Weltpolitik

Was Sie über den Alternativen Nobelpreis wissen sollten

Was haben Astrid Lindgren und Edward Snowden gemein? Sie sind beide Träger des Alternativen Nobelpreises, der einmal im Jahr vergeben wird. Warum der Alternative Nobelpreis nicht mit der traditionellen auf Alfred Nobel zurückgehenden Auszeichnung zu tun hat? Und wer schon alles den Preis gewonnen hat? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Vor einem Jahr kannten nur wenige die damals 15-jährige Greta Thunberg. Am Mittwoch erhielt die Klimaaktivistin den Alternativen Nobelpreis. SN/AP
Vor einem Jahr kannten nur wenige die damals 15-jährige Greta Thunberg. Am Mittwoch erhielt die Klimaaktivistin den Alternativen Nobelpreis.

Was ist der Alternative Nobelpreis?

Mit dem Alternativen Nobelpreis werden alljährlich Vorkämpfer für Menschenrechte, Umwelt und Frieden ausgezeichnet. Eigentlich heißt der Preis "Right Livelihood Award", doch gemeinhin wird er als Alternativer Nobelpreis bezeichnet. Mit den traditionellen auf den Dynamit-Erfinder Alfred Nobel zurückgehenden Preisen hat die Auszeichnung aber nichts zu tun. Initiiert wurde der aus spendenfinanzierte und seit 1980 vergebene Preis vom deutsch-schwedischen Journalisten und Philanthropen Jakob von Uexküll.

Was sind die Motive für die Auszeichnung?

Die Motive für die Auszeichnung reichen vom Kampf für das Klima und die Artenvielfalt bis zum Einsatz für Gerechtigkeit und die Rechte von Frauen. Der Stiftungsdirektor Ole von Uexküll erklärte die diesjährige Entscheidung mit den Worten: "Mit den 40. Right Livelihood Awards ehren wir vier praktische Visionäre, deren Einsatz es Millionen von Menschen ermöglicht, ihre grundlegenden Rechte zu verteidigen und für eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten zu kämpfen."

Wer sind die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger?

Wenige Tage nach ihrer Wutrede beim UN-Klimagipfel erhält Greta Thunberg nun den Alternativen Nobelpreis. SN/AP
Wenige Tage nach ihrer Wutrede beim UN-Klimagipfel erhält Greta Thunberg nun den Alternativen Nobelpreis.

Greta Thunberg (Schweden)
Im August 2018 entschloss sich die damals 15-jährige Schwedin pünktlich zum neuen Schuljahr, vor dem Parlament in Stockholm für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Mit ihrem "Schulstreik fürs Klima" ist sie zur Inspirationsquelle für Millionen von Schülern in aller Welt geworden, aus ihrem einst einsamen Protest ist die internationale Klimabewegung Fridays for Future entstanden. Seitdem sind Millionen Menschen nach Thunbergs Vorbild für das Klima auf die Straße gegangen. Um ihren Einsatz fürs Klima auf eine neue Ebene zu heben, reiste die Aktivistin im August in die USA - um ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen, aber nicht mit dem Flugzeug, sondern per Segeljacht.

Aminatu Haidar (Westsahara)
Die Menschenrechtsaktivistin kämpft in ihrer Heimatregion gewaltlos für Gerechtigkeit und politische Selbstbestimmung der Bevölkerung. Manche nennen sie deshalb "Gandhi der Westsahara". Sie will die Unabhängigkeit der Region an der nordwestafrikanischen Atlantikküste, die nach dem Rückzug der Kolonialmacht Spanien in den 1970er Jahren von Marokko annektiert wurde. Seitdem ist der Status des Gebietes ungeklärt. In ihrem Kampf trat die 53-Jährige mehrmals in den Hungerstreik - und lässt sich auch nicht von Haft, Folter und Morddrohungen von ihrem Ziel abbringen. Mit ihr wird erstmals eine Person aus der Westsahara mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Guo Jianmei (China)
Sexuelle Belästigung, häusliche Gewalt, Diskriminierung am Arbeitsplatz: Die Liste der Vergehen gegen Frauen in China ist - wie an vielen anderen Orten der Erde - lang. Guo hilft betroffenen Chinesinnen, Rechtsbeistand zu erhalten. Seit 1995 haben so mehr als 120 000 Frauen in der Volksrepublik kostenlose Beratung von ihr und ihren Teams erhalten. Die 57-jährige Juristin hat sich so einen Namen als eine der führenden Frauenrechtsanwältinnen ihres Landes gemacht. Ihr Kampf für die Rechte der Frau findet nicht nur in den großen Städten statt: Dank der Gründung eines Anwaltsnetzwerks kann seit 2005 auch Frauen in ländlichen Regionen geholfen werden.

