Österreich

Achenseebahn: Weichen stehen auf Sanierung

Im Insolvenzverfahren sagt das Land Tirol einen Millionenzuschuss zu, Neustart ist 2021 geplant.

Die Achenseebahn ist die älteste, ausschließlich mit Dampf betriebene Zahnradbahn Europas. SN/apa
Die Achenseebahn ist die älteste, ausschließlich mit Dampf betriebene Zahnradbahn Europas.

Die Gemeinden und das Land Tirol wollen die insolvente Achenseebahn, die ausgerechnet nach dem 130-Jahr-Jubiläum in die Pleite rutschte, erhalten. Die Weichen dafür werden jetzt im laufenden Insolvenzverfahren gestellt, wie Masseverwalter Herbert Matzunski bestätigte. Heuer wird es auf der 1889 eröffneten Bahnstrecke zwischen Jenbach und dem Achensee keinen regulären Betrieb geben. Geplant ist ein Neustart im nächsten Jahr. Pro Jahr gab es zuletzt gut 100.000 Fahrgäste.

Die Achenseebahn ist die einzige Zuganlage in Europa, die bisher nur mit Dampfloks aus der Gründungszeit betrieben wurde. Im Vorjahr machte das Land Tirol für weitere Zuschüsse zur Bedingung, dass die drei Anrainergemeinden der Tourismusattraktion im Zuge einer Kapitalerhöhung die Mehrheit an der Bahn übernehmen. Das sind Jenbach, Achenkirch und Eben am Achensee. Damals flossen 1,2 Mill. Euro vom Land. Zunächst finanzierten nun die Gemeinden für zwei Monate die Aufrechterhaltung eines Teilbetriebs, sagte Masseverwalter Matzunski. Dafür seien gut 100.000 Euro nötig, um Gehälter zu zahlen und notwendige Reparaturen durchzuführen. Dadurch könne auch die Eisenbahnkonzession erhalten bleiben. Die hatte 1889 noch Kaiser Franz Joseph erteilt. Es habe sich bestätigt, dass die Gesellschaft zu Jahresbeginn tatsächlich insolvent war, daher sei das Konkursverfahren notwendig, so Matzunski. Hätte das Land weiteres Geld gegeben, hätte eine Haftung wegen Insolvenzverschleppung gedroht.

Das Land Tirol gab nun aber nach der Eröffnung des Konkursverfahrens die Zusage, für die Sanierungsarbeiten an der Achenseebahn weitere 3,5 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Den Beschluss dazu soll nach Informationen des Masseverwalters im Juli der Tiroler Landtag fassen. Danach könne er die nötigen Arbeiten in Auftrag geben. "Ziel des Landes Tirol ist es, eine Zerschlagung des Unternehmens zu verhindern und eine mittelfristige Wiederinbetriebnahme der Achenseebahn zu touristischen Zwecken durch einen neuen Eigentümer zu ermöglichen", erklärten die stellvertretenden Landeshauptleute Ingrid Felipe (Grüne) und Josef Geisler (ÖVP). Die Achenseebahn sei eine Tourismusattraktion, die es gerade jetzt zu sichern gelte.

Die Pläne, die Bahn zu elektrifizieren, um sie schneller und auch für Pendler interessant zu machen, scheinen in weite Ferne gerückt. Das frühere Management hatte argumentiert, das Land habe der Achenseebahn Mittel für die Infrastruktur verweigert, obwohl sie weit effizienter sei als andere Nebenbahnen, gerechnet nach Fahrgästen pro Kilometer Strecke.

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