Österreich

Mehr als 5200 Coronavirus-Infizierte in Österreich - 30 Todesfälle bestätigt

Die Zahl der nachweislich mit dem neuen Coronavirus infizierten Menschen in Österreich ist am Dienstag stark auf über 5.000 gestiegen. Das Gesundheitsministerium zählte am Mittwochfrüh (8.00 Uhr) insgesamt 5.282 positive Fälle und somit gegenüber Dienstagfrüh (8.00 Uhr) eine Zunahme um 796 Infizierte.

Die Testkapazitäten sollen ausgebaut werden, um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuhalten. SN/apa
Die Testkapazitäten sollen ausgebaut werden, um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuhalten.

Montagfrüh (8.00 Uhr) lag die Zahl der erkrankten Menschen noch bei 3.611, seit Wochenbeginn gab es damit mehr als 2.400 Neuerkrankungen in Österreich.

Angesichts der steigenden Zahlen zeigte sich Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sehr vorsichtig bei seiner Einschätzung: "Wir werden nach Ostern in einer Phase sein, die der heutigen mehr ähnelt, als dem Normalzustand", sagte er am Dienstag in einer Pressekonferenz. Kurz betonte: "Es wird nicht das Leben von heute auf morgen wieder so sein, wie es war."

"Wir müssen in den einstelligen Bereich, was das Wachstum der Kurve betrifft", sagte Kurz zur Frage, wann es Lockerungen der Maßnahmen geben könnte. Gleichzeitig müsse dann vorgesorgt werden, dass es nicht zu einem neuerlichen Anstieg der Krankheitsfälle kommt. Der Bundeskanzler brachte hier auch "Big Data" ins Spiel, ohne konkret zu werden.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) kündigte an, nun doch auch Schnelltests durchführen zu wollen, dies sei keine Strategieänderung der Regierung. Vielmehr sei man immer der Meinung gewesen, möglichst viele Tests durchführen zu wollen. Man habe bewusst abgewartet, bis die Qualität der Schnelltests dort ist, dass man spezifische Aussagen treffen kann - das sei nun der Fall. Die ersten Schnelltests könnten schon diese Woche in Österreich eintreffen. Der Kanzler rechnet damit, dass man dann "sicherlich in den nächsten Wochen" mit diesen Schnelltests "in die Fläche" gehen kann, sie also breit anwenden kann.

Österreichweit hat das Virus (Stand Dienstag 15.00 Uhr) bisher 28 Tote gefordert, wobei in Wien mit elf die höchste Zahl zu beklagen war. Die restlichen Todesopfer nach Bundesländern: Burgenland (2), Kärnten (1), Niederösterreich (3), Oberösterreich (2), Steiermark (5) und Tirol (4). Dabei divergierten die Zahlen der Landessanitätsdirektionen mit denen des Gesundheitsministeriums allerdings erheblich. So gab die steirischen Landessanitätsdirektion am Abend bereits den achten Todesfall für das Bundesland bekannt.

Die Fallzahlen schnellen besonders in Tirol in die Höhe, um 20.00 Uhr waren es bereits 1.330. Die Causa um die Hotspots in Tiroler Skiorten beschäftigt mittlerweile auch die Justiz. Verbraucherschützer Peter Kolba brachte am Dienstag bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck eine Sachverhaltsdarstellung ein, weil die Tiroler Behörden die Sperren von Hotels und Pisten hinausgezögert haben sollen. Die Anzeige richtet sich u. a. gegen den für Tourismus zuständigen Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP).

Nach und nach wurde auch weiter sichtbar, welch umfassende Auswirkungen die Pandemie auf Österreich hat. Aufgrund der Einreisebeschränkungen werden etwa tausende Pflegekräfte aus dem Ausland wegfallen. Wie viele das sein werden, weiß man offenbar noch nicht. Die Regierung versucht einen Pflegenotstand abzuwenden, indem die Länder zusätzliche stationäre Plätze schaffen und die mobilen Dienste verstärken. Anschober und Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) informierten am Dienstag, dass man über eine Kooperation mit den Ländern ein Konzept aufgestellt habe, "um Notsituationen zu bewältigen und damit niemand allein gelassen wird", sagte Anschober. Betroffen sind potenziell Hunderttausende.

