Chronik

Großglockner: Die Pasterze ist im Hitzesommer um sechs Meter geschmolzen

Nur der viele Schnee im Winter hat eine Rekordschmelze noch verhindert. Wenn es so weiter gehe, würden Besucher der Großglockner-Hochalpenstraße in zehn Jahren über einen Kilometer weit nur Schutt sehen, sagt ZAMG-Gletscherforscher Anton Neureiter.

Die Gletscher sind nach dem Hitzesommer erneut stark geschmolzen. Das gab die ZAMG am Donnerstag für Salzburg bekannt. Die Gletscher in den Hohen Tauern werden jährlich vermessen.

Die ersten Auswertungen zeigen, dass die Pasterze am Großglockner innerhalb eines Jahres im unteren Bereich rund sechs Meter an Eisdicke verloren hat. Die kleinen Gletscher am Sonnblick haben eineinhalb bis zwei Meter Eis verloren. Die Werte liegen somit im Bereich der Schmelzrekorde.

Das trockene und extrem warme Sommerhalbjahr habe dem Eis der Alpen stark zugesetzt, heißt es von der Zentralanstalt für Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

"Nur der viele Schnee im vergangenen Winter hat hier eine neue Rekordschmelze verhindert", erklärt ZAMG-Gletscherforscher Anton Neureiter. "Die Gletscher gingen mit rund 25 Prozent mehr Schnee aus dem Winter als in einem durchschnittlichen Jahr. Dadurch dauerte es länger als im Vergleich zum Vorjahr, bis die Schneedecke geschmolzen war und die Sonne das Gletschereis erreichte."

Schmelzraten in Rekordnähe

Bei den Gletschern der Sonnblickgruppe hat das Goldbergkees heuer im Mittel 1,9 Meter Eisdicke verloren, das Kleinfleißkees 1,5 Meter. Damit liegt das heurige Jahr nur knapp hinter den bisherigen größten Schmelzraten in den Jahren 2017, 2015, 2012, 2011 und 2003.

Stark geschmolzen ist heuer auch Österreichs größter Gletscher: Die Pasterze am Großglockner verlor in ihrem unteren Bereich, unterhalb des Hufeisenbruchs, innerhalb von nur einem Jahr 6,2 Meter Eisdicke. Die markante Gletscherzunge der Pasterze zerfiel auch heuer immer mehr, wie an den zahlreichen Gletscherspalten und -brüche deutlich zu erkennen ist.

Grau in grau – dieses Bild zeigt die Pasterze am Fuß des Großglockners in Heiligenblut am 27. August 2016. SN/christian Sprenger
Grau in grau – dieses Bild zeigt die Pasterze am Fuß des Großglockners in Heiligenblut am 27. August 2016.

"Der untere Bereich der Pasterze reicht bis rund 2100 Meter Seehöhe. Hier ist es mittlerweile so warm, dass der Gletscher im schuttfreien Bereich jedes Jahr rund zehn Meter an Eisdicke verliert, wie auch heuer wieder", sagt Gletscherforscher Neureiter. "Hält der Trend an, dann sehen Besucher der Großglockner-Hochalpenstraße in zehn Jahren den schuttfreien Gletscherteil bereits über einen Kilometer weiter hinten im Tal."

Im Vergleich zu anderen Gletschern in Österreich, an denen Massenbilanzmessungen durchgeführt werden, waren die Verluste in den Hohen Tauern geringer. Der Grund waren die größeren Winterschneemengen am Alpenhauptkamm.

Gletscher und Schneedeckenmonitoring

Das Gletschermonitoring der ZAMG in der Sonnblickregion und an der Pasterze ist Teil des Programms Global Cryosphere Watch der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und wird vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) gefördert. Die Ergebnisse fließen auch in internationale Netzwerke ein, wie in das World Glacier Monitoring Service.

Dachstein schmolz ebenfalls gewaltig

Bereits vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der heurige Hitzesommer auch am Dachstein für einen starken Gletscherschwund gesorgt hat. Insgesamt sind 5,2 Millionen Kubikmeter Eis abgeschmolzen, in etwa so viel wie der Jahrestrinkwasserverbrauch der Städte Wels und Steyr. Die heurige Bilanz ergab mit einem Längenverlust von rund 140 Metern und erheblichen Rückgängen der Eisdicke die drittstärkste Schmelze seit dem Messbeginn 2007.

Quelle: SN

Aufgerufen am 01.12.2020 um 03:24 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/grossglockner-die-pasterze-ist-im-hitzesommer-um-sechs-meter-geschmolzen-61621348

Winter im Nationalpark

Winter im Nationalpark

"Auch für mich sind die Touren in den Hohen Tauern immer wieder ein Erlebnis", sagt Ranger Andreas Baldinger. "Der Winter hat hier einen ganz eigenen Reiz".

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