Innenpolitik

"Duell statt Interview" - FPÖ verschärft Kritik an ORF und "ZiB 2"

Nach der Drohung des FPÖ-Politikers Harald Vilimsky gegen Armin Wolf legt der blaue ORF-Aufsichtsratschef Norbert Steger noch nach.

Wolf und Vilimsky lieferten sich ein hartes Wortgefecht. SN/orf
Wolf und Vilimsky lieferten sich ein hartes Wortgefecht.

Die Drohung des FPÖ-Generalsekretärs und EU-Spitzenkandidaten Harald Vilimsky gegen den ORF-Journalisten Armin Wolf bei einem Live-Interview sorgte auch einen Tag später noch für heftige Debatten.

Zur Erinnerung: Als "ZiB 2"-Anchorman Wolf am Dienstag Vilimsky mit einem Plakat des Rings freiheitlicher Jugend konfrontierte, konterte der FPÖ-Politiker scharf.

Wolf hatte das FPÖ-Plakat mit einer Zeichnung des nationalsozialistischen Propagandablatts "Der Stürmer" verglichen. Diese Gegenüberstellung sei "etwas, das nicht ohne Folgen bleiben kann", sagte Vilimsky. FPÖ-Gegner sehen dadurch die Pressefreiheit bedroht, FPÖ-Anhänger kritisierten den ORF angesichts seiner angeblich tendenziösen Berichterstattung.

Vilimsky legte am Mittwoch in einem Interview mit der Gratiszeitung "heute" sogar noch nach: "Also wäre ich [Alexander] Wrabetz [ORF-Generaldirektor, Anm], würde ich Wolf vor die Tür setzen."

"Das war kein Interview, sondern ein Duell"

Auch für den ehemalige FPÖ-Chef und blauen ORF-Stiftungsratschef Norbert Steger ist die Sache klar: "Das war kein Interview, sondern ein Duell", sagt er auf SN-Anfrage. Er habe durch die Thematisierung des FPÖ-Plakats keinen Mehrwert für den Zuseher erkennen können. "Ich habe den Eindruck gewonnen, dass der Herr Wolf demnächst politisch kandidieren will. Für eine linke Mannschaft. Wenn er das will, soll er es machen, dann ist er deklariert", so der blaue Stiftungsrat.

Der "ZiB"-Interviewer habe sich jedenfalls damit selbst geschadet. "Der ORF hat kurz nach der Sendung eine Blitzumfrage gemacht, wo 35 Prozent der Zuseher Wolf und 45 Prozent Vilimsky als Sieger sahen", sagt der freiheitliche ORF-Stiftungsrat Steger.

Aber: Laut ORF gab es so eine - oder eine ähnliche - Umfrage nicht.

Wolf konterte am Mittwoch auf Twitter: "Offenbar können sich (ehemalige) Politiker schwer vorstellen, dass es Journalisten gibt, die ordentlich, unabhängig und nach allen Seiten gleichermaßen kritisch Journalismus machen wollen - und weder eine Partei ,nach oben bringen' möchten, noch für eine kandidieren."

In der "ZiB 2"-Redaktion erklärt man, dass es einen Tag nach dem Aufreger-Interview keinerlei Druck auf die Journalisten gegeben habe. "Es hat keine Interventionen gegeben. Das soll aber keine Aufforderung sein", sagt "ZiB 2"-Redaktionsleiter Christoph Varga.

Er verteidigt das Interview: "Unser Prinzip ist klar: Wir berichten kritisch über alle Parteien und führen kritische Interviews. Dafür steht die ,ZiB 2'." Nicht allen Parteien - nicht nur der FPÖ - gefalle das.

Medienminister: "Politik hat sich nicht einzumischen"

Tatsächlich gab es zuletzt einige "ZiB 2"-Interviews, in denen Politiker die Fassung verloren. Medienminister Gernot Blümel etwa tat eine Frage des Moderators als "Blödsinn" ab und Johannes Voggenhuber, EU-Spitzenkandidat für die Liste Jetzt, sorgte mit seinem polternden Auftritt für Staunen.

In der aktuellen Causa hält sich Medienminister Blümel weitgehend bedeckt. Nachdem er am Mittwochvormittag noch erklärt hatte, "nicht jedes Interview kommentieren" zu wollen, nahm er am Abend doch - kurz und mit kritischer Distanzierung - Stellung: "Die Politik hat sich nicht in Beschäftigungsverhältnisse von Journalisten einzumischen, völlig unabhängig davon, wie Fragestellungen oder Interviewführungen bewertet werden", erklärte Blümel unter Hinweis auf die "aktuellen Diskussionen", aber ohne einen Namen zu nennen.

Der ORF-Redakteursrat protestiert gegen verbalen Drohungen des FPÖ-EU-Spitzenkandidaten Harald Vilimsky gegen ZiB2-Moderator Armin Wolf. "Dass der Generalsekretär einer Regierungspartei in einem Interview den Moderator bedroht, hat es in dieser Form noch nicht gegeben", so der Redakteursrat in einer Aussendung. Das sei "einer liberalen Demokratie mit funktionierender Pressefreiheit unwürdig".

Kritik übt der Redakteursrat auch an den Aussagen des von der FPÖ gestellten Vorsitzenden des ORF-Stiftungsrates, Norbert Steger. Er hatte Wolf zu einer Kandidatur für die SPÖ geraten. "Auch das zeigt ein seltsames Verständnis von journalistischer Arbeit. Kritische Interviews werden offenbar nur dann wahrgenommen, wenn Parteifreunde betroffen sind", verteidigen die ORF-Redakteursvertreter ihren Kollegen gegen die Kritik des früheren FPÖ-Chefs.

Aufgerufen am 23.10.2020 um 10:36 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/duell-statt-interview-fpoe-verschaerft-kritik-an-orf-und-zib-2-69273499

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