Österreich

Coronavirus in St. Wolfgang: Mehr Infizierte im Cluster, mehr Stornos

Die Zahl der Fälle im Coronavirus-Cluster in St. Wolfgang im Salzkammergut steigt. Mindestens ein Gast ist betroffen. Jetzt gibt es Massentests für Urlauber und Einheimische.

St. Wolfgang hat ausgerechnet zu Beginn der Hauptsaison seinen eigenen Covid-Cluster. Mit Stand am Sonntag um 15 Uhr gab es 48 Fälle, das waren um vier mehr als am Samstagabend, als 258 Testergebnisse ausgewertet waren. Die neue Zahl bezieht weitere 230 Tests ein, die am Samstag gemacht und am Sonntag ausgewertet wurden, berichtete das Land Oberösterreich am Abend. Unter den Infizierten seien Mitarbeiter von elf Betrieben, ein Gast wurde bislang positiv getestet. Zudem werden alle Gäste rückwirkend bis 15. Juli 2020 kontaktiert und bezüglich der weiteren Vorgehensweise informiert. Insgesamt verzeichnete Oberösterreich am Sonntag 34 Neuinfektionen (gesamt aktuell 471 Infizierte).

Am Samstag wurden in St. Wolfgang 628 Abstriche vorgenommen, am Sonntag bis zum Nachmittag 419 weitere. 309 der Tests am Samstag fielen dabei auf Tourismusmitarbeiter, vor allem in den betroffenen Betrieben, aber auch auf Praktikantinnen und Praktikanten anderer Häuser. Die anderen 319 Tests wurden bei Gästen oder Einheimischen durchgeführt, die vom Angebot Gebrauch machten, sich bei der Drive-in-Station bei der Dienststelle des Roten Kreuzes St. Wolfgang auf Kosten des Landes testen zu lassen.

Beim Gros der bisher positiv getesteten Personen handelte es sich um Praktikanten aus unterschiedlichsten Schulen und Bundesländern. Alle mit einem positiven Test wurden in Quarantäne geschickt. "Bis dato ist niemand schwerer erkrankt", sagte der Bezirkshauptmann von Gmunden, Alois Lanz, am Samstag. Die Betroffenen zeigten nur leichte oder keine Symptome. "Die Praktikanten haben alle einen Mund-Nasen-Schutz bei der Arbeit getragen." Es bestehe darum nur ein geringes Restrisiko für eine Ansteckung. Gäste wurden am Samstag vorsichtshalber gebeten, am Abend in den Unterkünften zu bleiben. Veranstaltungen im Ort, die für das Wochenende geplant waren, wurden abgesagt.

Gäste und Einheimische können sich testen lassen

Auch am Sonntag werden an der Drive-in-Teststation des Roten Kreuzes in St. Wolfgang gratis Tests durchgeführt. Bis Sonntagmittag wurden 140 Personen, der Großteil davon Urlauber, getestet. Die Kosten trägt das Land Oberösterreich. Eine Anmeldung ist dafür nicht erforderlich. "Es gibt dafür aber eine ganz klare Zielgruppe", sagt Ferdinand Kasberger von der Dienststelle des Roten Kreuzes in St. Wolfgang und listet die drei Gruppen auf: Urlaubsgäste, Mitarbeiter der Gastronomiebetriebe und Einheimische, die Kontakt zu Verdachtsfällen oder Infizierten hatten.

"Wir werden niemanden wegschicken, aber wir appellieren eindringlich, nur dann zum Test zu kommen, wenn man zu einer dieser drei Gruppen gehört", sagt Kasberger. Am Samstag seien 628 Abstriche genommen worden, 280 der Getesteten seien Mitarbeiter aus der Gastronomie gewesen. Mittlerweile sei ein Großteil der Mitarbeiter getestet worden. Heute würden daher vor allem Urlauber getestet. Die Tests werden voraussichtlich bis 16 Uhr durchgeführt. Die Abstriche kommen in das Labor im Krankenhaus Vöcklabruck. Die Auswertung dauert laut Kasberger 24 bis 48 Stunden.

