Chronik

Coronavirus: Land Salzburg kündigt Schnellhilfspaket für Betriebe an

Die Beherbergungsbetriebe sind ab Montagabend behördlich geschlossen. Nur in Ausnahmefällen bleiben Hotels offen. Das Land Salzburg will kommende Woche ein Hilfspaket für die Betriebe präsentieren - zusätzlich zur Bundesregierung, die am Samstag entsprechende Pläne präsentieren soll.

Landeshauptmann Wilfried Haslauer. SN/robert ratzer
Landeshauptmann Wilfried Haslauer.

Salzburgs Skigebiete müssen Sonntag nach Betriebsschluss ihre Saison beenden und zusperren. Gleichzeitig werden ab Montag 20 Uhr alle Beherbergungsbetriebe im Bundesland behördlich gesperrt. Diese Maßnahme hat das Land Salzburg am Donnerstagabend überraschend verkündet. Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) hat nach einem Gespräch in Wien die Maßnahmen am Freitagnachmittag präzisiert. Am Freitag wurden im Bundesland 24 Coronavirus-Fälle gezählt. "80 Prozent davon sind touristisch infizierte Personen. Unser Ziel ist es, so wenig wie möglich Verbreitungsmöglichkeit für das Coronavirus zu geben. Daher haben wir gemeinsam mit Tirol und Vorarlberg beschlossen, die Wintersaison zu beenden." Das Ganze sei natürlich für alle nicht lustig. "Aber besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen", sagte Haslauer. Vor allem die Situation in Tirol sei dramatisch. Salzburg habe daher die Notbremse gezogen, um nicht auch ganze Täler wie in Tirol sperren und unter Quarantäne setzen zu müssen.

Doch nicht sämtliche Hotels müssen schließen, denn es gibt auch Gäste, die nicht unmittelbar bis Montag abreisen können, oder Arbeitskräfte (etwa Monteure), die in Hotels und Pensionen nächtigen. Für diese würden die Bezirksverwaltungsbehörden Ausnahmegenehmigungen ausstellen, sagt Haslauer. Betroffen von einem Betriebsverbot seien aber alle gewerblichen Beherbergungsbetriebe bis Ostermontag, 13. April. Weil die Schließung auf Basis des Epidemiegesetzes erfolgt, besteht auch Anspruch auf eine Entschädigungsleistung vonseiten des Bundes. Für viele Betriebe gebe es außerdem die Möglichkeit einer "Betriebsunterbrechungsversicherung". In den Ferienhotels sei die Saison gut gelaufen, sagte Haslauer. Weitaus dramatischer sei die Situation allerdings für die Städtehotellerie. "Da gibt es zehn bis 15 Prozent Belegsstand vom Normalgeschäft. Und es gibt Betriebe, die haben vier bis fünf Mal so viele Mitarbeiter wie Gäste derzeit."

Die Bundesregierung werde daher am Samstag ein Hilfspaket präsentieren. "Ich habe in Auftrag gegeben, dass wir uns im Land auf ein Schnellhilfspaket vorbereiten. Dieses werden wir nächste Woche präsentieren", sagte Haslauer. Wie hoch dieses ausfallen wird, wollte der Landeshauptmann aber nicht verraten. "Wir werden Geld in die Hand nehmen. Es geht hier auch um Haftungsübernahmen und um Zuschussmöglichkeiten. Unsere ganze Budgetierung im Landesbudget ist jetzt nicht mehr im Vordergrund. Ob es zu einer Neuverschuldung kommen wird, sei dahingestellt. Es geht jetzt darum, den Betrieben im Land zu helfen."

Ab Montag täglich ab 15 Uhr müssen außerdem Gastronomie und Lokale schließen. Geschäfte (mit Ausnahme von Lebensmittelhandel, Drogeriemärkten, Apotheken, Banken) müssen ab Montag ebenfalls schließen. Haslauer verteidigt diese Maßnahmen der Bundesregierung. "Sie sind erforderlich, damit es in unserem Land nicht zu italienischen Verhältnissen kommt. Das meine ich nicht abwertend. Aber wir sind aufgerufen, frühestmöglich alles vorzukehren, um der Verbreitung des Coronavirus Einhalt zu gebieten." Haslauer betonte aber auch, dass es keine Notwendigkeit für "Hamsterkäufe" gebe. Er halte es auch für unverantwortlich, dass manche mit Falschmeldungen Panik verbreiteten. "Die Versorgung mit Lebensmitteln ist in jeder Weise sichergestellt. Es ist auch ausreichend Bargeld vorhanden, ich habe mit allen Salzburger Banken gesprochen." Es werde auch keine wie immer gearteten Ausgangssperren geben.

Noch am Montag hatte Haslauer eine Absage der Osterfestspiele oder eine Sperre von Tourismusbetrieben abgelehnt. Wurde die Lage unterschätzt? Nein, sagt der Landeshauptmann. "Die Situation hat sich drastisch geändert. Ich sage auch heute noch: Wenn ich Salzburg isoliert betrachte mit 700.000 Einwohnern und Gästen sowie 21 Coronafällen, dann wären für Salzburg all diese Maßnahmen nicht erforderlich. Aber wenn man sieht, was sich in Tirol oder in Italien abspielt, dann muss man vorgreifend agieren." In Salzburg habe man da speziell noch eine Chance, die exponentielle Steigerung des Virus in den Griff zu bekommen, "wenn wir den Tourismus jetzt stoppen".

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Aufgerufen am 21.01.2021 um 02:27 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/coronavirus-land-salzburg-kuendigt-schnellhilfspaket-fuer-betriebe-an-84809467

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