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Und täglich grüßt der Teletext

Eine neue Studie weist aus, dass auch 2021 noch Millionen Österreicher den Teletext nutzen: Wieso der analoge Dienst selbst in einer digitalisierten Welt gut ankommt.

Der ORF-Teletext am Donnerstag gegen Mittag. SN/orf/stock.adobe.com/ronstik
Der ORF-Teletext am Donnerstag gegen Mittag.

Digitale Sprachassistenten wie Alexa können mittlerweile Nachrichten vorlesen. Allein auf YouTube werden pro Minute 300 Stunden Videomaterial hochgeladen. Und für viele ist es inzwischen völlig üblich, Breaking News per Computeruhr zu empfangen. Dem innovativen und oft auch interaktiven Medienkonsum sind 2021 kaum Grenzen gesetzt. Dennoch nutzen laut einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Umfrage immer noch 41 Prozent der Österreicher den ORF-Teletext. Ein Medium, das sich in seinen 41 Lebensjahren kaum verändert hat - und das gerade einmal sechs Farben bietet.

Wie beliebt der Teletext noch immer ist, zeigen auch weitere Ergebnisse aus der repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Integral (durchgeführt im März unter 1000 Bürgern über 14 Jahre): Zwölf Prozent der Österreicher nutzen den Teletext sogar täglich. Und unter allen Teletext-Usern - auch jenen, die nur ab und an auf ihn zurückgreifen - setzt der Großteil (93 Prozent) immer noch auf die Nutzung via TV. Und das, obwohl es den ORF-Teletext seit 2002 als Website und seit 2016 als App gibt.

Wie kann es sein, dass ein derart altbacken wirkendes Medium noch immer so erfolgreich ist? Dass sich der Aufbau seit Jahrzehnten kaum verändert habe, sei just eine der Stärken des Teletexts, sagt Medienpsychologe Peter Vitouch. Sich per Teletext Nachrichtenhappen zu holen sei für viele "vertraut" und "gut gelernt". Vor allem bei älteren Jahrgängen liege nicht zwingend das Handy auf dem Fernsehsessel - sondern die Fernbedienung. Also greife man zu dieser, wolle man sich schnell und komprimiert informieren - über das TV-Programm und darüber hinaus, ergänzt Vitouch.

Bild: SN/orf/hubert mican
Der Teletext ist vertraut und gelernt.
Peter Vitouch, Medienpsychologe

Auch die komprimierte Form - pro Seite stehen exakt 23 Zeilen mit je 40 Anschlägen zur Verfügung - sei eine Stärke, meint der Medienpsychologe. "Viele fühlen sich von Nachrichten überflutet und dadurch überfordert. Da ist die Reduktion eine Stärke." Es gebe Menschen, die ein zu starkes Eindringen von Medieninhalten in ihre Lebenssituation ablehnten. Mit dem "Ruhepol Teletext" könne man das ein wenig abwehren: "Man ist nicht sofort dem vollen Geschäft ausgesetzt - es bricht nicht über einen herein." Was aber nicht heißen solle, dass Teletext-Nutzer in weiterer Folge nicht auch (digitale) Medienkanäle nutzten. Für manche sei es eine Art Steigbügel. "Danach kann man sich mit der Information zufriedengeben. Oder auf andere Medienkanäle zurückgreifen, um sich stärker auf das Thema einzulassen."

Die Faszination Teletext ist kein österreichisches Phänomen. Den Anfang machte das britische Fernsehen: Nach einigen Testseiten 1973 ging im September 1974 Ceefax, der Teletext der BBC, in Betrieb. Dieses weltweit erste derartige System umfasste 30 Seiten und überlebte bis 2012. Der digitale Nachfolger, BBC Red Button, hätte eigentlich Anfang 2020 aus Kostengründen eingestellt werden sollen. Nach massiven Protesten der Zuschauer verwarf die BBC ihre Pläne aber wieder.

In den USA ist der Teletext hingegen schon länger von der Bildfläche verschwunden. Seit 1990 ein Untertitel-Decoder für Hörgeschädigte in jedem Fernsehgerät gesetzlich vorgeschrieben wurde, verzichteten die Hersteller darauf, zusätzlich einen Teletext-Decoder einzubauen.

Und wie ist es um die Nutzung im gesamten deutschsprachigen Raum bestellt? Neben dem hiesigen Platzhirsch ORF bieten die großen deutschen Fernsehanstalten sowie die heimischen Privatsender Servus TV, Puls 4 und ATV nach wie vor Teletext an. "Der Erfolg des Teletexts ist historisch zu begründen und hat eine treue Nutzerschaft", sagt Servus-TV-Intendant Ferdinand Wegscheider. Auch deshalb bleibe der Teletext "ein fixer Bestandteil des Informationsangebotes". Auch der ORF schildert auf Anfrage, dass es keine Pläne gebe, das Angebot einzustellen. Zumal nicht nur die gegenwärtige Nutzung eine zufriedenstellende sei, sondern auch die Entwicklung. Zwar könne man die aktuellen Zahlen, zum Beispiel der Integral-Umfrage, nicht mit jenen vor Jahren vergleichen, da die Art der Reichweitenerhebung umgestellt worden sei. Man könne jedoch von einer "weitgehend stabilen Nutzung" sprechen.

Dennoch kann auch der ORF nicht von der Hand weisen, dass der klassische Teletext via Fernsehgerät besonders von älteren Generationen genutzt wird: Anfang 2020 waren rund 65 Prozent der Teletext-Leser älter als 50 Jahre.

Darüber hinaus gibt es mittlerweile auch auf den TV-Geräten digitale Alternativen. Etwa Hbb TV (Hybrid broadcast broadband TV). Darunter wird ein technischer Standard bei (dafür ausgerüsteten) Fernsehern verstanden, durch den digitale Zusatzdienste ausgespielt werden können. Und zwar, indem man auf seiner Fernbedienung die rote Taste ganz links in einer Viererreihe von bunten Knöpfen drückt. Der ORF nennt sein Hbb-TV-Angebot etwa "ORF-Smart" - und bietet nach Eigenbeschreibung "einen aktuellen Nachrichten-, Sport- und Wetterüberblick". Ist das jeweilige TV-Gerät auch an das Internet angeschlossen, spielt "ORF-Smart" spezielle Zusatzangebote aus. Kurios: Eines davon ist der Teletext.

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