Seit dem Beginn der Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie gibt es vom 16. bis 23. März zusammengerechnet um 138.000 mehr registrierte Arbeitslose als noch am 15. März, sagte AMS-Vorstand Johannes Kopf am Dienstagnachmittag zur APA. Gestern hatte der AMS-Chef ein Plus von 115.600 Arbeitslosen bekanntgegeben.

Die Rückholflüge von Österreichern, die sich in der Corona-Krise im Ausland befinden, waren auch am Dienstag in vollem Gange. Bis Mittwoch werden insgesamt über 5.000 Menschen mit Sondermaschinen in ihre Heimat geholt worden sein. Erst am Dienstag landete am Vormittag eine Triple-Seven der AUA aus Washington in Wien mit 300 Österreichern an Bord.

Anzahl der Infizierten in Österreich, Stand 24.03.2020 15 Uhr:

89-jährige Frau in Klagenfurt gestorben

Eine 89 Jahre alte Frau ist am Dienstag im Klinikum Klagenfurt gestorben. Sie war mit dem Coronavirus infiziert. Es handelt sich um Kärntens zweiten Todesfall in Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19. Laut Landespressedienst hatte die Frau schwere Vorerkrankungen. Im Landesklinikum Melk starb in der Nacht auf Dienstag ein positiv auf das Coronavirus getesteter 72-Jähriger. In Tirol gab es indes zwei weitere Coronavirus-Todesfälle. Die Verstorbenen waren 77 und 89 Jahre alt und waren bereits wegen schwerer Vorerkrankungen stationär aufgenommen worden, teilte das Land mit. Im Zuge der Einlieferung in das Krankenhaus Zams waren sie positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Weiterer Todesfall in der Steiermark

In der Steiermark ist am Dienstagabend ein weiterer Todesfall bekannt geworden: Laut Landessanitätsdirektion starb eine Frau aus dem Bezirk Hartberg-Fürstenfeld an einer Covid-19-Erkrankung. Die Frau war 1936 geboren worden. Der Landessanitätsdirektion zufolge ist sie der achte Todesfall in dem Bundesland.

Testkapazitäten werden ausgeweitet

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) verkündete bei der Pressekonferenz am Dienstag, man wolle in Zukunft bis zu 15.000 Tests täglich durchführen. "Wir werden auf Schnelltests setzen, um bald 100.000 Menschen breitenwirksam zu testen." Auch Gesundheitsminister Rudolf Anschober bestätigte: "Jeder Test, der technisch möglich ist, wird durchgeführt." Den Forderungen nach flächendeckenden Tests hat Anschober jedoch bereits am Montag eine Absage erteilt. Dies sei vom Fachbeirat als nicht sinnvoll bewertet worden und sei auch aufgrund der Ressourcen "nicht umsetzbar". Dennoch, betonte der Minister, werden täglich mehr Testungen durchgeführt, aktuell zwischen 2000 und 4000 pro Tag.

In der Bundeshauptstadt Wien sollen etwa künftig statt bisher 400 bis zu 1800 Testungen pro Tag möglich sein. 600 davon sollen allein im Gesundheitsbereich durchgeführt werden. Das teilte ein Sprecher des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig am Dienstag mit. Private Labore konnten dafür gewonnen werden.

Bundesregierung kauft zwei Millionen OP-Masken

Mediziner meldeten sich dieser Tage zu Wort und beklagten einen Mangel an Schutzmasken und sonstiger Schutzausrüstung. Der Gesundheitsminister betonte, man sei mit allen Mitteln dahinter. Medienberichten zufolge hat das Wirtschaftsministerium nun zwei Millionen chirurgische Masken gekauft, die am Freitag ankommen sollen. Spitäler und Bundesländer haben bisher eigenständig Schutzausrüstung angeschafft. Nun soll es einen zentralen Einkauf geben.

Montagnachmittag landeten in Wien-Schwechat zwei AUA-Maschinen aus China, die 130 Tonnen Schutzausrüstung an Bord hatten. Der Großteil davon geht jedoch nach Italien, die dieses direkt in China bestellt hatten. Das Material soll am Dienstag von einem zivilen Frächter in Begleitung von Polizei und Militärpolizei nach Tirol und in weiterer Folge zur Grenze nach Südtirol gebracht werden, wo es den italienischen Behörden übergeben wird.

Kapazitäten in den Spitälern:

In den Bundesländern wurden zusätzliche Betten für die Betreuung von Covid-19-Patienten geschaffen.

Der Blog zur Coronavirus-Krise:

Quelle: APA

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