Innenpolitik

Attentäter hatte Wohnung für Feuergefecht vorbereitet - Friedhof verweigert ihm Begräbnis

Der 20-Jährige, der am 2. November in der Wiener Innenstadt bei einem Terror-Anschlag vier Menschen getötet hat, hatte seine Wohnung für ein Feuergefecht mit der Polizei vorbereitet. Wie am Mittwoch der APA bekannt wurde, waren in der Wohnung in der Wagramer Straße, die wenige Stunden nach dem Blutbad im Zuge einer Hausdurchsuchung aufgebrochen wurde, Möbel zusammengestellt und zu einer Deckung aufgebaut worden. Noch unklar ist, welchen Weg der Täter bei seinem Anschlag nahm.

Über den Weg, den der Attentäter nahm, herrscht noch Unklarheit SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
Über den Weg, den der Attentäter nahm, herrscht noch Unklarheit

Die Deckung könnte darauf hindeuten, dass der 20-Jährige entweder für den Fall gewappnet sein wollte, hätte die Polizei vor seinen mörderischen Absichten vor deren Umsetzung Kenntnis erlangt und ihn zu Hause aufgesucht. Oder er ging davon aus, dass er den Anschlag überleben würde, hatte vor, in seine Wohnung zurückzukehren und wollte Vorkehrungen treffen, sollte er dort mit einem Polizeieinsatz konfrontiert sein.

In der Wohnung des 20-Jährigen wurden auch Klebebänder sichergestellt, mit denen er eine Attrappe eines Sprengstoffgürtels hergestellt hatte, den er beim Anschlag im Herzen Wiens trug. Weiters wurden Schachteln mit der Munition gefunden, von der er bei dem Attentat Gebrauch machte.

Ein wegen Verdachts auf Mitwisser- bzw. Mittäterschaft festgenommener Bekannter des Attentäters behauptet unterdessen, er habe versucht, diesen telefonisch zu erreichen, als er von den Schüssen in der Innenstadt erfuhr und erste Bilder vom Schützen sah. Der 21-Jährige versichert, er habe den Attentäter kontaktieren wollen, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen.

Ob das stimmt, wird nun mittels Rufdatenrückerfassung überprüft. Der 21-Jährige soll nach seiner Festnahme in seiner polizeilichen Befragung betont haben, er hätte ihm so eine Tat nie zugetraut. Es handelt sich dabei nach der APA vorliegenden Informationen allerdings um jenen Mann, der den späteren Attentäter im Juli in die Slowakei begleitet haben dürfte, wo dieser Munition für ein Sturmgewehr kaufen wollte.

Die als mögliche Mitwisser bzw. Mittäter festgenommen Bekannten bzw. Freunde des Attentäters bestreiten jedenfalls die gegen sie gerichteten Vorwürfe. "Das ist völlig falsch. Es gibt bisher keine konkreten Hinweise, dass er in die Anschlagspläne oder Vorbereitungshandlungen eingeweiht gewesen wäre", meinte der Wiener Rechtsanwalt Wolfgang Ebner, der einen der Verdächtigen vertritt. Insgesamt sitzen derzeit zehn als Radikalislamisten geltende Männer in U-Haft, gegen die wegen des Verdachts auf Beteiligung am mehrfachen Mord, terroristischer Vereinigung und krimineller Organisation ermittelt wird.

Aus dem aktuellen Akteninhalt gehe auch nicht hervor, dass bei den mehrtägigen Treffen mit deutschen und Schweizer Islamisten in der Bundeshauptstadt Mitte Juli über einen Terror-Anschlag gesprochen oder gar ein solcher vorbereitet wurde, sagte Ebner im Gespräch mit der APA. Sein Mandant - ein 18-Jähriger, der mit dem Attentäter vor allem über Internet-Chats Kontakt hielt - sei "mehr oder weniger zufällig zu einem dieser Treffen dazugestoßen". Man habe sich vor einem Fitness-Center getroffen, sei nachher etwas essen gegangen, "und weil Gebetszeit war, sind sie dann in eine Moschee gegangen". Der spätere Attentäter sei bei diesem einen Treffen aber gar nicht dabei gewesen, betonte Ebner. Die Beweislage in Richtung einer seinem Mandanten unterstellten Beitragstäterschaft zu terroristischen Handlungen sei "insgesamt ausgesprochen dünn", bekräftigte der Anwalt.

