Serious Sam 4

Im Ernst jetzt?

"Serious Sam" geht in die mittlerweile vierte Runde - und den Machern des Fun-Shooters schön langsam die Freude aus. Was vom Baller-Klassiker übrig blieb.

Bei "Serious Sam" ging es schon immer richtig zur Sache: Weitläufige Kampfarenen, gewaltige Gegnerhorden, übertriebene Superwaffen und reichlich derbe Sprüche. Traditionell wird bei Sam viel geballert und wenig nachgedacht. Gehirne auf Standby ist die Devise.
Mittlerweile gibt es den Fun-Shooter fast 20 Jahre. Anders als der Titel vermuten lässt, nimmt sich hier nichts niemand ernst. Sam, das Abziehbild eines 80er-Jahre-Actionhelden, ist ein richtig harter Hund. Selbst das Höllenfeuer lässt ihn kalt. Und natürlich hat er auch immer den passenden Einzeiler auf den Lippen. Manche Sprüche sind bis heute legendär, zu einer Art Markenzeichen geworden.
Teil 4, ein Prequel, soll das Genre des Fun-Shooters reanimieren - kein leichtes Unterfangen, wie das Scheitern des Revival-Versuchs "Duke Nukem Forever" vor neun Jahren zeigte. Witz und Action miteinander zu kombinieren, gelingt nur wenigen Entwicklern. "Bulletstorm", das ebenfalls 2011 veröffentlicht wurde, war eine solche Ausnahme. Anders als die Neuauflage von Duke Nukem war das Spiel technisch komplex, kreativ und zugleich schwarzhumorig. Da war wirklich jeder Gag ein Treffer.
Soviel Ambitionen dürften die Macher von "Serious Sam 4" nicht gehabt haben. Im Vergleich zum Vorgänger (2011) hat sich nämlich kaum etwas verändert. Das ist nicht immer schädlich, vor allem nicht bei Kultspielen. Dass man sich bei "Serious Sam 4" - wie schon anno dazumal - ohne viel Bewegungsfreiheit durch schlauchartig angelegte Nebenschauplätze bewegt, die wiederum riesige Arenen miteinander verbinden, stört deshalb keineswegs. Mag das Prinzip auch uralt sein, es ist letztlich genau das, was man sich erwartet, wofür die Reihe steht.
Ein Showdown jagt hier den nächsten und es gibt natürlich auch wieder ausufernde Massenschlachten, bei denen fast schon aberwitzig viele Gegnerwellen aufeinander folgen. Rasche Waffenwechsel, flinkes Zielen, ständig in Bewegung bleiben. Das sind die Kernaufgaben des Spielers. Es gibt wenige Knöpfe, wenige Side-Stories. Alles konzentriert sich auf den permanenten Kampf gegen eine Überzahl an Feinden.
Was simpel, vielleicht sogar stupid klingt, entfaltet aber mit der Zeit eine fast schon meditative Wirkung. Auf dem Schirm mag diese irrwitzige Choreografie aus Schießen, Ausweichen, Rennen und Nachladen chaotisch aussehen, in Wirklichkeit ist das Geballere aber unglaublich entspannend.
Zum Vorwurf kann oder muss man den Entwicklern jedoch machen, dass sie sich wenig Mühe beim Gegner-Design und bei den Waffen gegeben haben. Vieles wirkt direkt aus den Vorgängern übernommen - so wie etwa die Werbullen, Skelettmonster und kopflosen Kamikazebomber. Neuschöpfungen und kreative Ideen sind leider Mangelware. Und auch die sonst so lustigen Sprüche finden dieses Mal nicht immer ihr Ziel.
Unterm Strich überzeugt die Neuauflage daher nur bedingt. Richtig Spaß macht "Serious Sam 4" nämlich nur, wenn man die vorherigen Teile nicht kennt.

Info:
Serious Sam 4
Croteam/Devolver Digital
PC (Test), PS4, Xbox One
USK:18

Quelle: SN

Aufgerufen am 25.11.2020 um 11:52 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/serious-sam-4-im-ernst-jetzt-95047114

homo ludens - die spielerische Seite der SN

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