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Wenn die junge Seele leidet

Wenn Ängste oder Zwangsgedanken den Alltag bestimmen: Die Liste der psychischen Krankheiten war auch vor der Coronazeit schon lang. Die Zahl psychisch Erkrankter, vor allem die der jungen Menschen, nimmt drastisch zu. Dennoch leiden zahlreiche Betroffene im Stillen.

 SN/pixabay

"Jedes einzelne Körperteil schmerzte, ich bin tagelang nur im Zimmer gelegen und habe geweint", erzählt Studentin Anna über ihren schon seit Jahren anhaltenden Kampf mit Depressionen und einer Angststörung. Damit ist sie aber nicht allein, denn rund ein Viertel aller Studierenden in Österreich leidet an psychischen Krankheiten. Allein in der Stadt Salzburg waren im Studienjahr 2018/19 rund 500 Studierende bei der Psychologischen Studierendenberatung in Behandlung. Gertraud Meusburger, Leiterin der Beratungsstelle, definiert psychische Krankheiten als "krankhafte Beeinträchtigung des Fühlens, Verhaltens, der Wahrnehmung, des Denkens und der Erlebnisverarbeitung". Die meisten Studierenden suchen die psychologische Studierendenberatung aufgrund von Angststörungen, Anpassungsstörungen, stressbedingten psychosomatischen Beschwerden oder depressiven Erkrankungen auf. "Die häufigsten Auslöser bei Studierenden sind nach unseren Erfahrungen Leistungsüberforderung, Verlust- und Kränkungserlebnisse sowie anhaltende Belastungen im Familienkontext", berichtet Meusburger. Als weitere potenzielle Auslöser nennt sie überhöhten Alkohol- oder Cannabiskonsum und einen Lebensstil, der zu chronischen Schlafdefiziten führt. Je nach äußeren Belastungsfaktoren, biografischer Vorgeschichte, Lebensumständen und verfügbaren Bewältigungsstrategien könne eine vorübergehende Belastungssituation in eine manifeste Störung übergehen.

"Oftmals sind Schlaf- und Konzentrationsstörungen, ständiges Gedankenkreisen sowie starke Selbstzweifel erste Hinweise für eine geschwächte psychische Abwehr und psychische Instabilität", erläutert die Expertin. Der Ausbruch einer psychischen Erkrankung erfolgt in der Regel also schleichend, weshalb Meusburger die große Bedeutung von Präventionsarbeit und rechtzeitiger Hilfe betont. Die Psychotherapeutin appelliert, erste wahrnehmbare Auffälligkeiten unbedingt ernst zu nehmen und aufmerksam zu beobachten. "Ich habe immer gewusst, irgendetwas stimmt mit mir nicht und mir geht es nicht gut. Aber es hat auch niemand etwas Konkretes sagen können. Eine richtige Diagnose wurde erst im Zuge eines Klinikaufenthaltes gestellt", erzählt die psychisch kranke Studentin Anna. "Man muss sich immer vor Augen halten, dass es eine Erkrankung im Kopf ist, die man durchstehen kann", hebt die Studentin hervor.

Anna ist nur ein Beispiel von vielen psychisch Erkrankten in Österreich. Laut einer Studie der EU-Kommission sowie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind Österreicher sogar überdurchschnittlich häufig von einer psychischen Krankheit betroffen. Demzufolge lag Österreich im Jahr 2016 mit einem Anteil von 17,7 Prozent an Erkrankten über dem EU-Durchschnitt von 17,3 Prozent. Laut Schätzungen von Experten ist jeder dritte Österreicher im Leben einmal von psychischen Krankheiten betroffen. Dazu zählen in erster Linie Depressionen, Angststörungen und verschiedenste Suchtverhalten. Die Zahlen aus dem Jahr 2019 sind alarmierend: Im Laufe des vorherigen Jahres hatten nämlich 1,2 Millionen Österreicher mit einer psychischen Krankheit zu kämpfen. Experten bestätigen einen Anstieg psychisch Erkrankter und warnen vor großen Lücken bei Therapieangeboten.

An diese Hilfestellen kann man sich wenden

Laut Beratungsstellen braucht man für die Herausforderungen des Lebens manchmal ein offenes Ohr und kompetente Unterstützung. Die Psychotherapeutin betont hierbei, wie wichtig Präventionsarbeit bei psychischen Störungen sowie rechtzeitige Hilfe bei studienbezogenen und persönlichen Krisen ist. Dies sei auch ein großes Anliegen der Beratungsstellen. Auch für Anna war die Psychologische Studierendenberatung Salzburg die erste Anlaufstelle: "Man kann sich dort immer hinwenden und anrufen, einem wird kostenlos weitergeholfen. Das war echt Gold wert in diesem Moment." Die Studentin empfand die Psychologische Studierendenberatung als eine unglaublich gute Stütze und diese vermittelte Anna auch ihre jetzige Psychotherapeutin.

Die Psychologische Studierendenberatung Salzburg unterstützt und hilft Studenten bei Anliegen wie Arbeits- und Leistungsstörungen, persönlichen Krisen und psychischen Problemen. Generell verfügt jede Universität in Österreich über eine psychologische Beratungsstelle für Studierende, an die man sich jederzeit wenden kann.

Weitere allgemeine Anlaufstellen bei psychischen Problemen sind Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (Tel.: 4315127090) und die Die Telefonseelsorge Österreich (Tel.: 142).

Dieser Beitrag wurde von Studenten der Universität Salzburg im Rahmen einer Lehrredaktion in Kooperation mit den "Salzburger Nachrichten" erstellt.

Quelle: SN

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