Am Wolfgangsee ist die Sommersaison voll im Gange. SN/apa
Am Wolfgangsee ist die Sommersaison voll im Gange.

St. Wolfgang: Mehr Gäste stornieren, Fälle auch in Salzburger Gemeinden

Die Zahl der Stornierungen am Wolfgangsee steigt indes. Eine Sprecherin der Wolfgangsee Tourismus Gesellschaft sprach von zehn Prozent. Die Zahl der Gäste, die bereits in St. Wolfgang sind und nun aufgrund der aktuellen Entwicklung frühzeitig abreisen, sei jedoch sehr überschaubar.

Von den Coronavirus-Fällen betroffen sind bislang elf Betriebe, darunter das Hotel Furian, Berau, Hotel Seevilla, Hotel Peter, das Eventhotel Scalaria und das Strandhotel in St. Wolfgang. Dazu kämen die Pizzeria Mirabella sowie die Lokale 13er Haus und W3, die vorübergehend geschlossen wurden. Zwei Fälle sind zudem im Hotel Leopoldhof in Ried im Land Salzburg nachgewiesen worden. Zwei weitere, die mit dem Cluster in Verbindung stehen, gibt es in St. Gilgen und einen in Strobl, bestätigten die Bürgermeister der Gemeinden.

Beim Land Salzburg heißt es, dass man mit schnellem Contact-Tracing die Infektionskette bestmöglich unterbrechen will. Bei drei Personen mit Wohnsitz in Salzburg gebe es gesicherte Verbindungen zum Cluster in St. Wolfgang. 18 Kontaktpersonen wurden bereits getestet, die Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Das Land rät Gästen, die sich seit dem 17. Juli 2020 in einem der Tourismusbetriebe aufgehalten haben, ihren Gesundheitszustand genau zu beobachten. Im Falle auftretender Symptome wie Kurzatmigkeit, Halsschmerzen, Entzündungen der oberen Atemwege, Fieber, trockenen Hustens oder plötzlichen Verlusts des Geschmacks- oder Geruchssinns sollte umgehend die Gesundheitshotline 1450 kontaktiert werden.

Die aktuellen Fälle haben sich gezeigt, als eine erkrankte Frau Symptome zeigte und am vergangenen Dienstag positiv getestet wurde. Die Tests waren damit nicht Teil der vom Tourismusministerium angekündigten großflächigen Screenings in Urlaubsregionen.

Hotelier Dominik Eberle (Hotel Peter) ließ alle Mitarbeiter durchtesten.  SN/chris hofer
Hotelier Dominik Eberle (Hotel Peter) ließ alle Mitarbeiter durchtesten.

Mitarbeiter des Außenministeriums nicht Teil des Clusters

Ein erkrankter Kabinettsmitarbeiter des Außenministeriums, der sich vergangenes Wochenende privat am Wolfgangsee aufgehalten hatte, wird laut Krisenstab nicht zum jüngsten Ausbruch gezählt. Es sei unklar, wo sich der Mann angesteckt hat. Ein Grazer Pensionist, der nach eigenen Angaben Urlaub in einem der von dem Covid-19-Cluster betroffenen Hotels im Ort gemacht hatte, litt laut einem Bericht der "Kleinen Zeitung" an starken Hals- und Kopfschmerzen sowie an Durchfall. Er sei aber in der Steiermark nicht getestet worden, weil er kein Fieber habe. Der Mann wollte zurück nach St. Wolfgang fahren, um sich dort freiwillig testen zu lassen.

Junge Besucher in St. Wolfgang ließen sich nicht beunruhigen.  SN/chris hofer
Junge Besucher in St. Wolfgang ließen sich nicht beunruhigen.

