Mein Wien gehört euch nicht

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Persönliche Gedanken Marian Smetana

Der Terror ist immer und überall. Er ist in Bagdad, in Paris, Kabul, London, Berlin und jetzt in Wien. Man überfliegt die Schlagzeilen über Anschläge aus den anderen Städten fast nur noch, so häufig sind sie zuletzt leider geworden.

Wenn es aber die eigene Stadt trifft, dann fühlt man sich tief verletzt. Auch wenn man nicht selbst Opfer des feigen Anschlags oder am Tatort war.

Tatort - das ist jetzt dort, wo man schon so manches Bier mit Freunden im Schanigarten bis spät in der Nacht getrunken hat.

Es ist dort, wo man als Zugereister in die Bundeshauptstadt die ersten Gehversuche im Nachtleben der City machte, es ist nahe dem Würstelstand, wo schon manche "Haße" verzehrt wurde.

Es ist dort, wo man schon tausend Mal in die U-Bahn eingestiegen ist, wo man durch die Innenstadt geschlendert ist, beseelt von dem Gedanken, wie schön es hier ist. Es ist dort, wo die Stadt pulsiert. Alles jetzt bloß ein Tatort?

Der Ort scheint seine Unschuld verloren zu haben. Das ist das Ziel. Das ist die perfide Taktik der Terroristen. Zermürben. Angst schüren. Spalten. Chaos stiften.

Doch die Terroristen haben sich die falsche Stadt ausgesucht. Wohl keine andere Metropole steht so für Gelassenheit und Gemütlichkeit trotz aller Schwere.

Die Stadt und alle, die in ihr wohnen, sind erschüttert. Klar. Aber aus dem Tatort wird wieder ein Platz der Freude werden. Es wird wieder am Würstelstand bei "ana Eitrigen", "an Buggl" und "an Krokodü" philosophiert werden, es wird wieder durch die Gassen geschlendert werden, ganz verliebt in diese Stadt. Wobei man das als echter Wiener natürlich nie so zugeben würde.

Das Beste daraus machen. Das können die Bewohner dieser schönen Stadt. Und allen, die das stören wollen, denen sei auf gut Wienerisch gesagt: Hauts eich über die Häuser!

Aufgerufen am 28.11.2020 um 12:10 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/persoenliche-gedanken-mein-wien-gehoert-euch-nicht-95089057

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