Chronik

Digibus lernt in Liefering dazu

Noch ist Autonomes Fahren Zukunftsmusik. Doch Salzburg Research und Commend International bringen den Prototypen zusehends auf Kurs. Der kleine Bus kann jetzt mit den Fahrgästen kommunizieren.

Autonomes Fahren. Noch ist der gänzlich fahrerlose Betrieb nicht möglich, aber die Forschung läuft auf Hochtouren.  SN/sw/alexander struber
Autonomes Fahren. Noch ist der gänzlich fahrerlose Betrieb nicht möglich, aber die Forschung läuft auf Hochtouren. 

Ein Bus ohne Busfahrer - ja, geht denn das? Seit April 2018 muss sich der Shuttle von Digibus Austria im Testbetrieb immer wieder in der Realität bewähren. Und: Es wird. Er fährt (auf Parkplätzen und am Testgelände) bereits autonom und kommuniziert auch mit den Fahrgästen. Denn: Sollen die Übungen gelingen, muss der Bus über kurz oder lang die Funktion des Buschauffeurs übernehmen.

Der Salzburger Kommunikationsspezialist Commend International in Liefering bietet dazu Kommunikationslösungen an. Ein Testbetrieb mit Testpersonen fand erst in der Vorwoche am Gelände des Unternehmens statt.

"Bei solchen Treffen erfahren wir relativ viel über die Bedürfnisse der Anwender", sagt Projektleiterin Cornelia Zankl von der Salzburg Research Forschungsgesellschaft. Sie leitet das Projekt Digibus. Angelegt ist es auf 36 Monate, das Bundesministerium für Klimaschutz fördert, Unterstützung kommt auch vom Land. Die Ergebnisse aus diesem und vorangegangenen Tests fließen in die weitere Entwicklung ein.

Video und Sprachsteuerung spielen eine zentrale Rolle

Ein siebenköpfiges Team um Klaus Hirschegger beschäftigt sich bei Commend mit den neu integrierten Mechanismen zur Fahrgast-Interaktion. "Eine zentrale Rolle spielen Video und Sprachsteuerung, wir arbeiten da mit einem bidirektionalen System - das in zwei Richtungen funktioniert", erklärt er: "Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen und darf nie der Technik ausgeliefert sein."

Passagiere wollen im Bus und an den Haltestellen nicht nur Auskunft über Anschlüsse und Verbindungen erhalten, der Bus sollte auch Lösungen bei Störungen oder Verkehrsbehinderungen anbieten können. Zu den neu integrierten Kommunikationseinrichtungen im Digibus gehören die Anzeige von aktuellen Echtzeit-Informationen auf interaktiven Touch-Monitoren im Shuttle und an den Haltestellen genauso wie die Möglichkeit, im Bedarfsfall per Direktverbindung Hilfe von einer Leitstelle anzufordern.

Projektleiterin weiß nicht, wann Bus wirklich in Betrieb geht

Obwohl das Projekt in einem halben Jahr abgeschlossen sein soll, kann Zankl noch keine Jahreszahl nennen, ab der der Bus auch wirklich ohne menschlichen Operator an Bord für den öffentlichen Verkehr zugelassen sein wird. Viele technische und rechtliche Fragen seien noch offen, räumt sie ein. Mittelfristiges Ziel ist es, den von "easy mile" in Frankreich hergestellten Prototyp (es gibt bereits mehrere in Österreich) als Zubringer zu Knotenpunkten für den öffentlichen Verkehr einsetzen zu können.

Anders als parallele Forschungsprojekte in Wien und Kärnten beschäftigt sich das Salzburger Projekt nämlich hauptsächlich mit Einsatzmöglichkeiten im ländlichen Raum. Österreichweit sind 13 Partnerbetriebe mit von der Partie, der zweite Salzburger Partner neben Commend ist das Center for Human-Computer Interaction der Universität Salzburg.

Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP) ist sich sicher, dass im "Autonomen Fahren" ein Schlüssel für die Mobilität der Zukunft liegt: "Es wird der absolute Game-Changer für unser Mobilitätsverhalten - weg aus dem privaten Bereich, hin zur Serviceleistung."

Aufgerufen am 28.11.2020 um 09:41 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/digibus-lernt-in-liefering-dazu-95441959

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