Chronik

Flugpiste ist fertig: Die Anrainer bleiben gelassen

Die Sanierung der Piste am Flughafen ist um rund 30 Millionen Euro fertiggestellt. Den Anrainern wird die Baustelle nicht fehlen, die meisten stört aber auch der Fluglärm nicht sonderlich.

An Spitzentagen waren bis zu 250 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt und rund 300 Fahrzeuge und Geräte im Einsatz.   SN/sw/flughafen salzburg
An Spitzentagen waren bis zu 250 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt und rund 300 Fahrzeuge und Geräte im Einsatz.

2850 Meter lang, 45 Meter breit: Das sind Eckdaten der neuen Landepiste des Salzburg Airport, trotz ausgesprochenen Wetterpechs im Zeit- und Kostenplan um rund 30 Millionen Euro fertiggestellt. Am Erscheinungstag dieser Ausgabe, 29. Mai, heben die ersten Maschinen wieder in den Himmel ab.

Im Schnitt werden es in den Sommermonaten 24 bis 28 kommerzielle Landungen pro Tag sein. Es fand mit der Generalsanierung keine Verschwenkung der aktuellen Pistenausrichtung statt und damit verbunden auch keine Änderung der An- und Abflugrouten. Der Flughafen entschloss sich zum Umbau, weil nach 60 Jahren die jährlichen Sanierungen zu kostenaufwendig wurden. In nur fünf Wochen wurden auf der "Mega-Baustelle" rund 16.000 Tonnen Erdreich bewegt, 75 Kilometer Kabel verlegt und 1100 Lichter installiert. Überraschenderweise schimpfen die Anrainer nicht - weder über den Bau- noch über den Fluglärm, mit dem erneut zu rechnen ist. An Spitzentagen waren auf der Baustelle rund 300 Fahrzeuge im Einsatz. "Die hat man hupen gehört", sagt Regina Eder. Sie wohnt in der Karl-Illner-Straße in Taxham, 200 Meter Luftlinie von der Landepiste entfernt. Während des Zertrümmerns der alten Piste habe sie Vibrationen der schweren Baugeräte gespürt, "aber nur ein paar Tage lang". Im Übrigen sei es während der Bauarbeiten stiller gewesen. Der fehlende Fluglärm habe freilich einen Unterschied gemacht, sagt Eder. Sorgen vor der näheren Zukunft plagen sie dennoch nicht. "Wenn man sein ganzes Leben an dieser Adresse wohnt, regt einen das nicht mehr auf."

Ähnlich entspannt reagieren andere Anrainer in einer - freilich nicht repräsentativen - Straßenumfrage. Christian Huber, er wohnt in der Maxglaner Teisenberggasse, sagt, er lebe lieber neben dem Flughafen als neben der Bundesstraße. Und: "Irgendeine Art von Lärm hast du immer." Während der Bauarbeiten sei es zwei Tage etwas lauter gewesen, sonst: Alles paletti.

Auf der anderen Seite des Geländes bestätigt Gerald Kaltner, wohnhaft in der Kendlerstraße, Eders Aussage. Vibrationen seien über den Boden gekommen. "Der Keller wurde zu einer Art Resonanzraum, das war schräg", schildert Kaltner. Ansonsten falle der Fluglärm wetterabhängig unterschiedlich aus - bei schlechtem Wetter schlimmer. Er beobachte, dass vor allem Menschen, die neu in den Stadtteil ziehen, am meisten schimpfen. Das versteht Kaltner nicht: "Sie wissen doch, worauf sie sich einlassen."

Das war vor 50 Jahren schon so. "Damals haben wir gebaut, der Flughafen war schon da. Wir konnten uns ausrechnen, dass er wachsen würde", sagt Ehrentraud Zehentner aus der St.-Vitalis-Straße. Ihr ist der Flughafen in der Nachbarschaft lieber als eine weitere dicht verbaute Siedlung.

Offenbar tritt bei langjährigen Anrainern eine Art Gewöhnungseffekt ein. Besucher würden ob der tief fliegenden Boeings zwar aufmerken, man selbst störe sich aber nicht daran, auch wenn sie manchmal bedrohlich nahe kommen. Das bestätigen Menschen auf bayerischer Seite. "Wenn mir mein Mann nicht von der Flughafen-Sperre erzählt hätte, hätte ich es gar nicht bemerkt", sagt Ingrid Zeeb aus Freilassing. Leute, die sich über den Fluglärm beklagen, versteht sie nicht: "Alle wollen von Salzburg aus fliegen, aber keiner will den Lärm." Manche haben pragmatische Lösungen entwickelt. "Meine Tochter wohnt direkt in der Einflugschneise. Wenn wir auf ihrer Terrasse sitzen und ein Flieger kommt, dann hören wir halt eine Minute lang zu reden auf", sagt Petra Hogger mit einem Achselzucken. Bettina Oestreich-Grau ist Vorsitzende des Fluglärmschutzverbandes Rupertiwinkel. Sie sieht es anders, die Baustelle wird ihr fehlen. "Es war traumhaft. Man wurde in der Früh nicht aufgeweckt und konnte am Abend in Ruhe einschlafen. Da haben wir gespürt, welche Lebensqualität wir hätten, wenn es die Flieger nicht gäbe."

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