Innenpolitik

Gefährdete müssen nicht mehr in die Arbeit

Die Regierung will Risikogruppen schützen und sie im Notfall von der Arbeit freistellen. Unklar ist noch, wer betroffen ist.

Risikogruppen sollen ins Homeoffice, oder sonst freigestellt werden. SN/apa
Risikogruppen sollen ins Homeoffice, oder sonst freigestellt werden.

"Ich habe gerade eine Chemotherapie hinter mir. Ich leide unter Bluthochdruck. Mein Mann hat eine schwere Autoimmunerkrankung. Muss ich arbeiten gehen?"

Laut der Wiener Arbeiterkammer (AK) häufen sich solche Fragen zum Coronavirus derzeit bei der Hotline der AK - neben den immer noch aktuellen Fragen zur Kurzarbeit. Auch die Arbeiterkammer Oberösterreich hat am Montag darauf hingewiesen, dass beim Schutz der Arbeitnehmer noch vieles unklar sei, vor allem was gefährdete Gruppen angehe.

"Es fehlt die Klarstellung, wer zu einer Risikogruppe gehört und wer nicht. Daher muss die Politik hier rasch eine Lösung finden", fordert AK-Wien-Direktor Christoph Klein am Montag. Praktisch zeitgleich zu dem Alarmruf der AK verkündete die Regierung im Bundeskanzleramt schärfere Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus - damit ist auch ein besserer Schutz für gefährdete Gruppen gemeint. Die türkis-grüne Regierung kündigte an, dafür zu sorgen, dass durch das Coronavirus gefährdete Personen nicht mehr in die Arbeit müssen. Falls diese nicht im Homeoffice tätig sind, werden sie verpflichtend freigestellt. Den Arbeitgebern wird die Maßnahme abgegolten. Menschen mit Vorerkrankungen sollen laut Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) unter anderem dadurch geschützt werden. "Es ist ein guter Schritt, dass wir uns solidarisch erklären und jenen, die am gefährdetsten sind, den bestmöglichen Schutz gewähren", sagte Anschober.

Aber wer gehört zur Risikogruppe? In den vergangenen Wochen wurde von Experten und Politikern immer wieder die Altersgruppe 65 plus und Menschen, die an Vorerkrankungen oder chronischen Erkrankungen leiden, als Risikogruppe genannt. Auf der Seite der Wirtschaftskammer wurden vor mehreren Tagen Arbeitgeber - vor allem im Handel - aufgefordert, dass Schwangere und "Arbeitnehmer/ -innen mit chronischen Erkrankungen, Atemwegs- bzw. Lungenerkrankungen inkl. COPD, Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, Krebserkrankungen, Bluthochdruck sowie Erkrankungen und Therapien, die das Immunsystem schwächen, nicht mehr in Bereichen mit direktem Kundenkontakt eingesetzt werden sollen". Doch das galt vor allem für den Handel und geht auch der Arbeiterkammer zu wenig weit.

Denn: "Wir wissen nur vage, wer die Risikogruppe ist", sagt der Wiener AK-Direktor Klein im SN-Gespräch. "Menschen über 65 gibt es natürlich nicht so viele in der Arbeitswelt, aber Menschen mit einer oder mehreren Vorerkrankungen schon." Die immer wieder in den Medien genannten Risikogruppen sind laut Klein zu laienhaft formuliert, um eine richtige Einschätzung zu ermöglichen, wer nun wirklich betroffen ist. "Es gibt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in die Risikogruppe fallen, aber sich nicht angesprochen fühlen. Es herrscht viel Unsicherheit." Die AK fordert deshalb eine Checkliste, die von Experten ausgearbeitet und an die Hausärzte geschickt werden soll. Die Ärzte müssten dann über die Dienstfreistellung entscheiden, so der Vorschlag der Arbeiterkammer. "Diese kennen die Krankheitsgeschichte der Betroffenen und schätzen das Risiko wohl am besten ein."

Wer nun in die Coronarisikogruppe fällt und nicht an den Arbeitsplatz darf, soll laut Regierung nun so rasch wie möglich fixiert werden.

Zusätzlich will die Regierung etwa Supermarktangestellte schützen, indem es Bodenmarkierungen geben soll, die den Abstand gewährleisten. Neben der Maskenpflicht im Supermarkt soll auch die Anzahl der Kunden je nach Geschäftsgröße begrenzt sein, um den nötigen Sicherheitsabstand von einem Meter zu ermöglichen.

Aufgerufen am 10.12.2022 um 12:01 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/gefaehrdete-muessen-nicht-mehr-in-die-arbeit-85595581

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