Chronik

Coronavirus: Vierter Fall in Salzburg - Urlauberin wurde nach Deutschland gebracht

In Salzburg bestätigt die Landessanitätsdirektion eine vierte am Coronavirus erkrankte Person. Es handelt sich um einen 61-Jährigen im Pinzgau. Eine 62-jährige Frau aus Köln, die in Obertauern als dritter Erkrankungsfall bekannt wurde, ist mittlerweile wieder in ihrem Zuhause angekommen. Im Skiort hat sich die Debatte um das Virus schon auf die Buchungslage geschlagen.

Obertauern kämpft mit Virusfall und versucht zu beruhigen (Archivbild). SN/christian sprenger
Obertauern kämpft mit Virusfall und versucht zu beruhigen (Archivbild).

"Na gratuliere." So reagierte Walter Veit auf die Nachricht, dass eine 62-jährige Urlauberin aus Köln in Obertauern positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Veit betreibt das Hotel Enzian und ist Vizepräsident der Österreichischen Hoteliervereinigung. Mit seinen Worten dürfte er dem ganzen Ort aus der Seele sprechen. "Das ist ganz blöd für uns. Das ist das, was wir eigentlich nicht wollten", sagte ein Vermieter von Appartements.

Die erkrankte Frau hatte sich am späten Dienstagnachmittag in die Arztpraxis in Obertauern in Behandlung gegeben. "Die Patientin wurde als verdächtig identifiziert. Sie wurde sofort mit Verdacht unter Quarantäne gestellt. Dort wurde ein Abstrich genommen", sagte der Leiter der Ordination. Seinen Namen wollte der Arzt nicht in der Zeitung lesen - seine Praxis werde regelrecht "bombardiert von Hunderten Anrufen von hysterischen Leuten".

Für seinen Betrieb hat der positive Test Folgen. Der behandelnde Arzt wurde unter Quarantäne gestellt. "Glücklicherweise war niemand im Warteraum. Da war gerade ein Loch." Die 62-Jährige und ihre Begleitung wurden zunächst in ihrem Hotelzimmer isoliert und noch am Mittwochabend mit einem Krankentransport nach Hause gebracht. Dort ist sie am Donnerstag gegen drei Uhr morgens angekommen.

Die zwölf Mitarbeiter des Hotels sowie dessen Besitzer und seine Familienangehörigen befinden sich in Quarantäne im Hotel. Alle anderen rund 70 Hotelgäste - von denen keiner Symptome gezeigt hatte - sind abgereist. Die Abreise erfolgte "selbstverständlich" nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und "mit exakten Auflagen, wie zum Beispiel während der Fahrt keinen Kontakt mit anderen Personen zu haben. Daheim müssen sie in häusliche Quarantäne und die Gesundheitsbehörden nehmen mit ihnen Kontakt auf. Die Auflagen haben wir mit der Landessanitätsdirektion abgestimmt", erklärte Bezirkshauptmann Harald Wimmer.

"Die Leute sind sehr verunsichert", sagte Hotelier Veit. "Die Buchungen für die zweite Märzhälfte und für Ostern sind eingebrochen." Er schätze, dass man etwa ein Drittel unter dem Vorjahr liege. Wie sich der nun bestätigte Coronafall weiter im Ort auswirke, sei nicht abzuschätzen. Er sage seinen Gästen: "Kommt zu uns herauf, geht Ski fahren, stärkt euer Immunsystem. Ihr müsst ja nicht jeden abbusseln." Vereinzelt habe es auch schon Stornierungen gegeben. Wobei Veit klarstellte: "Die Angst vor dem Coronavirus ist kein Stornogrund." Denn die sei unbegründet. "So einen hohen Hygienestandard wie in den Hotels hat man zu Hause nicht", sagte Veit.

Beim Tourismusverband in Obertauern sei schon vor dem positiven Test die Verunsicherung vieler Gäste zu spüren gewesen, schilderte Direktor Mario Siedler. Es gebe viele Anfragen betreffend künftiger Buchungen. "Eine italienische Familie hat sich erkundigt, ob sie überhaupt erwünscht ist." Der Verband habe die Betriebe aufgeklärt, wie sie an Informationen kämen. "Ansonsten ist es eine rein medizinische Geschichte", meinte Siedler.

Von "vereinzelten Stornierungen" im gesamten Bundesland, die "noch nicht gravierend" seien, spricht Gernot Hörwertner von der Salzburger Land Tourismusgesellschaft. "Aus den Skigebieten haben wir bisher keine großen Auswirkungen gemeldet bekommen." Man merke aber, dass bei Buchungen derzeit abgewartet werde. Wie sich die Lage entwickeln werde, darüber gebe es "keine seriösen Informationen", sagte Hörwertner.

Die Landessanitätsdirektion hatte am Mittwochabend vorübergehend als Vorsichtsmaßnahme veranlasst, dass eine Klasse der Neuen Mittelschule Werfen und der Kindergarten Werfenweng geschlossen bleiben. Ein Ehepaar sei mit dessen beiden Kindern in Italien auf Urlaub gewesen, die Geschwister hätten am Mittwoch grippeähnliche Symptome gezeigt. Bei der Mutter und den beiden Kindern wurden Abstriche genommen - die Tests auf das Coronavirus verliefen negativ, teilte das Land Mittwochabend mit. Dennoch müssen die Geschwister nun vorsorglich zwei Wochen lang zu Hause bleiben. Der Unterricht in der betroffenen Schulklasse sollte am Donnerstag doch stattfinden, der Kindergarten werde aus organisatorischen Gründen am Freitag wieder öffnen.

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