Chronik

380 kV: Am Nockstein hört der Widerstand nicht auf

Während die APG bereits den Baubeginn noch in diesem Herbst plant, demonstrierten am vergangenen Sonntag Hunderte Menschen gegen die 380-kV-Freileitung über den Nockstein.

Mit dieser großen Unterstützung hatten selbst die Organisatoren nicht gerechnet. Hunderte Menschen - die Schätzungen lagen zwischen 500 und 700 Teilnehmern, die vor allem aus Koppl und Eugendorf, aber auch vielen anderen Gemeinden, etwa aus dem Tennengau, kamen - demonstrierten am vergangenen Sonntag vor dem Nockstein gegen die geplante 380-kV-Freileitung. Rote und weiße Ballons markierten die Standorte der Masten am Flachgauer Wahrzeichen. "Es sind extrem viele Leute da, was beweist, dass das Thema sehr wohl auf breite Ablehnung in der Bevölkerung stößt. Wir werden bis zum Schluss nicht aufgeben", sagte Michael Bacher, Sprecher der Bürgerinitiative Guggenthal-Heuberg am Sonntag. "Wir wollen unverändert eine Teilverkabelung in sensiblen Gebieten. Die Ballons sollen vermitteln, welcher massiver Eingriff in die Landschaft die 380-kV-Freileitung ist. Vor dem Nockstein wird ein 86 Meter hoher Turm stehen. Auch der ,Bananenmast' auf dem Grat des Nocksteins ist 36 Meter hoch und 40 Meter breit und nur 200 Meter vom Gipfel entfernt." Die Landespolitik sei gefordert, so Bacher.

Für den Projektbetreiber APG sei noch nicht alles in trockenen Tüchern. Es gebe beim Verwaltungsgerichtshof noch offene Punkte wie die Rodungen oder die Zuständigkeit bei der Genehmigung. "Laut einem EuGH-Urteil gelten auch die Baumschlägerungen entlang der Trasse als Rodungen, die sich damit auf der Strecke von Elixhausen bis Kaprun von 200 auf 800 Hektar erhöhen. Gegen Österreich läuft zudem ein Vertragsverletzungsverfahren, weil keine strategische Umweltprüfung durchgeführt wurde. Bis Ende September muss die Bundesregierung eine Stellungnahme dazu abgeben", so Bacher. Auch Sylvia Obereder aus Eugendorf ist zum Nockstein gekommen: "Wir lehnen diese Freileitung ab. Sie ist nicht Stand der Technik, das hat der letzte Winter gezeigt. Die 380-kV-Masten und Leitungen sind außerdem viel massiver als bei der bestehenden 220-kV-Leitung." Auch wenn sie nicht unmittelbar als Anrainerin betroffen sei, werde das Landschaftsbild massiv beeinträchtigt. Außerdem sei die 380-kV-Leitung für den österreichischen Bedarf nicht notwendig, ist sie überzeugt.

Für Koppls Bürgermeister Rupert Reischl (ÖVP) ist es angesichts der noch ausstehenden Höchstgerichtsentscheidung unverständlich, dass die APG noch diesen Herbst mit dem Bau beginnen will. "Falls wir recht bekommen, müssten die Leitungen des 800-Millionen-Euro-Projekts rückgebaut werden, ein Wahnsinn." Für Reischl ist der Nockstein der David, der gegen den Goliath APG steht. "Alle 200 bis 300 Meter wird ein Mast stehen, daran kann man sich nicht gewöhnen. Das Thema muss ein bundespolitisches Thema werden. Das Projekt rechtskräftig zu stoppen, ist keine große Forderung, es geht darum, Verantwortung für das Land zu übernehmen. Wir wollen die Freileitung nicht, wir dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen", so Reischl.

Eugendorfs Bürgermeister Johann Strasser (ÖVP) tritt seit jeher für eine Erdverkabelung ein: "Salzburg wird nie ein gr0ßes Industrieland werden, sondern ein Tourismusland bleiben. Es geht um die Zukunft unserer Kinder und Nachkommen. Ich verstehe weder Landes- noch Bundespolitik, wie man für den Stromtransit die Heimat verschandeln lassen kann. Wir sind überzeugt, dass wir den richtigen Weg gehen. Die Politik muss sich einschalten und Nein sagen. "

Die APG will trotz aller Protesten und ausstehender höchstgerichtlicher Entscheidungen noch in diesem Herbst mit dem Bau der Freileitung beginnen. Die Höchstrichter hätten den Beschwerden keine aufschiebende Wirkung zuerkannt. Für 100 von 128 Kilometern Trasse gebe es bereits privatrechtliche Verträge. Wie Projektleiter Wolfgang Hafner gegenüber den Flachgauer Nachrichten sagte, diene die 380-kV-Leitung bei stetig steigendem Strombedarf der Absicherung der Stromversorgung. Die Entscheidung für eine Freileitung sei der Betriebssicherheit geschuldet, sie sei als Standardtechnik einem Erdkabel vorzuziehen.

Aufgerufen am 15.10.2019 um 11:29 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/380-kv-am-nockstein-hoert-der-widerstand-nicht-auf-76428115

Kommentare

Schlagzeilen