Österreich

Gründer verteidigt Bewertungs-App: "Wir verkaufen keine Schülerdaten"

Die Datenschutzbehörde hat der App "Lernsieg" grünes Licht gegeben. Kritik gibt es aber weiterhin am Sammeln von Schülerdaten. Die Lehrergewerkschaft spricht von einer groß angelegten "Handynummernsammelaktion". Nun meldet sich der App-Erfinder Benjamin Hadrigan zu Wort.

Der 18-jährige Gründer Benjamin Hadrigan verteidigt seine App „Lernsieg“. SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Der 18-jährige Gründer Benjamin Hadrigan verteidigt seine App „Lernsieg“.


Die App, mit der Schüler ihre Lehrer mit Sternen bewerten können, bleibt weiterhin ein strittiges Thema im Klassenzimmer. Das Rechtsgutachten aus dem Bildungsministerium sieht keine Bedenken und gibt den Machern von "Lernsieg" damit den Weg für den Neustart frei. Die Lehrergewerkschaft zeigt sich aber nach wie vor skeptisch: Dass die App-Nutzer ihre Handynummern angeben müssen, um Bewertungen abzugeben, sehe man kritisch. Eine Datensammelaktion, um Geld damit zu lukrieren, werde hinter der Aktion vermutet, sagte Lehrer-Gewerkschaftschef Paul Kimberger.

Hadrigan: "Verkauf von Schülerdaten schließen wir aus"

Der mittlerweile 18-jährige Gründer entgegnete den Vorwürfen: "Wir haben den Verkauf von Schülerinnen- und Schülerdaten nie geplant, planen ihn jetzt nicht und schließen ihn auch für die Zukunft hundertprozentig aus." Man müsse zwar "in einem bestimmten Rahmen" Geld verdienen, um den laufenden Betrieb der App zu finanzieren. Dennoch sei die App "Lernsieg" für Hadrigan kein Projekt, um Geld zu machen. Vielmehr wolle er den Schülerinnen und Schülern eine Stimme geben. Mit der App können die Lernenden ihre Lehrer sowie auch die Schule in mehreren Kategorien mit ein bis fünf Sternen bewerten.

Dass Schüler sich bei der App mit ihrer Handynummer registrieren müssen, liege den Gründern zufolge daran, Manipulation durch mehrfache Stimmabgabe zu verhindern. Außerdem sollen die Nutzer künftig per Push-Nachrichten auf Weiterentwicklungen aufmerksam gemacht werden.

Die Datenschutzbehörde, die sich der Untersuchung der App angenommen hat, hat letzte Woche das Verfahren eingestellt und folgendes Urteil mitgeteilt: Durch die Verifizierung über die Telefonnummer erschwere "Lernsieg" im Vergleich zu anderen Bewertungsplattform zumindest die Abgabe mehrerer unsachlicher Urteile bzw. setze die Hemmschwelle dafür höher an. Zur Verhinderung von Beleidigungen bzw. Verunglimpfungen gebe es auch keine Möglichkeit zur Abgabe offener Bewertungen.

Neustart der App steht bevor

Derzeit wird am Neustart der App gearbeitet, wie eine Sprecherin auf SN-Anfrage bestätigte. Geplant sei der Relaunch in den nächsten Wochen, der im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll.

Grund für die Verzögerungen sei eine breitere Aufstellung des Projekts. Zudem sollen Schülerinnen und Schüler in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Auch mit der Bundesschülervertretung, die der App ursprünglich skeptisch gegenüberstand, sind die App-Macher in Kontakt. Die Bewertung per App sei nicht ausreichend und auch der Beliebtheitswettbewerb zwischen Lehrern durch die öffentliche Sternebewertung sehe man nicht als förderlich, sagte die Bundesschulsprecherin Jennifer Uzodike im November im Gespräch mit den SN. Nun bestätigte sie die aktuelle Zusammenarbeit mit den App-Gründern. Das neu geschaffene Schülergremium soll künftig auch in kaufmännische Entscheidungen eingebunden werden, etwa ob und welche Werbung in der App akzeptiert wird und ob neue zahlungspflichtige Tools eingeführt werden, etwa die Möglichkeit, dass sich Schulen über ein kostenpflichtiges Profil selbst präsentieren.

Ein holpriger Start für "Lernsieg"

Die App war Mitte November veröffentlicht worden, binnen weniger Tage wurde sie 70.000 mal heruntergeladen. Nach nur vier Tagen wurde sie jedoch wieder offline genommen. Ausschlaggebend dafür seien den Gründern zufolge eingegangene Hassnachrichten an den damals noch 17-jährigen Benjamin Hadrigan gewesen. "Eine Welle des Hasses" sei über ihn hereingebrochen, bekundete der Schüler.


Für die App wurde eine Datenbank mit rund 90.000 Lehrern und den entsprechenden Schulen angelegt. Dort können Schüler ihre Pädagogen ab der AHS-Unterstufe bzw. Neuen Mittelschule (NMS) in Kategorien wie Unterricht, Fairness oder Pünktlichkeit bewerten und bei weniger als fünf Sternen in vorgegeben Unterkategorien konkretisieren, welche Mängel es gibt. Für jede Schule gibt es dann ein Ranking der "besten" Lehrer und neben dem jeweiligen Schulprofil auch ein Ranking der zehn besten Schulen in Kategorien wie Lehrangebot oder Neue Medien.

Die Stimmung zwischen App-Gründern und der Lehrergewerkschaft bleibt nach wie vor angespannt. "Die Lehrergewerkschaft hat die Gelegenheit, beim Umgang mit der App jene Fairness zu zeigen, die von Lehrerinnen und Lehrern insgesamt im Umgang mit Schülerinnen und Schülern und deren Ideen und Meinungsbekundungen erwartet werden darf", sagte Benjamin Hadrigan.

Quelle: SN

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