Innenpolitik

"Captain Linhart" leitet nun das Außenministerium

Michael Linhart, zuvor Botschafter in Paris, ist nun als neuer österreichischer Außenminister angelobt. Er folgt Alexander Schallenberg (ÖVP) nach, der zum Kanzler aufsteigt, nachdem sich ÖVP-Chef Sebastian Kurz wegen Korruptionsvorwürfen aus dem Amt zurückgezogen hat. Der neue Minister gilt als klassischer Diplomat, "richtiger Vorarlberger" und Sportskanone.

Linhart (Archivbild) tritt die Nachfolge von Alexander Schallenberg an SN/APA/AFP/ATTILA KISBENEDEK
Linhart (Archivbild) tritt die Nachfolge von Alexander Schallenberg an

Wie Alexander Schallenberg, dem er nun als Außenminister folgt, hat Michael Linhart die Diplomatie in der DNA: Selbst Sohn eines Diplomaten - ein Umstand, der ihm den Geburtsort Ankara bescherte -, trat er in die Fußstapfen seines Vaters und wurde im Lauf der Jahre Botschafter in Syrien, Griechenland und Frankreich. Damit ist es mit den Parallelen aber auch schon wieder vorbei.

Michael Linhart, Ende August 63 geworden, ist - wie ihn Weggefährten beschreiben - trotz seiner internationalen Laufbahn ein "richtiger Vorarlberger" geblieben. Der womöglich krasseste Unterschied zu seinem neun Jahre jüngeren Vorgänger: Linhart ist eine richtige Sportskanone, ein echter Bergfex (ob auf Ski oder zu Fuß) und einer der größten Fußballfans, den das Außenamt je hervorgebracht hat. Dort wird er in seiner Funktion als langjähriger Chef der Fußballergruppe schlicht "Captain Linhart" genannt.

Der neue Außenminister gilt als "klassischer Diplomat". Im Klartext: Als einer, der in der Substanz keine Fehler macht, verlässlich, loyal und zäh ist. Dass er ein Konservativer ist, daraus hat er nie ein Hehl gemacht. Von 1995 bis 2000 war der engagierte Katholik (und Orgelspieler) Berater im Büro des damaligen Außenministers Wolfgang Schüssel (ÖVP). Dann wurde er als Botschafter nach Damaskus entsandt. 2003 kehrte er zurück und wurde Chef der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Außenamt. Danach (2007 bis 2012) leitete er die Botschaft in Athen. Ende 2013 avancierte Linhart zum Generalsekretär und mithin wichtigsten Beamten im Außenamt.

Linhart, so heißt es, konnte dank seines gewinnenden Wesens immer mit allen - und alle mit ihm. "Den Michi mag eigentlich jeder, er ist ein Kumpeltyp, ein weitum geschätzter Kollege, ein Staatsdiener im besten Sinne, ein Familienmensch", sagt ein Insider. Einzige Ausnahme: Karin Kneissl, von der FPÖ nominierte Außenministerin unter Türkis-Blau. Sie ersetzte ihn durch einen neuen Generalsekretär, Linhart wurde 2018 Botschafter in Paris.

Nun ist er zurückgekehrt, um am Ende seiner diplomatischen Laufbahn den größten Karrieresprung zu machen - an die Spitze des Außenamts.

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