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Wie die ECTS-Punkte das Studium internationalisiert haben

Die Totengräberin des universitären Abendlandes oder eine Steigerung in Bildungsqualität für Studenten wie Universitäten? Die Bologna-Reform spaltet die Gemüter.

Lernen am Pool in Kalifornien? (Symbolbild) SN/jana wersch/pixabay
Lernen am Pool in Kalifornien? (Symbolbild)

Sacramento, Kalifornien. Der Salzburger Jus-Student Hans Westergaard liegt neben dem Campuspool in der Sonne, in der Hand seinen Reader für "Copyright Law". Das azurblaue Wasser reflektiert das Licht. Es ist Oktober, mitten im Wintersemester, aber an der McGeorge School of Law hat es auch im Herbst noch 30 Grad. Durch ECTS ist so ein Auslandssemester, in Europa oder auch in Amerika, keine Hexerei mehr.

Doch die Bologna-Reform ist seit ihrer Einführung umstrittenen. Reformziele waren eine europaweite Vereinheitlichung von Studiengängen und -abschlüssen, um damit den Studierenden internationale Mobilität zu ermöglichen. Kritiker bezeichnen sie jedoch als Totengräberin des Abendlandes, erzählt Franz Kok. Er ist im Fachbereich Politikwissenschaften und Soziologie, wie auch in der Abteilung für Mobilitätsmanagement an der Uni Salzburg tätig. Viele Studierenden finden nicht, dass die Zuteilung der ECTS zur jeweiligen Lehrveranstaltung immer fair ist. Das Ziel der Bologna-Reform war es aber, die Qualität an Hochschulen zu sichern und eine europaweite Strukturierung der Studienverläufe zu schaffen. Wurde dieses Ziel erreicht?

"1990 begann ich als Erasmus-Koordinator. Es war eine Zeit, in denen sehr viele Studenten diese Mobilitätsprogramme zum Erkunden von Europa nutzen wollten. Ich koordinierte damals ein Netzwerk von politikwissenschaftlichen Instituten und wir haben jedes Jahr ein paar Tage damit verbracht, uns über den Inhalt unserer Lehrveranstaltungen zu unterhalten", beschreibt Kok. Kriterien und Punktesysteme wurden abgeglichen und so arbeitete Kok heraus, welche Studenten er an welche Universitäten schicken konnte.

Aber nicht nur für Studenten aus Westeuropa, die sich im klassischen Erasmussystem bewegen, bieten die ECTS Vorteile. Auch viele Drittstaaten sind Mitglieder. "In der Politikwissenschaft sind wir der Meinung, dass wir auch eine gewisse Verantwortung haben, Studierenden aus Ländern, die sich in politischer Transformation befinden, den Horizont zu erweitern", erklärt Kok, der zur Zeit des Interviews in Batumi, Georgien, unterwegs war.

Vorhersehbar - oder unfair?

Aber auch andere Aspekte der ECTS wüssten Studierende durchaus zu schätzen, die nicht unbedingt ein Auslandssemester in Betracht ziehen: "Die Vorhersehbarkeit und dass ich genau weiß, wie viel Arbeit das wird", erwähnt David Schönauer, der im Fachbereich Anglistik der Uni Salzburg seinen Bachelor macht.

Allerdings kommt bei den ECTS auch immer wieder scharfe Kritik von den Studenten. "Warum bekomme ich für den Kurs nur vier ECTS und andere Studenten für denselben fünf, nur weil das für einen anderen Studienknoten ist?", sagt Schönauer. Bei der Frage zu negativen Aspekten des ECTS-Programms kommen regelmäßig ähnliche Geschichten. "Ich verstehe nicht, warum ein Kurs, bei dem ich nicht recht viel mehr tun muss als Texte lesen, sechs ECTS hat. Und ein anderer Kurs, bei dem ich Interviews führen musste und dann noch eine Abschlussarbeit schreiben, ist dann nur vier ECTS wert?", erzählt Nina Gassner, Studentin am Fachbereich Kommunikationswissenschaft.

Wie so etwas passieren kann, erläutert Kok. "Die ECTS werden den Kursen nicht nur im Verhältnis zur Workload zugeteilt. Es gibt auch verschiedene Qualifikationsniveaus." Ein Kurs im Masterlevel mit sechs ECTS würde sich etwa für einen Student auf Bachelor-Niveau wie ein Zehn-ECTS-Kurs anfühlen.

Wie die Bologna-Reform angewendet wird, kann jedoch stark von Uni zu Uni variieren. "Die Qualität der Bologna-Implementierung an Universitäten ist so intelligent, wie die Universitäten selbst waren, sie zu nutzen", sagt Kok. Selbst an derselben Universität gebe es zwischen den verschiedenen Fachbereichen Unterschiede.

Daten und Fakten

  • ECTS heißt European Credit Transfer and Accumulation System
  • Dabei werden den Lehrveranstaltungen Credits zugewiesen: Wie viele wird nach Lehrumfang und dem Arbeitsaufwand in Stunden bestimmt
  • Erst nachdem die geforderte Gesamtpunktezahl an ECTS erreicht ist, bekommen die Studierenden ihren akademischen Titel
  • Das System entstand 1989 als Pilotprojekt im Rahmen des Erasmus-Programms, wird aber oft als Teil der Bologna-Reform angesehen
  • Das Ziel der Bologna-Reform war die europaweite Vereinheitlichung von Studiengängen und -abschlüssen

Dieser Beitrag wurde von Studenten der Universität Salzburg im Rahmen einer Lehrredaktion in Kooperation mit den "Salzburger Nachrichten" erstellt.

Quelle: SN

Aufgerufen am 29.11.2020 um 06:33 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/wie-die-ects-punkte-das-studium-internationalisiert-haben-76997227

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