Chronik

Am Hundstein wird seit 500 Jahren geranggelt

Von "Hosenreckern", den jüngsten Hagmoar-Siegern und einem ewigen Finalkampf - beim Jakobi-Ranggeln wird Geschichte geschrieben.

Die Naturarena wird heuer zum Schauplatz eines besonderen Jubiläumsspektakels.   rach
Die Naturarena wird heuer zum Schauplatz eines besonderen Jubiläumsspektakels.  

Ranggler-Urgestein Günther Heim sitzt schon auf Nadeln. Das Hundstoa-Ranggeln steht wieder vor der Tür. Eigentlich ist die jährliche Wiederkehr schon Grund zur Vorfreude genug, dieses Mal wird zu allem Überfluss aber das 500-jährige Jubiläum gefeiert. "Das ist heuer wirklich etwas ganz Besonderes", sagt der Ehrenpräsident des Salzburger Rangglerverbandes.

Im sogenannten "Hundstainedikt" aus dem Jahr 1518 gab der Salzburger Erzbischof Leonhard von Keutschach genaue Anweisungen, wie das "Hosenrecken" (so hieß das Ranggeln damals) durchzuführen sei. Und zwar friedlich und nicht mit rohen Gewaltausbrüchen. "Geranggelt wird also noch viel länger am Hundstoa, aber das Jahr 1518 haben wir bestätigt", sagt Heim.

Stets am letzten Sonntag im Juli, um den Jakobi-Tag (25. Juli), findet er statt, der Höhepunkt der Salzburger Ranggler. Ein Mal gelang auch Günther Heim der große Wurf. 1965 kürte er sich im Alter von 19 Jahren zum Hundstoa-Hagmoar, viele Jahre lang blieb er der jüngste Sieger. Bis 1983 der Mittersiller Wolfgang Schranz kam, mit seinen jugendlichen 17 Jahren, und den Rangglerolymp erklomm.

Ein Jahr später, am 29. Juli 1984, kam es zur nächsten Besonderheit. 80 Minuten lang dauerte der Finalkampf zwischen Josef Gruber (Uttendorf) und Anton Rieß (Rauris). Der Regen war immer stärker geworden, die nasse, schmutzige Kleidung erlaubte keinen Halt. So konnte sich der Gegner selbst nach guten Angriffen immer wieder befreien. Einvernehmlich gab es ein Unentschieden und damit zwei Sieger. Der Salzburger Rangglerverband reagierte mit der Abschaffung des zeitlich unbegrenzten Finalkampfes am Hundstein, bis dahin eine Sonderregel. Nun dauert auch das Finale höchstens sechs Minuten. Bei Unentschieden zählt die kürzere Ranggelzeit aus den Runden davor bzw. die Anzahl der Freilose.

Gesucht: Der "Meister im umgrenzten Gehege"

Allgemein ist beim Ranggeln immer vom Hagmoar die Rede. Wo kommt der Begriff her? Heim: "In allen Berichten über das Ranggeln seit 1820 wird Hagmoar geschrieben, nur in Tirol gab es die Bezeichnung Hagmair, was das Gleiche bedeutet. Hag ist ein einfacher Zaun. Moar oder Mair bedeutet Meister. Nach Berichten von L. v. Hörmann gab es um 1820 im unteren Inntal in jedem Ort einen ,Hagmair'. Für ihn galt Hagmair als ,Meister im umgrenzten Gehege'. Wie aus alten Fotos zu sehen ist, wurden auch im Pinzgau bei großen Veranstaltungen als Abgrenzung Pflöcke eingeschlagen und ein Strick gespannt. Daher ist auch bei uns die Auslegung sinnvoll."

Wer könnte denn nun "Meister im umgrenzten Gehege" beim 500-Jahr-Jubiläum werden? "Es wird sehr spannend. Am Hundstoa ist alles möglich, auch eine Überraschung. Aber die Favoriten sind natürlich die derzeit Besten im Alpencup: Hermann Höllwart und Christoph Mayer." Sehr stark schätzt Heim auch Christopher Kendler ein - und auf Christoph Eberl und Christian Pirchner dürfe man nicht vergessen.

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