Österreich

Vanessa und Thomas Herzog: Harsch und herzlich mit 26 Jahren Unterschied

Wie sich eine Spitzensportlerin und ihr viel älterer Manager verliebten und wie sie gemeinsam einem heimtückischen Gegner trotzen.

26 Jahre Altersunterschied zwischen Mann und Frau, wo gibt's denn so was? Vanessa und Thomas Herzog sind kein Promipaar der High Society, in der solche Kombinationen vorkommen mögen. Wohl aber kennt man die beiden, denn sie ist eine der weltbesten Eisschnellläuferinnen, er ihr Trainer und Manager. Eine 26-jährige Sportlerin und ihr 52 Jahre alter Ehemann, das wirft Fragen auf.

Thomas Herzog sagt: "Es war Liebe auf den dritten Blick." Als er das Management der damals 20-jährigen Sportlerin übernommen habe, habe sich die Kontaktaufnahme schwierig gestaltet: "Die Vanessa hat damals noch nicht mit Fremden gesprochen", scherzt er. Sie bestätigt: "Ich war total schüchtern und froh, dass der Tom so viel geredet hat. Denn da musste ich nicht reden."

Das Eis begann ein paar Monate später zu schmelzen. Der in Kärnten lebende Thomas Herzog war nach dem Unfall der ebenfalls von ihm betreuten Stabhochspringerin Kira Grünberg in Innsbruck voll gefordert. In dem Trubel hatte er sich keine Gedanken darüber gemacht, wo er schlafen sollte. Vanessa, die zu der Zeit beim Bundesheer weilte, organisierte spontan eine Übernachtungsmöglichkeit für ihn bei ihrer Familie.

Der Kontakt wurde intensiver. Das Umfeld registrierte früher als die beiden selbst, dass ein Feuer zu lodern begann. Von einer Freundin wurde der verheiratete Thomas zurechtgewiesen: "Du weißt aber schon, dass die 20 Jahre jünger ist als du?" Von Vanessas Mutter kam eine Mitteilung, deren Tragweite sie noch nicht ahnen konnte: "Du, die Vanessa mag dich übrigens total gern." Wie sehr, wurde dann bei der "Nacht des Sports" klar. Die Gefühle fuhren Achterbahn. Vanessa: "Ich habe mich bei ihm total wohlgefühlt." Thomas: "An diesem Abend ist die Liebe eingeschossen."

Der gemeinsamen Nacht folgten Wochen der Ungewissheit. Für die Sportlerin standen Rennen in Übersee an. Ihr Manager trennte sich unterdessen daheim nach 25 gemeinsamen Jahren von seiner Frau. Bange Gedanken begleiteten sein Wiedersehen mit Vanessa: "Bitte, lieber Gott, lass diese bezaubernde 20-Jährige noch immer so sein wie an diesem einen Abend." Die Bedenken waren unbegründet, vielmehr zog Thomas sofort bei Vanessa ein. Er schildert: "Vom 400-Quadratmeter-Haus am Land ins Kinderzimmer einer 55-Quadratmeter-Wohnung in der Stadt, in einen Raucherhaushalt mit vier Personen." Eine krasse Umstellung, wesentlich erleichtert durch die herzliche Aufnahme in der Großfamilie.

Der Altersunterschied ist dort kein Thema. "Für mich war der überhaupt nie ein Problem", bekräftigt Vanessa. Ihr Mann beobachtete zumindest anfangs argwöhnisch, wie Menschen auf sie reagieren: "Vielleicht denken sich die Leute, ,Was will der alte Sack von der Jungen?', aber sie sagen es nicht."

Turbulent wie der Start der Beziehung war auch die Fortsetzung. Vanessa wurde bei einem Trainingsunfall von den Zwillingsreifen eines Lkw überrollt, zwei Mal verpasste sie eine Olympiamedaille haarscharf, zuletzt in Peking nach zwei Bandscheibenvorfällen in der Vorbereitung. Thomas ist nun auch ihr Trainer. Rund um die Uhr verbunden zu sein ist eine Herausforderung, bei der die Fetzen fliegen können: "Außenstehende wundern sich, wie harsch wir auch zueinander sein können. Aber wir haben einen guten Weg gefunden, damit umzugehen", erklärt Thomas.

Dem sportlichen Höhepunkt - Gold und Silber bei der Weltmeisterschaft 2019 - folgte nur wenige Tage später der härteste Tiefschlag: Thomas erhielt die Diagnose Parkinson. "Die Krankheit ist absolut heimtückisch", sagt er über das unheilbare Nervenleiden, das ihm manchmal die Stimme oder die Koordinationsfähigkeit raubt. "Du bist jung. Wenn du willst, kannst du gehen", habe Thomas zu ihr gesagt, erzählt Vanessa. Das kam für sie überhaupt nicht infrage: "Ich hab' mir doch deinen Namen tätowieren lassen." Der Schriftzug "Thomas" samt Hochzeitsdatum ziert ihre Rippen, ebenso die olympischen Ringe.

Wenn in vier Jahren hoffentlich die entsprechende Medaille dazugekommen ist, gehen dem Paar die gemeinsamen Ziele nicht aus. Eine Weltreise ist geplant und auch ein Kind. Erstaunte Reaktionen nimmt Thomas längst gelassen hin: "Ich bin dann immer noch jung genug. Es gibt ältere Väter."


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