Österreich

Warten auf den Schnee: "Etwas nervös sind wir schon"

Kommt er? Oder kommt er nicht? Die Sehnsucht nach Schnee prägt die Vorsaison in Österreichs Wintersportgebieten. In Kaprun sinnierten am Dienstagabend Gäste und Branchenvertreter aus Tourismus, Skiindustrie, Bergbahnen und Skischulen über die alles entscheidene Frage: Wann wird es endlich Winter?

"Etwas nervös sind wir schon", erklärt der langgediente Seilbahnchef aus Ischgl und stellvertretende Branchensprecher in der Wirtschaftskammer, Hannes Parth. "Die Schneekanonen stehen bereit, aber wir können sie nicht einschalten." Dabei bräuchte es gar nicht viel. Ab minus zwei bis minus drei Grad könnte man schon "ganz anständig Schnee machen". In nur drei bis vier Tagen könnte ein ausreichend großes Pistenangebot geschaffen werden, selbst in den größeren Skigebieten. 600 Mill. Euro hat die Branche heuer wieder in Komfort- und Qualitätsverbesserungen investiert, davon 114 Mill. Euro in die Beschneiung. Der durchschnittliche Beschneiungsgrad der Skipisten liegt österreichweit bei 60 bis 70 Prozent. DIe Top-Gebiete freilich näherten sich den 100 Prozent, betont Parth.
Unbeeindruckt vom Wetter zeigt sich der Geschäftsführer der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer, Eric Wolf. Er sagt, "die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Bedingungen, ab denen man beschneien kann, irgendwann vor Saisonbeginn noch kommen". Und selbst in schneearmen Wintern hätten die Bergbahnen in jüngster Vergangenheit umsatzmäßig gut abgeschnitten. Im vergangenen Winter erzielten die österreichischen Seilbahnbetriebe - allerdings mit Unterstützung von reichlich Naturschnee - ein neues Rekordergebnis von 54,6 Millionen Skierdays, ein Plus von 4,6 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Die Umsätze stiegen um 4,8 Prozent auf 1,48 Mrd. Euro. Von den rund 3000 Liften in Österreich sind übrigens immer noch zwei Drittel Schlepplifte, rund 1000 sind große Kabinenbahnen und Sessellifte. Die Gesamtanzahl der Anlagen sei rückläufig, sagt Wolf. Denn zwei bis drei Schlepplifte würden meist durch eine größere Bahn ersetzt.

Mit dem Schnee fällt auch ein Stein vom Herzen

Echter Schneefall ist freilich durch nichts ersetzbar. "Wenn es soweit ist, fällt sicher vielen ein Stein vom Herzen", sagt Tourismussprecherin Petra Nocker-Schwarzenbacher. Die Vorbereitungen auf die Wintersaison würden, so wie jedes Jahr, nach Plan laufen. Selbstverständlich werde derzeit auch schon gebucht, man befinde sich in einer der buchungsstärksten Phase für den Winter. Zuletzt habe der Druck freilich wetterbedingt etwas nachgelassen, "ein Schneefall im Norden von Deutschland würde uns jetzt schon helfen".
Im Winter klingeln in Österreichs Tourismusbranche die Kassen. Denn auch wenn der Sommer den Winter bei den Nächtigungen mit rund 75 Millionen um drei Millionen in den Schatten stellt, bringt die Wintersaison den Betrieben um einiges mehr an Umsatz. "Bei zwei Prozent weniger Nächtigungen kommt der Winter auf 16 Prozent mehr Umsatz", rechnet Nocker-Schwarzenbacher vor. Die täglichen Ausgaben eines Wintersportgastes liegen bei im Schnitt 152 Euro pro Kopf.
Zufrieden mit dem Geschäft ist Wolfgang Mayrhofer, Atomic-Chef und Sprecher der Österreichischen Skiindustrie mit Atomic, Fischer, Head und Blizzard. Nach dem Traumwinter im Vorjahr seien die Bestellungen für die kommende Saison sehr gut ausgefallen. "Wintersport ist wieder trendy", sagt Mayrhofer. Der weltweite Alpinskimarkt habe sich mit rund 3,2 Millionen Paar Ski und rund 3,5 Millionen Paar Skischuhen zum Positiven entwickelt. Knapp jeder zweite Ski, der global verkauft werde, sei eine österreichische Marke. "Und wir wollen Weltleader bleiben", betont Mayrhofer. Die Produkte seien zuletzt komfortabler und noch leichter geworden. Auch wertmäßig habe man sich mit einer weiter steigenden Nachfrage im Premiumsektor besser entwickelt. Bei den neuen Hoffnungsmärkten setzt man voll auf China. Die Olympischen Winterspiele in Peking 2022 seien ein wichtiger Impuls, sagt Mayrhofer. Ob Atomic dann schon chinesische Eigentümer haben wird, nachdem Anta aus China derzeit nach der finnischen Atomic-Mutter Amer Sports seine Fühler ausstreckt, beantwortete er nicht. "Da kann man noch gar nichts sagen."

"Noch nichts aus der Zeit"

Zum Warten auf den Schnee sagt der Atomic-Chef: "Es ist noch nichts aus der Zeit." In zehn Tagen werde es kälter, "dann können wir den Winter eröffnen."
Noch keine Sorge, dass der Winter ausbleiben könnte, hat auch der Geschäftsfüher von Fischer Ski, Franz Föttinger. Selbst für Langläufer, so Föttinger, stünden mittlerweile immer mehr beschneite Loipen zur Verfügung. "In Österreich gab es im Vorjahr im Frühwinter über 20 Kunstschnee-Loipen."
Mit einer Neuigkeit starten Österreichs Ski- und Snowboardschulen in die Wintersaison. Am 10. Dezember geht mit book2ski.com eine eigene Buchungsplattform der Österreichischen Skischulen online. Zum Start dabei sind 100 Betriebe, 400 der österreichweicht 650 sollen es werden. "Wir wollen unabhängig werden von den mittlerweile sehr vielen Online-Plattformen, die unsere Leistungen verkaufen", sagt Salzburgs Skischulpräsident Gerhard Sint aus St. Johann. Die hohen Provisionen würden die Erträge auffressen. Bis zu 40 Prozent des Geldes, das man verdiene, würden bei der Vermittlung über externe Plattformen auf der Strecke bleiben. Auf book2ski gebe es für die Kunden Frühbucherboni und geringe Stornierungsgebühren. Auch wolle man mit der eigenen Plattform die Online-Buchbarkeit in der Branche kräftig steigern. 49 Prozent der Skischulen in Österreich seien derzeit noch nicht online buchbar.
Und der Schnee? "Der kommt ganz sicher", sagt Seilbahner Hannes Parth. In Ischgl jedenfalls bleibt man beim geplanten Termin für das Skiopening am nächsten Donnerstag, den 22. November. "Die Kaltfront soll ja jetzt früher kommen als ursprünglich angekündigt", erklärt Parth. Ab kommenden Samstag soll es spürbar kälter werden. Und dann wird jeder verfügbare Knopf gedrückt.

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