Österreich

Coronavirus: Spitäler rüsten sich für großen Ansturm

Österreichweit werden geplante Operationen abgesagt, um Platz auf Intensivstationen zu schaffen. In Wien gab es den ersten Todesfall.

Ein Plakat auf dem Gelände des Kaiser-Franz-Josef-Spitals in WienCoronavirus-Infektionen (Covid-19) behandelt. Der Ambulanzbetrieb ist daher eingestellt. SN/APA/HERBERT-PFARRHOFER
Ein Plakat auf dem Gelände des Kaiser-Franz-Josef-Spitals in WienCoronavirus-Infektionen (Covid-19) behandelt. Der Ambulanzbetrieb ist daher eingestellt.

Österreichs Spitäler verschieben geplante Operationen. Darauf haben sich Bund und Länder verständigt. Der Grund dafür: Es soll Platz auf den Intensivstationen geschaffen werden, damit Coronapatienten, die einen schweren Krankheitsverlauf haben, versorgt werden können. Es gibt in Österreich nämlich einen massiven Anstieg der Coronaerkrankten. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sagte im Bundesrat, dass in der nächsten Wochen bereits mehr als 10.000 Personen krank sein könnten. Bis Donnerstagnachmittag (15 Uhr) gab es in Österreich jedenfalls 361 Fälle. Und es gab auch den ersten Toten. Ein 69-jähriger Mann, der von einem Urlaub in Italien heimkam - ist in der Nacht auf Donnerstag im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital verstorben. Der Leiter der Infektionsabteilung, Christoph Wenisch, betonte, dass der verstorbene Patient, der auch an Bluthochdruck und Diabetes litt, zuletzt wieder virenfrei gewesen sei. Allerdings habe das Virus zuvor schon zu großen Schaden angerichtet, betonte er. Für die Maßnahmen der Regierung, die darauf abzielen, Sozialkontakte herunterzufahren und dadurch die Ausbreitung des Virus einzudämmen, ist Wenisch "dankbar".

Die Regeln werden österreichweit immer weiter verschärft. So wird es ein Besuchsverbot in Krankenhäusern geben, ausgenommen sind sehr junge Patienten und jene auf Palliativstationen.

Der Infektiologe und Hygiene-Experte Hannes Stockinger sagte, dass es darum gehe, die Patienten, aber auch die Krankenhausmitarbeiter zu schützen. Im Kampf gegen das Coronavirus sei es "wesentlich, dass unsere Krankenhäuser funktionieren", sagte der Mediziner.

Wie schwierig die Situation ist, zeigt sich am Bundesland Salzburg. Denn durch das Coronavirus gibt es auch einen Mangel an Schutzmasken und Operationsbesteck. Die AUVA hat in ihren Spitälern bereits deshalb Ende vergangener Woche geplante Operationen verschoben. Der Salzburger LH-Stv. Christian Stöckl (ÖVP) sagte, dass es in vielen Häusern in unterschiedlicher Intensität massive Versorgungsprobleme gebe. Aus diesem Grund gebe es Anfang kommender Woche auch ein Treffen aller Salzburger Krankenhausbetreiber, um eine optimale Versorgung zu sichern. So werden etwa die Versorgungsregionen aufgelassen. Dies ist die rechtliche Voraussetzung dafür, dass Patientinnen und Patienten ohne lange Diskussionen und Bürokratie innerhalb Salzburgs verlegt werden können. Die Salzburger Landeskliniken haben als Zentralkrankenhaus jedenfalls einen Versorgungsauftrag.

Und die Politik appellierte erneut an die Bürgerinnen und Bürger, sich an die Vorgaben zu halten. Und Kurz sagte auch, dass es ab nächster Woche weitere Einschränkungen geben werden. Diese sollen in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden. Die Maßnahmen, die in den vergangenen Tagen gesetzt wurden, sollten die Zahl der neuen Infektionen jedenfalls senken. Allerdings könnte es einige Tage dauern, bis sie wirken.

Was die Regierung seit Tagen predigt, hat das Team um Niki Popper von der Technischen Universität (TU) Wien und vom als TU-Spin-off gegründeten Modellierungs- und Simulationsunternehmen dwh nun in Zahlen verdeutlicht (siehe Grafik). In einem "Worst-Case-Szenario" kommen auf Simulationsrechnungen spezialisierte Mathematiker auf rund zwei Millionen gleichzeitig Infizierte in Österreich Ende Mai, wenn die sozialen Kontakte in Österreich nicht reduziert werden. Würden die Kontakte um ein Viertel eingeschränkt und werde es dem Virus so schwerer gemacht, sich zu vermehren, sinke die Zahl auf rund 360.000.

Zeigen die Maßnahmen der Regierung Wirkung und sinkt die Kontaktrate um nur zehn Prozent, setzt der Höhepunkt etwas später ein und fällt mit rund 1,2 Millionen gleichzeitig Erkrankten deutlich kleiner aus. Die durch die Maßnahmen seitens der Bundesregierung angestrebte Reduktion der sozialen Kontakte um zumindest 25 Prozent hätte laut der neuen Simulation der Experten einen noch größeren Effekt als bisher angenommen, sagte Popper.

Träfe das tatsächlich zu, würde der Höhepunkt nicht nur rund drei Monate später, also Ende des Sommers erreicht, er fiele mit ungefähr 360.000 gleichzeitig Betroffenen auch weit glimpflicher aus. Selbst wenn es sich hier um eine sehr pessimistische Grundannahme zur Krankheitsverbreitung handle, zeigt sich laut Popper eindrücklich, dass Anstrengungen zur Eindämmung wichtig und vor allem wirksam sind.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, selbst Ärztin, sagte, dass die Zahl der Intensivbetten dringend erhöht werden müsse, damit schwer kranke Menschen versorgt werden könnten. Es blieben nur noch einige Tage Zeit, um das in die Wege zu leiten.

Liveblog zum Coronavirus:

Aufgerufen am 02.12.2021 um 03:18 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/coronavirus-spitaeler-ruesten-sich-fuer-grossen-ansturm-84764065

Das Coronavirus und seine Folgen

Das Coronavirus und seine Folgen

Jetzt lesen

Kommentare

Schlagzeilen