Fest steht inzwischen, wer den Attentäter am 21. Juli auf der Fahrt in die Slowakei begleitet hat und wo dieser - wie die slowakischen Behörden dem heimischen Verfassungsschutz meldeten, ohne dass dies hierzulande unmittelbare Folgen gehabt hätte - Munition für ein Sturmgewehr kaufen wollte. Ein weiterer, ebenfalls seit dem vergangenen Wochenende in U-Haft befindlicher Verdächtiger - er ist 21 Jahre alt und hat Wurzeln im Kosovo - soll dies nach der APA vorliegenden Informationen mittlerweile zugegeben haben. Demnach begleitete der 21-Jährige den Attentäter auch in die Räumlichkeiten des Waffengeschäfts in Bratislava, behauptet aber, es habe dann einen Streit gegeben, weil er bis dahin nicht geahnt habe, dass sein Bekannter an Munition interessiert war. Die Verteidigerin des 21-Jährigen wollte zu dem Ganzen nicht Stellung beziehen. "Wir haben ausgemacht, dass wir uns den Medien gegenüber vorerst nicht äußern", meinte sie gegenüber der APA.

Weiterhin unklar ist der Weg des Attentäters während seines Anschlags in der Innenstadt, bevor er selbst von der Polizei tödlich getroffen wurde. Unter anderem von der Beantwortung dieser Frage hängt es ab, ob der Attentäter einen Chauffeur hatte. Der Wiener Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl hatte am Dienstag davon gesprochen, dass es keine Hinweise auf einen Helfer gebe. Das war auch am Mittwoch laut Innenministerium Stand der Dinge.

"Wie der Täter in die Stadt gekommen ist, ist Gegenstand von Ermittlungen", betonte Harald Sörös, Sprecher des Innenministeriums, auf APA-Anfrage. Weiterhin ausgeschlossen wurde, dass der 20-Jährige von seiner Wohnung in der Donaustadt aus die U-Bahn benützte. Auch andere öffentliche videoüberwachte Verkehrsmittel erscheinen den Ermittlern unwahrscheinlich. Damit kommen ein Beitragstäter, Taxis oder andere Chauffeurdienste in Frage, wenn man davon ausgeht, dass der Terrorist nicht zu Fuß ging oder mit dem Rad fuhr.

Islamisches Friedhöfe verwehren Attentäter Bestattung

Der islamische Friedhof in Wien-Liesing verweigert dem Wien-Attentäter das Begräbnis. "Allah wird mit ihm abrechnen. Aber auch wir hatten das Gefühl, etwas tun zu müssen", sagte Friedhofs Ali Ibrahim zum "Kurier". Eigentlich hätte hier demnächst der Attentäter von Wien begraben werden sollen. In der Großmarktstraße 2a am Wiener Stadtrand befindet sich seit 2008 der erste islamische Friedhof Österreichs (einen weiteren gibt es noch in Vorarlberg).

Obwohl ein fixer Termin - entgegen anderslautender Medienberichte - bis zuletzt noch gar nicht feststand, entschloss sich die Friedhofsverwaltung am Mittwoch aber dagegen, den Attentäter dort zu begraben. "Er ist ein Mörder, der unschuldige Menschen getötet hat und damit den ganzen Muslimen geschadet hat", sagt Ali Ibrahim im "Kurier". Er habe diese Entscheidung der Gemeinde mitgeteilt, diese würde hinter der Entscheidung stehen. Auch andere Gläubige hätten ihm gegenüber schon massive Bedenken geäußert, da sie "nicht neben einem Mörder liegen wollen", wie Ali Ibrahim erklärt.

Am Donnerstag lehnte auch die Vorarlberger Gemeinde Altach (Bezirk Feldkirch) eine Beerdigung ab. Der Islamische Friedhof Altach sei ein Friedhof für Muslime, die zum Zeitpunkt ihres Ablebens ihren Hauptwohnsitz in Vorarlberg haben, erklärte dazu der Altacher Bürgermeister Markus Giesinger. Eine Ausnahme gebe es "gerade in diesem speziellen Fall auf gar keinen Fall."

Wo und wann der Täter nun begraben wird, ist nun offen. Als Alternative käme ein Begräbnis in Nordmazedonien infrage, wo der in Mödling aufgewachsene Attentäter zumindest Wurzeln hat. Auch auf dem Wiener Zentralfriedhof gibt es einen Bereich für Muslime.

Quelle: APA

Aufgerufen am 28.11.2020 um 06:34 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/attentaeter-hatte-wohnung-fuer-feuergefecht-vorbereitet-friedhof-verweigert-ihm-begraebnis-95485954

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