Nachtlokale wurden über das Wochenende geschlossen, Sperrstunde vorverlegt

Die Behörden sind sich mittlerweile sicher, dass die Ansteckungen nicht in den betroffenen Betrieben, sondern in der Freizeit stattgefunden haben. "Die infizierten Praktikanten waren auf unterschiedliche Quartiere verteilt untergebracht und wohnten vielfach in Doppel- und Dreibettzimmern", sagte Wieser. In ihrer Freizeit sei es immer wieder zu Treffen der Gruppen gekommen - in zwei Lokalen, nach der Sperrstunde offenbar auch im privaten Bereich. "Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob die Ansteckung in den Quartieren, wo sie wohnen, schlafen und auch gemeinsam essen, stattgefunden hat oder in bestimmten Lokalen passiert ist", sagte auch Bezirkshauptmann Lanz. Einige von den Praktikanten waren in den beiden vorerst über das Wochenende geschlossenen Nachtlokalen 13er Haus und W3 unterwegs gewesen. Die Behörden haben am Samstag die Sperrstunde in allen Gastgewerbebetrieben im Gemeindegebiet auf 23.00 Uhr vorverlegt. Die entsprechende Verordnung gilt vorerst bis inklusive 2. August.

Hoteliers bangen: Wird Wolfgangsee zum zweiten Ischgl?

Bei den Hoteliers in Salzburg waren die Ereignisse aus dem Salzkammergut Gesprächsthema Nummer eins - zumal gerade deutsche Medien die Situation am Wolfgangsee zunehmend mit jener Ischgls im Winter vergleichen. Nun ist zudem auch ein Salzburger Betrieb betroffen. Walter Veit vom Hotel Enzian in Obertauern, Vizepräsident der Hoteliervereinigung (ÖHV), pocht auf mehr Tests. "Meiner Meinung nach sollen wöchentlich alle Mitarbeiter getestet werden, nicht nur diejenigen, die mit den Gästen direkt in Kontakt stehen. Wir müssen zeigen, dass wir alles einhalten, und unser Bestmögliches tun."

Derzeit hinkt man mit den Tests in den Salzburger Hotels noch den Zielen hinterher. Gernot Hörwertner koordiniert im Auftrag von Salzburger Land Tourismus (SLTG) die Testungen. "Diese Woche sind 3000 Mitarbeiter getestet worden, im Endausbau wollen wir 10.000 pro Woche testen." Bis dahin würden aber noch einige Wochen vergehen. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) erklärte am Freitag, dass in vier Wochen österreichweit nur 14.000 Abstriche genommen worden seien, obwohl bis zu 65.000 Tests in der Woche geplant gewesen seien. Diskussionen gibt es jetzt auch über die Kosten der Coronatests im Tourismus.

Die SPÖ übt indes Kritik am Vorgehen der Bundesregierung. "Der Cluster am Wolfgangsee wird immer größer, von den angekündigten 65.000 Tests in Tourismusgebieten ist weit und breit keine Spur und welche Einreisebestimmungen jetzt gelten, ist für niemanden mehr nachvollziehbar", kritisiert SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch. Warum Schulen kollektiv geschlossen würden, während tatsächlich betroffene Tourismusanlagen offen bleiben dürften, sei vollkommen unklar.

Erstmals hat sich die Beratungsfirma McKinsey zur Debatte über die Coronatests im Tourismus gemeldet. "McKinsey wurde im Rahmen des Projekts Safe A/COVID-19-Testungen im Tourismus zu keinem Zeitpunkt bezahlt, weder von der öffentlichen Hand noch von Privatunternehmen", hieß es am Sonntag in einer Mitteilung an die APA. Daraus geht hervor, dass nur unbezahlte Vorarbeiten getätigt worden seien.

Aufgerufen am 04.08.2020 um 02:37 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/coronavirus-in-st-wolfgang-mehr-infizierte-im-cluster-mehr-stornos-90628729

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