Die Kraft des Sommers

Hüttenwirtin Veronika Gruber: "Ich will nichts bereuen"

Die Gamskarkogelhütte auf dem "höchsten Grasberg Europas" hat eine neue Hüttenwirtin. Die 27-jährige Veronika Gruber weiß die Kraft der Berge in den kleinen Momenten zu finden.

Eine kühle Brise fegt über die sieben Holztische vor der Gamskarkogelhütte, tibetische Gebetsfahnen auf dem Dachgesims wehen den ankommenden Wandergästen entgegen. "Brauchst a Deck'n? Frisch wird's", ruft Hüttenwirtin Veronika Gruber einem Gast zu, während sie voll beladene Teller zwischen den Tischen balanciert. Nach wenig Zustimmung fügt sie schmunzelnd hinzu: "Des is der männliche Stolz."

Die 27-jährige Veronika Gruber ist seit Anfang Juni neue Hüttenwirtin der Gamskarkogelhütte auf 2467 Meter Seehöhe. "Einen lockeren Spruch muss man immer auf den Lippen haben, das gehört einfach dazu", sagt sie. Das Leben auf einer Alm ist Gruber nicht neu.

Gamskarkogelhütte - eine der ältesten Schutzhütten in den Alpen

Die gebürtige Bad Hofgasteinerin wuchs auf einem Bergbauernhof auf. Nach Abschluss der HLW Elisabethinum bewirtschaftete sie schon früh gemeinsam mit ihrer Cousine die nahe gelegene Biberalm, kümmerte sich um die Tiere dort. Nach einiger Zeit im Tourismusbüro Dorfgastein und Bad Gastein merkte sie: "Ich brauche die Berge 24 Stunden, ich brauche die Menschen um mich herum." Als sich dann im Juni die Möglichkeit bot, die Gamskarkogelhütte zu pachten, zögerte sie nicht lange.

24 Betten bietet die Schutzhütte. Sie ist eine der ältesten der Alpen. Bereits im Jahr 1828 soll der steirische Erbprinz Erzherzog Johann die Unterstandshütte errichten haben lassen. Auch der Berg, auf dem die Hütte steht, ist geschichtsträchtig: Der Gamskarkogel gilt als der "höchste Grasberg Europas".

Der Podcast mit Veronika Gruber zum Nachhören:

Von wegen Ruhe auf der Alm: "Es gibt ständig etwas zu erledigen"

Sattes Grün mischt sich zwischen schroffe Felswände der nördlichen Kalkalpen vom Wilden Kaiser bis zum Dachstein. Die gesamte Kette der Hohen Tauern ist in der Ferne sichtbar. Durch knorrige, mit Flechten behangene Bäume gelangt man über die Rastötzenalm sanft auf diesen grasbewachsenen Hügel. Und wird mit einem fröhlichen Lächeln der neuen Hüttenwirtin begrüßt.

"Bisher waren viele arbeitsreiche und anstrengende Tage dabei, aber jeder davon ist anders. Und das macht es spannend", zieht Veronika Gruber erste Bilanz. Die Tage beginnen früh. Mit Sonnenaufgang stehen auch die ersten Gäste in der Stube. Von da an heißt es Gäste bewirten, vorkochen, nachräumen. Mit der Nachtruhe um 22 Uhr wird es auch für Gruber beschaulicher.

Ruhemomente im Alltag gibt es nicht viele. "In den Tag hineinträumen kann ich nicht, es ist ständig etwas zu erledigen". Die exponierte Lage der Hütte tut ihr übriges. Seit Kurzem hat die Hütte eine Wasser-Aufbereitungsanlage. Die Materialseilbahn zur Hütte ist seit drei Jahren inaktiv. Holz, Gas und Getränke werden mit dem Hubschrauber gebracht. Frischwaren müssen von der befahrbaren Rastötzenalm zu Fuß hochgetragen werden. In der guten Stunde, die Gruber dafür benötige, um die Sachen von einer anderen Alm hinaufzutragen, tanke sie Kraft.

Die Kraft der Berge spüre sie jedoch ständig. "Wenn ich die Lebensmittel hinauftrage, beobachte ich, wie sich die Natur verändert, lasse den Tag Revue passieren und meinen Blick schweifen." Auch im Gespräch mit den Gästen sammle sie Energie: "Wenn ich merke, wie meine Gäste den Alltag Alltag sein lassen, gibt mir das viel zurück."

Viele Menschen, die zu Gruber kommen, bewundern ihre Hingabe. "Ich hatte auch immer den Traum, eine Hütte zu bewirtschaften", hört sie häufig. Diesen Traum hat sich Gruber erfüllt: "Ich möchte nichts bereuen. Ich will nicht erkennen, dass ich mein Leben lang etwas gemacht habe, was mich nicht erfüllt."

Aufgerufen am 29.09.2020 um 10:56 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/die-kraft-des-sommers-huettenwirtin-veronika-gruber-ich-will-nichts-bereuen-90940552

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