Österreich

Der kickende König von Kleßheim

Der 27-jährige Jovan Gruban engagiert sich für Jugendliche und möchte andere mit seinem bewegten Leben motivieren.

Er hat leuchtende Augen, braune, lockige Haare und ein zuversichtliches Lächeln im Gesicht: Jovan Gruban, 27 Jahre alt und gerade auf seiner zweiten Weltreise. Derzeitige Station: Kirgisistan. Der Salzburger sitzt auf einer Holzbank mit bunten Pölstern, als er uns per Video begrüßt. Draußen hat es geschneit, vielleicht hat er deshalb noch immer eine dunkle Haube auf, die er auch während des Gesprächs ganz selbstverständlich oben lässt.

Im Moment arbeitet er an einer staatlichen kirgisischen Schule als Deutschlehrer. "Ich bezeichne mich selbst schon als Pädagoge, obwohl ich keine klassische Ausbildung habe." Er lacht und fügt hinzu: "Eigentlich bin ich ja Vertriebsingenieur." Doch in diesem Job hat es ihn nicht lange gehalten, denn er habe einfach ein gewisses Talent, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten.

Erst vor Kurzem hat er gemeinsam mit seinem Bruder Nenad den ÖFB Social Football Award in der Kategorie Ehrenamt gewonnen. Mit Nenad, der auch sein bester Freund ist, wie er sagt, hat er 2015 das Straßenfußballnetzwerk "Kings of Klessheim" ins Leben gerufen. Hier treffen sich fußballbegeisterte junge Leute mit verschiedenen sozialen Hintergründen regelmäßig zum Kicken. "Wir sind mittlerweile eine große Familie."

Anfänglich stieß das Projekt vor allem beim Vater auf Ablehnung: Nur mit irgendwelchen Kindern Fußball zu spielen bringe nichts. Doch genau diese "Kinder" geben Jovan enorm viel zurück und berühren ihn vor allem mit ihrer Dankbarkeit. Sie alle kommen aus sehr unterschiedlichen Verhältnissen, "doch auf dem Fußballplatz geht es nur darum, unbeschwert und im Flow zu sein".

Selbst nach den Spielen sitzen sie oft noch einige Stunden zusammen und diskutieren die großen Fragen des Lebens. "Am Ende geht es immer um das Thema Glücklichsein", erklärt Jovan. Das sei ihm ein besonderes Anliegen, denn "ich weiß, dass ich für die Jugendlichen auch ein Vorbild bin".

Sie kommen und sagen: "Du inspirierst uns ." Genau diese ehrliche Begegnung berühre ihn so. Und er wisse auch um seinen Einfluss. Diesen möchte er nutzen, selbst wenn er - wie jetzt - nicht vor Ort sein kann. Andere inspirieren, ihnen helfen, ihre Bestimmung zu finden, das ist sein Wunsch: so wie seinen Fußballburschen. Wenn man den Menschen zuhöre und ihnen ehrliche Aufmerksamkeit schenke, dann erreiche man sie, erklärt Jovan und wirkt nachdenklich.

Geschenke helfen natürlich auch. Bei den "Kings of Klessheim" bekommt jeder Spieler ein eigens beflocktes Trikot. Selbst schwierige Kameraden wurden so ein Teil des Teams. "Das hat unsere Gemeinschaft zusammengeschweißt."

Die Truppe organisiert sich selbst über eine WhatsApp-Gruppe und trifft sich nach wie vor am Bolzplatz in Kleßheim gleich neben dem Red-Bull-Stadion, doch die beliebten Turniere, die Jovan und sein Bruder Nenad immer organisiert haben, müssen derzeit warten.

Jovan wollte sie weiterleben lassen, doch seine "Kings of Klessheim" waren einstimmig der Meinung, dass die Turniere erst wieder mit ihm stattfinden sollen. Denn ohne ihn wären sie nicht dasselbe. Als Jovan das erfuhr, habe er Tränen in den Augen gehabt, so erzählt er, weil er wirklich verstanden habe, was er seinen Burschen bedeute.

Auf die Frage, wann er wieder nach Salzburg komme, kann Jovan keine Antwort geben und lächelt verschmitzt: "Es kann ein Jahr sein oder vielleicht komme ich auch schon in einem Monat wieder."

Ziel seiner Reise sei es, seiner inneren Bestimmung zu folgen, wie er das in den vergangenen Jahren auch mit dem Fußballnetzwerk gemacht habe.

Denn "viele verlieren einfach irgendwann ihre Lebenslust, sie trauen sich nicht mehr, ihren Traum zu leben." Er wolle aber auf seine innere Stimme hören, die ihm immer gesagt habe: "Geh in die große, weite Welt hinaus."

Und da ist er jetzt irgendwo in einem Hostel in Kirgisistan, wo er kaum die Landessprache spricht, aber sich dennoch blendend mit den Menschen dort versteht.

Sein nächstes Projekt ist ein Gedichtband, denn das Schreiben sei immer sein Traum gewesen und dem folgt er jetzt und verschwindet für einige Tage ganz von der Bildfläche, ohne Handynetz und Social Media in einer Jurte im kirgisischen Niemandsland.

Aufgerufen am 29.05.2022 um 01:03 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/der-kickende-koenig-von-klessheim-115125916

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