Wissen

Prähistorische Salzstollen in Hallstatt werden gerettet

Der Berg bewegt sich. 16 Fundstellen müssen saniert werden. Die Arbeiten dauern bis 2025 und kosten rund 1,9 Millionen Euro.

Rund um Hallstatt hat sich durch 7000 Jahre Salzgewinnung die älteste Kultur- und Industrielandschaft der Welt entwickelt. Seit der Steinzeit wird hier Salz abgebaut - bis heute. Eine ganze Kulturepoche, die Hallstattzeit, wurde nach dem Ort im Salzkammergut benannt.

Weil die spezielle geologische Situation im Hallstätter Salzberg regelmäßige Instandhaltungsarbeiten erfordert, um zu verhindern, dass die Stollen verfallen oder "zuwachsen", hat das Naturhistorische Museum Wien in Kooperation mit dem Bundeskanzleramt, dem Land Oberösterreich, dem Bundesdenkmalamt und der Salinen Austria AG ein aufwändiges Sanierungskonzept erstellt, das um 1,9 Millionen Euro 16 Fundstellen erhalten soll. Start des Projektes ist die schon zur Tradition gewordene, öffentliche Veranstaltung "Archäologie am Berg" am 18. August 2018.

Hallstatt ist ein einzigartiges Zeugnis der Vergangenheit

Die prähistorischen Fundstellen, die in den vergangenen Jahrzehnten freigelegt wurden, sind wichtiger Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Denn während ansonsten aus dieser Zeit nur Keramik, Stein oder Glas erhalten ist, hat der Salzbergbau mit seinen besonderen Bedingungen auch dort verlorene oder zurückgelassene Gegenstände aus organischen Materialien wie Holz, Fell, Leder und Textil konserviert. So fanden Archäologen Rucksäcke, Handschuhe, Fellkappen, Kleidungsteile und Hunderte Seile. Auch die älteste Holzstiege Europas ist im Salzberg entdeckt worden. Durch das Salz wurde Hallstatt um 800 v. Chr. zur reichsten Gemeinschaft in Mitteleuropa. Die außerordentlichen Beigaben in den Gräbern der Bergleute zeugen eindrucksvoll von dieser Glanzzeit. Bernstein, Elfenbein und Wein aus dem Süden wurden den Verstorbenen auf die Reise ins Jenseits mitgegeben. Die Funde erlauben einmalige Einblicke in prähistorische Lebens- und Arbeitswelten, wie sie sonst in Europa nicht möglich sind. Hallstatt ist damit ein Schlüsselfundort für das Verständnis und die Erforschung der Vergangenheit.

Weltweit sind nur drei prähistorische Salzbergwerke bekannt - in Hallstatt, Hallein und Cherabad im Iran. 88 prähistorische Fundstellen sind bisher im Hallstätter Salzberg entdeckt worden. Die prähistorischen Fundstellen befinden sich im oberflächennahen Bereichen des Berges. Die Stollen in diesem Teil des Grubengebäudes werden vom aktiven Bergbau zum Teil nicht mehr genutzt - die 225.000 Tonnen Salz, die in Hallstatt 2017 mit modernsten Verfahren gefördert wurden, kommen zum Großteil aus hunderte Meter tief gelegenen Horizonten.

"Hallstatt baut auf 7000 Jahren Salz - und geht in die Zukunft: Heute werden mit modernsten Prospektionsmethoden und einer neuen Vortriebsmaschine die Weichen für die Produktion der nächsten Jahrzehnte gestellt", so Kurt Thomanek, Vorstand der Salinen Austria. "Gleichzeitig sollen auch jene Elemente des Weltkulturerbes erhalten bleiben, die den Hallstätter Berg historisch so bedeutsam machen. Die Kooperation zum Erhalt der ausgewählten Fundstellen ist uns ein besonderes Anliegen."

Die alten Fundorte sind gefährdet

Der Salzberg besteht aus Salz, Ton und Gips. Durch diese Zusammensetzung ist das Salzgebirge plastisch und in Bewegung - etwa einen Zentimeter pro Jahr - und in der Lage, von Menschenhand gemachte Hohlräume in wenigen Jahrzehnten wieder zu schließen. Werden die Stollen, welche zu den urgeschichtlichen Abbauorten führen, nicht genutzt und es erfolgen dadurch keine regelmäßigen Erhaltarbeiten, schreitet der Verfall der Stollen rasch voran, sie "wachsen zu" und sind in absehbarer Zeit nicht mehr befahrbar oder sind es bereits zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr. Sie befinden sich in einer Tiefe von 50 bis 100 Metern.

"Das Naturhistorische Museum ist seit 1960 mit wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Hallstätter Bergwerk vertreten, um Erkenntnisse zum Leben der prähistorischen Bergleute zu gewinnen", erklärt NHM Wien-Generaldirektor Christian Köberl. "Die Erhaltungsbedingungen im Hallstätter Bergwerk zählen zu den besten der Welt - gerade deshalb ist es von besonderer Bedeutung sicher zu stellen, dass jene 16 untertägigen Fundstellen, die Struktur, Organisation und Dimension des Bergwerkes am besten widerspiegeln, bestehen bleiben und Forschung auf höchstem Niveau weitergeführt werden kann."

Deshalb läuft nach einem erfolgreichen Pilotprojekt im vergangenen Winter jetzt die Rettungsaktion an. Aus 88 Fundstellen wurden 16 besonders wissenschaftlich repräsentative für die Sanierungsarbeiten ausgesucht. Darunter befinden sich eine von den prähistorischen Bergleuten herausgehauene 200 Meter lange und 20 Meter hohe Kammer und ein Schacht mit einem Durchmesser von zehn Metern. Jedes Jahr sollen ein bis drei Fundstellen neu gepölzt - mit Stützen verstärkt - werden. Dann sind sie für die kommenden Jahrzehnte gerettet, die nahtlose Fortsetzung der seit Jahrzehnten andauernden Forschung ist damit gesichert, sagt der zuständige Prähistoriker des Naturhistorischen Museums in Wien, Hans Reschreiter. Das Museum begleitet das Projekt in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt. Das Bundeskanzleramt und das Land Oberösterreich finanzieren, die Salinen Austria führen die Arbeiten aus.

Archäologie für alle am kommenden Wochenende

Am kommenden Wochenende gewähren das Museum und die Salzwelten Hallstatt Einblicke in die Welt der prähistorischen Bergleute mit der inzwischen schon zur Tradition gewordenen Veranstaltung "Archäologie am Berg". Sie stellen dabei auch die 16 zu sanierenden Fundstellen vor und erläutern, warum sie für das Erhaltungsprojekt ausgewählt wurden.


Die Veranstaltung zum Mitmachen, Ausprobieren und Entdecken wendet sich an Familien und Interessierte. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Zu bezahlen ist die Auffahrt mit der Salzbergbahn. Infos und Online-Tickets auf: www.salzwelten.at

Quelle: Apa-U.k.

Mehr zum Thema

Aufgerufen am 18.11.2018 um 11:46 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/praehistorische-salzstollen-in-hallstatt-werden-gerettet-38812984

Kommentare

Schlagzeilen