thema im Auge behalten. Die irische Fluglinie ergänzte jedoch: "Einige sind sogar froh, während ihres Flugs nicht kontaktiert werden zu können - und eine Auszeit von E-Mails und sozialen Medien zu haben."

Quelle: SN-Hill, Dpa

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