Davi Kopenawa und die Vereinigung Hutukara Yanomami (Brasilien)
Davi Kopenawa hat den Alternativen Nobelpreis 1989 schon einmal in Empfang genommen - damals allerdings nur im Auftrag der Menschenrechtsorganisation Survival International. Nun wird der Brasilianer gemeinsam mit der von ihm mitgegründeten Vereinigung Hutukara Yanomami persönlich für seinen Einsatz für die Rechte der indigenen Bevölkerung ausgezeichnet. Kopenawas Kampf gegen die Zerstörung der Lebensgrundlage der Yanomami fokussiert sich auf die Sicherung der Landrechte und Kultur der Ureinwohner, aber auch auf den Schutz der Wälder und Artenvielfalt im Amazonasgebiet.

Wie hoch ist der Preis dotiert?

Das mit der Auszeichnung verbundene Preisgeld in Höhe von jeweils einer Million schwedischen Kronen (93 500 Euro) ist für die Arbeit der Geehrten bestimmt. Darüber hinaus wird den Preisträgern von der Stiftung langfristige Unterstützung für ihr Vorhaben und Hilfe in lebensbedrohlichen Situationen zugesichert.

Wann wird der Preis vergeben?

Die Auszeichnungen werden am 4. Dezember auf einer feierlichen Zeremonie in Stockholm vergeben. Kopenawa wird den Preis dann bereits zum zweiten Mal in Empfang nehmen - im Jahr 1989 hatte er den Award schon einmal im Auftrag der Menschenrechtsorganisation Survival International entgegengenommen.

Welche bekannten Persönlichkeiten haben bereits den Alternativen Nobelpreis erhalten?

Oft fördert die Right Livelihood Stiftung mit dem Alternativen Nobelpreis weniger bekannte Kämpfer für Frieden, Menschenrechte und Umwelt. Einige Male haben seit 1980 aber auch bekannte Gesichter die Auszeichnung erhalten.

Edward Snowden lebt seit 2013 in Russland im Exil. SN/APA (AFP)/LOTTA HARDELIN
Edward Snowden lebt seit 2013 in Russland im Exil.

Edward Snowden
Der US-Whistleblower bekam den Preis 2014, "weil er mit Mut und Kompetenz das beispiellose Ausmaß staatlicher Überwachung enthüllt hat, die grundlegende demokratische Prozesse und verfassungsmäßige Rechte verletzt" - so die Begründung. Bei der schwedischen Regierung löste das große Aufregung aus. Abholen konnte Snowden, der seit 2013 in Russland im Exil lebt, die Auszeichnung nicht, weil die USA nach ihm fahnden. Bei der diesjährigen Preisverleihung Anfang Dezember in Stockholm soll er aus Moskau zugeschaltet werden.

Wurde vergangenens Jahr mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet: Robert Mukwege.  SN/AP
Wurde vergangenens Jahr mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet: Robert Mukwege.

Denis Mukwege
Ein Jahr vor Snowden erhielt der Arzt Mukwege den Preis für seinen Einsatz für Frauen, die in Kriegszeiten sexueller Gewalt ausgesetzt gewesen sind. Fünf Jahre später wurde er 2018 schließlich mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Der 64-Jährige gilt als weltweit führender Experte für die Behandlung von Verletzungen durch Gruppenvergewaltigungen und als Aktivist gegen sexuelle Gewalt.

Astrid Lindgren ist 2002 gestorben. SN/APA (dpa)/A0508 Polfoto Grarup
Astrid Lindgren ist 2002 gestorben.

Astrid Lindgren
Die weltweit wohl berühmteste Schwedin hat den Alternativen Nobelpreis 1994 erhalten. Die Stiftung verlieh der Kinderbuchautorin den nicht dotierten Ehrenpreis für ihren "lebenslangen Kampf für die Rechte von Kindern".

Bianca Jagger besuchte 2017 die Salzburger Festspiele. SN/Copyright by: FRANZ NEUMAYR Pres
Bianca Jagger besuchte 2017 die Salzburger Festspiele.

Bianca Jagger
Die frühere Ehefrau des Rolling-Stones-Sängers Mick Jagger bekam den Preis 2004 für ihren Einsatz für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz. Sie habe gezeigt, "wie man Berühmtheit in den Dienst von Ausgebeuteten und Benachteiligten stellt", begründete die Stiftung die Wahl damals.


Quelle: SN-Dop/Dpa

Aufgerufen am 26.11.2020 um 02:29 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/was-sie-ueber-den-alternativen-nobelpreis-wissen-sollten-76737880

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