Chronik

Diskussion um Fiaker-Verbot nimmt auch in Salzburg wieder Fahrt auf

In die am Montag von Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) angestoßene Diskussion um ein Fiaker-Verbot sind nun auch Salzburgs Grüne eingestiegen. Sie hoffen, dass ihre bereits seit Jahren vorgebrachten Argumente endlich Gehör finden.

Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) - der auch für den Tierschutz zuständig ist - hatte empfohlen, über ein Verbot von Fiakern zumindest nachzudenken. Es stelle sich die Frage, ob der Einsatz von Fiakern in einer Großstadt überhaupt noch zeitgemäß ist, hielt er am Montag gegenüber "Wien heute" fest. "Man sollte sich Gedanken darüber machen, nämlich wirklich aus Gründen des Tierschutzes, ob man ein Pferd diesem Stress aussetzen sollte", befand der Minister.

"Es ist nicht mehr zeitgemäß"

Bei den Parteikollegen in Salzburg rennt Rauch damit offene Türen ein. Wenn es nach der Bürgerliste/DIE GRÜNEN geht, sollte die Stadt die 2023 auslaufenden Verträge mit den Salzburger Fiakern nicht mehr verlängern. "Es ist nicht mehr zeitgemäß, Touristinnen und Touristen im Sommer durch die verkehrsgeplagte Innenstadt zu kutschieren. Dieser Stress und diese Belastung sind den Tieren einfach nicht mehr zumutbar", sagte Gemeinderat Bernhard Carl.

Preuner: "Das ist momentan kein Thema"

Der Tierschutz-Sprecher der Bürgerliste/DIE GRÜNEN setzt sich bereits seit Jahren für das Wohl der Fiaker-Pferde ein. Echte Verbesserungen seien bis heute an der Untätigkeit von Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) gescheitert. Carl stellt nun klar: "Zum Schutz der Tiere muss diese überkommene Tradition nun ein Ende haben." Der Stadtchef winkte jedoch ab. "Das ist momentan kein Thema", sagte sein Büroleiter der APA

Hitzefrei ab 30 Grad in Wien?

Rauch würde eine Debatte darüber begrüßen, ob Wien auf Fiaker insgesamt verzichten könnte. Zugleich plädierte er dafür, diese Diskussion unabhängig von der Frage zu führen, ab wann die Pferde Hitzefrei bekommen. In Wien gilt für Fiaker ein Hitzefahrverbot ab 35 Grad Celsius. Diskutiert wird, dass die Gespanne schon ab 30 Grad pausieren dürfen.

Hitzefrei ab 30 Grad in Salzburg, aber...

Diese Diskussion gab es in Salzburg auch schon. Am 16. Dezember 2020 beschloss der Salzburger Gemeinderat auf Antrag der Bürgerliste als Kompromiss einstimmig, dass Fiaker-Pferden in der Stadt ab einer Temperatur von 30 Grad (gemessen am Residenzplatz) hitzefrei zu geben ist. Bis heute sei dieser dieser Beschluss jedoch nicht umgesetzt worden, kritisiert Bernhard Carl.

"Wir wissen selbst am besten, was unseren Tieren gut tut"

Der Grund: Im Frühsommer 2021 informierte der damalige Obmann der Salzburger Fiaker, Franz Winter, die Stadt, sich nicht an den Gemeinderatsbeschluss zu halten. "Es gibt keine gesetzliche Grundlage, in der eine Temperaturgrenze verankert wäre", bekräftigte er am Dienstag seine Position. "Ich will mir weder von der Politik noch von Tierschützern etwas vorschreiben lassen, was nicht im Gesetz steht."

  • In der Stadt Salzburg sind laut Angaben Winters während der Hochsaison 14 Kutschen mit 28 Pferden unterwegs. Die Tiere würden dabei ständig gewechselt werden. Insgesamt stünden rund 80 Pferde für die Fiakerfahrten zur Verfügung.


In der Praxis würden die Pferde in Salzburg ohnehin ab 32 oder 33 Grad Celsius zu Hause gelassen, weil dann kaum mehr Touristen in der Stadt seien. "Wir wissen selbst am besten, was unseren Tieren gut tut", versicherte Daniel Schmeisser, der Nachfolger Winters als Fiaker-Obmann. "Wenn ich das nicht weiß, hätte ich den falschen Beruf ergriffen."

Tierschützer begrüßen den Vorstoß von Rauch

Zustimmung zum Vorstoß Rauchs kam von Tierschützern. Der Verein "Vier Pfoten" zeigte sich "hoch erfreut". Es sei "wirklich endlich an der Zeit, diesem Anachronismus für immer ein Ende zu bereiten. Traditionen, die auf dem Rücken von Lebewesen erhalten werden, haben im 21. Jahrhundert einfach keinen Platz mehr. Wir schlagen vor, dass ein solches Verbot gleich mit der Novellierung der Tierschutz-Gesetzgebung geregelt wird", hieß es in einer Aussendung der Tierschutz-Organisation.

Ähnlich der "Verein gegen Tierfabriken" (VGT): Die Organisation wies darauf hin, stets betont zu haben, "dass die Bundesländer selbstständig strengere Regeln erlassen können und ist jetzt erfreut, dass der Verfassungsgerichtshof das selbst bestätigt". Der VGT sei erfreut über den Vorstoß von Rauch, gleichzeitig kam heftige Kritik an der Wiener SPÖ im Zusammenhang mit der Hitze-Debatte.

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