Innenpolitik

Eine 16-Jährige zieht für das Rauchverbot vor das Höchstgericht

Peter und Chiara Pallua. SN/helmut schliesselberger
Peter und Chiara Pallua.

Erst am Montag wurde Chiara Pallua 16 Jahre alt, gemeinsam mit ihrem Vater Peter Pallua (53) gehört sie zu den Antragstellern, die die Aufhebung des Rauchverbots kippen wollen.

Weshalb sind Sie vor den VfGH gegangen? Peter Pallua: Weil ich glaube, dass wir Erwachsenen eine Verantwortung für die heranwachsende Jugend tragen. - Ich explizit für meine Tochter. Es ist hier sehr viel die Rede gewesen von freier Selbstbestimmung. Die Frage ist: Ist es wirklich so bei Jugendlichen, die ihre Freundschaften in der Gruppe pflegen? Die überlegen sicher nicht primär: Gehen wir dorthin, um in einem gesunden Umfeld zu sein. Da bestimmen ganz andere Themen. Ich glaube, dass wir als Gesellschaft eine Gesamtverantwortung haben, dass man gesund aufwächst, und dass wir Bedingungen schaffen müssen für unsere Jugend, dass das bestmöglich gewährleistet ist. Das schaffen andere Staaten in Europa auch, warum nicht auch wir in Österreich?

Aufgrund welcher Erfahrungen ist Ihnen das Thema so wichtig? Chiara Pallua: Ich habe auch persönliche Gründe, meine Oma ist am Rauchen gestorben, sie ist an Lungenkrebs erkrankt. Ich habe für mich selbst entschieden, nie eine Zigarette zu rauchen, nie mit dem Rauchen anzufangen, aber ich bin leider schon aktive Passivraucherin durch meinen Freundeskreis.

Es ist in der Verhandlung angesprochen worden, dass man gerade in Discos und Bars dem Passivrauch besonders ausgesetzt ist. Chiara Pallua: Wir gehen am Wochenende öfters in Bars mit Freunden, deshalb ist es mir so wichtig, dass man anspricht, wie hoch die Schadstoffbelastung in der Luft ist, auch wenn man nicht mitraucht.

Hätten Sie erwartet, dass mehr Österreicher das Volksbegehren unterschreiben? Peter Pallua: Ich finde, das ist eine sehr gute Bilanz. Was mich wundert - ob es jetzt eine Million sind oder 900.000 -, ist, dass man das alles links liegen lässt. Wenn 13.000 Österreicher an Folgen von Tabakkonsum sterben - ob aktiv oder passiv -, ist das schon eine eklatant hohe Zahl. Es sollte um uns alle gehen.

Das sehen auch viele in der ÖVP so, dennoch hat man den Nichtraucherschutz der Koalitionsräson geopfert. Was sagen Sie dazu? Peter Pallua: Ich finde das nicht sehr glücklich. Es ist schade, dass es ein politisches Thema wurde. Es geht um die Gesundheit von uns allen. Es geht uns in Österreich so gut. Wir sollten sicherstellen, dass wir eine Umgebung haben, in der wir uns auch sicher fühlen können - auch vor dem Übel des Tabakkonsums.

Was sagen Ihre Freunde zu Ihrem Einsatz? Chiara Pallua: Es haben mich schon ein paar schief angeschaut, weil doch viele aktiv rauchen. Deshalb ist es für einige nicht nachvollziehbar. Aber es befürworten auch viele.

Was erwarten Sie vom Verfassungsgerichtshof? Peter Pallua: Objektive Prüfung der Faktenlage und eine Entscheidung zum Wohl der Bevölkerung.

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