Österreich

Wie hältst du es mit der Hochkultur, Student?

Den freien Abend verbringen Hochschüler selten in der Oper oder im Ballett. Liegt das an den Studenten - oder an der Hochkultur?

Das Wochenende steht an, alle Pflichten sind abgehakt. Also plant Andreas (22) einen unterhaltsamen Abend. Das bedeutet für ihn entweder Netflix schauen, ein Pop-Konzert besuchen oder feiern gehen. Hochkulturelles lässt er außen vor. Und offenbar hält das nicht nur Andreas so: Laut einer Jugendstudie vom Wiener Trendforschungsinstitut tfactory verbringen junge Menschen eher selten den freien Abend im Theater, Museum oder Ballett. 95 Prozent der jungen Menschen gaben sogar an, noch nie eine Opernaufführung besucht zu haben.

Richtet sich die Hochkultur nach wie primär an eine ältere Zielgruppe? Zumindest die Kulturinstitutionen selbst arbeiten daran, auch das jüngere Publikum anzuziehen. Im Kulturentwicklungsplan des Landes Salzburg ist das sogar ein Zielschwerpunkt. Und es gibt auch Beispiele für junge und zugleich stark kulturaffine Menschen: Andreas Haslauer, Mathematikstudent in München, geht etwa sehr gerne zu Kulturveranstaltungen. Und zwar, um sich "für mehrere Stunden einer Sache hinzugeben und sonst nichts tun zu müssen. Kein Handy, keine Werbung, keine Uni. Zu Hause funktioniert das nur selten", sagt er.

Dennoch versteht er, dass die Szene für manche Studierende einschüchternd wirken kann. Bei vielen Hochkulturevents störe ihn eine gewisse Publikumsgruppe, die sich wegen ihres Hobbys anderen überlegen fühle - oder zumindest dieses Gefühl ausstrahle. Andreas ergänzt, dass ihn zu Anfang auch der Dresscode mancher Veranstaltungen abgeschreckt habe. "Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran, einen gewissen Kleidungsstil zu pflegen." Andreas würde es dennoch begrüßen, wenn die Veranstalter noch stärker auf jene zugehen würden, denen die Hochkultur nicht durch das Elternhaus näher gebracht wurde. "Das würde die Angst und das elitäre Vorurteil nehmen."

Thomas Randisek, Geschäftsführer des Dachverbands der Salzburger Kulturstätten, kann die Kritik nicht ganz nachvollziehen. "Da muss ich schon sagen: auch selbst Schuld, wenn man solche Hemmschwellen hat." Die betreffenden Kulturinstitutionen seien alle derart niederschwellig, dass es kaum Überwindung brauche, sich hinzuwagen. Und dass der Dresscode zu streng sei, wäre nur ein "übles Gerücht". Jedem sei freigestellt, Hochkulturveranstaltungen in legerer Kleidung zu besuchen.

Auch Sarah Eisenlohr, Kommunikationswissenschaftsstudentin in Salzburg, geht öfters zu Kulturveranstaltungen. "Gerade das Theater gehört meiner Meinung nach zur Allgemeinbildung." Schwachpunkte hätten diese Events dennoch. Oft seien die Aufführung für Studierende zu teuer. Außerdem würde an den Universitäten zu wenig dafür geworben, meint Eisenlohr.

Randisek stimmt zu, dass bei der Kommunikation von Kulturprogrammen noch Verbesserungspotenzial bestehe. Er fügt allerdings an, dass die Preise kein Problem seien. Es gebe genügend Angebote für Studenten - und diese sei für jeden leistbar. Tatsächlich bieten viele Kulturinstitutionen Ermäßigungen für Studierende, in Salzburg speziell am sogenannten Studentenmittwoch - dem Aktionstag für Hochschüler. Damit kann ein Besuch des Landestheaters schon weniger als zehn Euro kosten.

Die Frage, ob sich Kultureinrichtungen an die Studierenden anpassen müssten, verneint der Geschäftsführer des Salzburger Dachverbands. "Also ich glaube, vonseiten der Kulturstätten gibt es da wenig, das man machen kann." Im Endeffekt müssten junge Menschen die Initiative ergreifen und zu einer der vielen Kulturveranstaltungen gehen, sagt Randisek.

Dieser Beitrag wurde von Studenten der Universität Salzburg im Rahmen einer Lehrredaktion in Kooperation mit den "Salzburger Nachrichten" erstellt.

Quelle: SN

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