Weltpolitik

Ladenhüter AstraZeneca? Es lag nicht allein am Image

Es gibt neue Erkenntnisse, warum in Deutschland viele Dosen des Vakzins nicht benutzt wurden.

Millionen Astrazeneca-Dosen könnten bald auf Halde liegen, wenn die Länder nicht schnell das Impftempo hochfahren. Nun gibt es positive Signale – und einige Erklärungen für den schleppenden Start. SN/AFP
Millionen Astrazeneca-Dosen könnten bald auf Halde liegen, wenn die Länder nicht schnell das Impftempo hochfahren. Nun gibt es positive Signale – und einige Erklärungen für den schleppenden Start.

Bis zuletzt wurde in Deutschland wie berichtet nur ein kleiner Teil der gelieferten AstraZeneca-Impfdosen verabreicht. Den 16 Bundesländern wurden insgesamt 3,2 Millionen Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs geliefert, wie aus Angaben des Bundesgesundheitsministeriums hervorgeht. Bis einschließlich Montag sind nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts jedoch lediglich 514.000 Dosen verabreicht worden. Bleibt es beim aktuellen Impftempo, könnten bis Ende der Woche über zwei Millionen Dosen des britisch-schwedischen Vakzins auf Halde liegen.

Doch nach dem zögerlichen Start wächst nun in den Bundesländern die Hoffnung auf einen schnellen Abbau des AstraZeneca-Impfstaus. In mehreren Bundesländern werden bereits Impftermine für die zweite Prioritätsgruppe vergeben - somit könnten zusätzlich Millionen von Menschen bald die Chance auf eine AstraZeneca-Impfung haben. In Nordrhein-Westfalen etwa sollen ab Montag rund 750.000 Erzieher, Tageseltern, Volksschullehrer und Streifenpolizisten ein Impfangebot erhalten. "Wir wollen halt einfach impfen, was das Zeug hält", sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Und die Vorbehalte scheinen zu schwinden: Brandenburg meldete zum Wochenstart eine Auslastung von rund 90 Prozent bei der Terminvergabe, in Thüringen sind die Impftermine für Personal an Kitas, Grund- und Förderschulen binnen weniger Stunden vergeben worden. Auch Baden-Württemberg verzeichnet eine stärkere Terminnachfrage. Bei den Lehrern und Erziehern gebe es wenig Vorbehalte. Mittlerweile seien mehr als eine Million Menschen im Bundesland zusätzlich impfberechtigt, heißt es von dort.

Dennoch liegt noch stapelweise Impfstoff im Kühlschrank. Zuletzt hatte es geheißen, das AstraZeneca-Vakzin habe ein Imageproblem und werde deswegen so zögerlich verabreicht. Die Erfahrungen zeigen: Das ist nur ein Teil der Wahrheit.

In Nordrhein-Westfalen wurde das Impftempo in Krankenhäusern bewusst gedrosselt, weil teilweise Mitarbeiter nach der Impfung kurzzeitig ausgefallen waren. Die Impftermine wurden daher über einen längeren Zeitraum gestreckt - damit nicht zu viele Mitarbeiter gleichzeitig mit Impfreaktionen ausfallen.

Baden-Württemberg begründete die niedrigen Impfzahlen mit einer statistischen Verzögerung: Impfungen in den Krankenhäusern werden demnach erst verspätet statistisch erfasst.

Zahlen, wie viele Menschen in Österreich die Impfung mit AstraZeneca verweigert haben, liegen nicht vor. Laut dem österreichischen Gesundheitsministerium wurden bislang 223.200 Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs in die Bundesländer ausgeliefert. Knapp 93.000 AstraZeneca-Impfdosen seien bis einschließlich Sonntag verimpft worden, berichtet der ORF.

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