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Wo die Luft der Freiheit weht

Zu Besuch in Stanford, einer der besten Universitäten weltweit. Wieso an der Elite-Uni Tausende kostenlos studieren. Und warum das Uni-Motto auf Deutsch gehalten ist.

Die Allee zieht sich. Am Straßenrand reiht sich Palme an Palme, ab und zu ist ein Haus zu sehen. Plötzlich hält der Wagen: Da drüben müsste es sein, sagt der Uber-Chauffeur. Wirklich? Das soll sie sein? Die Zufahrt zu Stanford, einer der renommiertesten Universitäten der Welt? "Nein, das ist nur das Besucherzentrum", beschreibt Julia wenig später. Die junge Studentin ist nebenberufliche Campus-Führerin. Doch wo ist dann die Auffahrt zur Universität? Die haben die Besucher schon passiert. Es ist die kilometerlange Allee samt Palmen und Häusern.

Stanford liegt an der US-Westküste, rund 60 Kilometer südlich von San Francisco. Die Elite-Uni gilt als eine der besten ihrer Art. In annährend jeder Rangliste kämpfen Stanford und ihr Ostküsten-Pendant Harvard um den Rang der weltbesten Hochschule. Doch im Gegensatz zur Bostoner Universität gehört Stanford nicht zum Großraum einer Stadt - Stanford ist eine Stadt: Das Uni-Areal ist 3000 Hektar groß - inklusive Polizeistation, Umweltreservat und einer Kirche. Das Gelände entspricht der halben Fläche der Stadt Salzburg. "Oder jener von 96 Disneylands", wie Campus-Führerin Julia beschreibt. Die 22-Jährige studiert Literaturwissenschaften. Doch eigentlich studiert sie viel mehr: "Ein genialer Ansatz von Stanford ist, dass man nahezu überall mitmachen kann." Es gebe in den meisten Fällen nur einen vorgegebenen Kern eines Studiums, der Rest sei frei gestaltbar.

Gesamt sind rund 16.000 Studenten in Stanford inskribiert, dazu kommen etwa 13.000 Mitarbeiter. Ein Großteil von ihnen lebt am Campus. Bei der Uni-Führung stechen aber auch die ungenutzten Flächen ins Auge - rund 60 Prozent des Campus sind unbebaut. Und die Uni-Führung hat keine Eile, in Bauwahn zu verfallen. Schließlich gehört das gesamte Areal der Uni selbst: "Stanford wurde vom Unternehmer Leland Stanford und seiner Frau gegründet", beschreibt Julia. Leland Stanford sei in der Zeit des Goldrauschs zu Geld gekommen. Als sein Sohn 15-jährig an Typhus verstarb, stellte er sein Vermögen für die Errichtung einer Uni zur Verfügung. "Angeblich hat ihn sein Sohn im Traum darum gebeten."

Die Universität wurde 1891 eröffnet. Als Leitmotto wurde "Die Luft der Freiheit weht" gewählt, ein Satz des deutschen Humanisten Ulrich von Hutten. Und um dem Urheber gerecht zu werden, wird dieser Satz bis heute auf Deutsch wiedergegeben, etwa auf dem Logo der Uni.

Vor allem seit den 1950er-Jahren prägt Stanford den Lauf der Welt. Durch ein Programm, das Gebäude günstig an Technologiefirmen vermieten ließ, sollten Jungunternehmer in der Gegend gehalten werden - der Grundstein für das Silicon Valley war gelegt. Im Laufe der Jahrzehnte studierten unter anderem die Gründer von Hewlett-Packard oder PayPal in Stanford. Besonders stolz ist man aber, dass die Google-Suche auf dem Campus erfunden wurde. Und Stanford sind auch die Google-Farben zu verdanken, wie Julia erläutert. "Die Gründer (Larry Page und Sergey Brin, Anm.) haben hier studiert. Als sie einen ersten Server zusammenbauen mussten, hatten sie dafür nur bunte Lego-Steine zur Verfügung. Und bei der Firmengründung haben sie Google die Farben der Steine gegeben."

Seinen Ruf als Wiege der IT-Start-up-Kultur will Stanford auch durch Kurse an der "Graduate School of Business" festigen, einer Weiterbildungseinrichtung für Wirtschaftsabsolventen. Einer, der dort studiert hat, ist Andreas Spechtler. Der Grödiger hat 2015 das "Executive Program for Growing Companies" in Stanford abgeschlossen. "Wir haben zwei Wochen direkt auf dem Campus gelebt. So tauchst du in eine völlig neue Welt ein", sagt der 51-Jährige. Und in dieser neuen Welt bekomme man nicht nur Input von Koryphäen aus aller Welt - unter ihnen die ehemalige US-Außenministerin Condoleezza Rice. Man baue ein Netzwerk auf, von dem man über Jahre zehren könne. "Es waren 65 Teilnehmer aus der ganzen Welt dabei - vom Start-up-Unternehmer bis zum Chefrecruiter von Google." Dafür kostet das Weiterbildungsprogramm stattliche 25.000 Dollar, also knapp 24.000 Euro.

Doch Stanford ist nicht nur den Wohlhabenden vorbehalten: Seit 2008 erhebt die Uni keine Studiengebühren mehr für Bachelorstudenten, deren Eltern weniger als 100.000 Dollar pro Jahr verdienen; die restlichen zwei Drittel zahlen rund 40.000 Dollar jährlich. Möglich machen das vor allem die Privatspenden, die sich Jahr für Jahr um die 600 bis 700 Millionen Dollar bewegen.

Nur rund sieben Prozent der jährlichen Bewerber schaffen es nach Stanford. An der Uni selbst soll es hingegen kaum elitär zugehen. In Wochen, in denen ein Football-Duell gegen den Erzrivalen aus Berkeley ansteht, kann es schon einmal sein, dass die Brunnen der Uni rot gefärbt werden - um das Blut der Widersacher zu simulieren. "Und es ist ebenso nichts Besonderes, wenn man in diesen Brunnen schwimmt - und sich anschließend mit Flip-Flops in den Hörsaal setzt", beschreibt Julia. Sport spielt sowieso eine starke Rolle in Stanford. Allein bei den Olympischen Spielen 2012 räumten Sportler der Uni neun Goldmedaillen ab. Auch John McEnroe oder Tiger Woods studierten in Stanford. Eines der größten Erfolgsgeheimnisse von Stanford ist aber wohl die Betreuungsquote: Auf die 16.000 Studenten entfallen 2000 Professoren. "In Stanford bekommst du wirklich absolute Qualität", sagt Andreas Spechtler. Und der Grödiger ergänzt: "Die zwei Wochen in Stanford gehören für mich zu den spannendsten in den vergangenen zehn Jahren."

Dieser Beitrag ist im Zuge der SN-Initiative "smartup" entstanden, bei der Salzburgs innovativste Start-ups nach San Francisco und ins Silicon Valley eingeladen wurden.

Aufgerufen am 12.11.2018 um 09:08 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/wo-die-luft-der-freiheit-weht-584326

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