Chronik

Bienen fliegen auf die City

Honig aus der Stadt? Softwareentwickler als Imker? Wir haben die Bienen in der Science City besucht.

Imkern entlang viel befahrener Straßen, inmitten einer 150.000-Einwohner-Stadt, ja geht denn das? Es geht. Die Bienen in den fünf Stöcken auf dem Dach eines Techno-Z-Gebäudes produzieren fleißig Honig - rund 50 Kilo in zwei Jahren. "Die Menge ist gar nicht wichtig", sagt ihr "Betreuer" Andreas Ortner. Im Gegenteil: Man könnte mit Zuckerzugaben oder zusätzlichem Wachs den Ertrag steigern, aber das will man nicht. "Unser Ziel ist es, Waben und Honig von den Bienen selbst produzieren zu lassen und so ein möglichst reines Produkt zu bekommen", sagt Ortner. Er arbeitet als Softwareentwickler am Techno-Z.


Geschichte vom "faulen Willi" ist kein Klischee

Zur Imkerei kam er über seinen Chef Bernd Marte. Gemeinsam mit Techno-Z-Geschäftsführer Werner Pfeiffenberger hatte dieser die Bienen aus einem "Umwelt- und Nachhaltigkeitsgedanken" heraus angeschafft. Marte betreibt selbst 80 Stöcke in Vorarlberg und verfügt über ein fundiertes Wissen. Ortner bekundete Interesse und "erbte" schließlich die Arbeit auf dem Dach. Auf die Fassade haben Sprayer inzwischen zu den "Bee"nen passende Graffiti gesprüht (siehe rechts).

Am meisten tut sich beim summenden Volk während des Frühlings. Ist in einem Stock die kritische Masse erreicht, schwärmen zwei Drittel der Bienen samt der Königin aus und gründen außerhalb einen neuen Stock. Der Rest bleibt mit der Brut zurück und zieht eine neue Königin heran. Die muss Tausende Eier legen. Verweigert sie, wird sie vom Kollektiv gestürzt. Auch an der Geschichte vom "faulen Willi" ist etwas dran. Die Männchen vulgo Drohnen lassen sich durchfüttern. Bei schönem Wetter fliegen sie auf sogenannte Begattungsplätze, "Swingerclubs für Bienen", sagt Ortner. Dort treffen sie auf die Königin, die ihnen so viel Sperma abnimmt wie nur möglich - am liebsten von den Kerlen aus den anderen Stöcken, um die genetische Vielfalt aufrechtzuerhalten. "Dieser Jungfernflug ist überhaupt die Voraussetzung, um befruchtete Eier zu legen", erklärt Ortner, dessen Opa bereits als Imker tätig war.

Die Techno-Z-Bienen sammeln Pollen und Nektar in erster Linie auf den Wiesen rund um Maria Plain, sie bewegen sich in einem Radius von gut fünf Kilometern. Übrigens soll der in einer Stadt produzierte Honig qualitativ sogar noch wertvoller sein als jener vom Land. Der Grund: Es gibt weniger Pestizide und die Verkehrsabgase lagern sich im Naturprodukt Honig nicht ab.

Urbane Imkerei: Wissenswertes über Bienen

bee productive
Die wichtigste Aufgabe der Bienen ist die Bestäubung unserer Blühpflanzen. Der Wert ihrer Leistung wird in Österreich auf 900 Millionen Euro pro Jahr
geschätzt.

bee structured
Eine Königin regiert ihr Volk und sorgt für Nachwuchs. Sie legt von Februar bis August täglich 500 bis 2500 Eier und lebt drei bis fünf Jahre.
50.000 Arbeiterinnen versorgen Königin und Nachwuchs, putzen, bauen Waben, verteidigen den Bienenstock und sammeln Pollen und Nektar. Sie leben acht Wochen (Sommer) oder sechs Monate (Winter).
2000 Drohnen (männliche Bienen): Ihre einzige Aufgabe ist die Begattung der Königin. Sie leben nur wenige Wochen.

bee healthy
Honig ist antibakteriell und wundheilend. Ebenso empfehlenswert sind Blütenpollen, Gelée royale, Propolis, Bienengift und Perga.

bee social
Das Bienenvolk handelt wie ein einziger Organismus. Bienen verständigen sich über Duftstoffe und ihre Tanzsprache.

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