Chronik

Gut Guggenthal: Diebstahl, Vandalismus und Verfall gefährden das Baujuwel

Nicht genug, dass Gut Guggenthal seit Jahren verfällt. Nun haben Diebe ein historisches Wappen am helllichten Tag gestohlen. Und Vandalen haben viele Graffiti hinterlassen.

Es sei eine Schande, wettert Hans Kutil, Anrainer der denkmalgeschützten Gebäude von Gut Guggenthal in Koppl. Seit zwei Jahrzehnten dokumentiert der ehemalige Chefredakteur des ORF Salzburg den Verfall der Gebäude: "Es ist ein Skandal, was mit dieser wertvollen Bausubstanz unter den Augen des Bundesdenkmalamtes passiert." Auf zig Fotos hat Kutil den erbärmlichen Zustand der Gebäude festgehalten. "Immer wieder werden auch Dinge gestohlen."

Wie jetzt bekannt wurde, haben Diebe am 31. Jänner im ehemaligen Jagdschlössl das historische Steinwappen über dem Ostportal - es stammt von Fürstbischof Franz Virgil Graf von Spaur - gestohlen. Fürsterzbischof Paris Graf Lodron hatte das Schlössl 1642 erworben und später an die Bischöfe von Chiemsee weitergegeben. Das desolate Gebäude liegt unterhalb von Gut Guggenthal direkt an der B 158. Das Wappen hat laut Kunsthistorikern einen Wert von bis zu 10.000 Euro.

Der Koppler Bgm. Rupert Reischl (ÖVP) ist empört: "Die Frechheit hat gesiegt. Es ist ein Wahnsinn, was hier passiert ist."

Die Diebe gaben sich als Bauherren aus

Markus Eberharter, einer der vier Eigentümer der Gut Guggenthal GmbH, sagt, dass der Diebstahl für ihn "extrem ärgerlich und unangenehm" sei. "Auch diese Kaltschnäuzigkeit, dass jemand am helllichten Tag kommt und sich als Bauherr ausgibt." Die Bauarbeiter vor Ort hätten den Dieben geglaubt, weil sie sehr selbstsicher aufgetreten seien. "Die beiden Männer hatten Werkzeug dabei. In nicht einmal einer Stunde haben sie das Wappen abgenommen und in ihren VW-Passat verladen." Laut Täterbeschreibung dürften es "Inländer Mitte 50 gewesen sein - mit grauen Haaren," sagt Eberharter.

Das zweite Wappen wurde bereits 2014 gestohlen

Bereits 2014 hatten Unbekannte das Wappen über dem Westportal des Schlössls herausgestemmt. Er habe schon damals in einem Schreiben an das Denkmalamt gewarnt, dass sich Täter mit einem Stemmeisen auch an dem Wappen an der Ostseite zu schaffen gemacht hätten, sagt Kutil. Geschehen sei nichts. "Die Untätigkeit des Bundesdenkmalamtes ist völlig unverständlich. Wenn es schon keine Restaurierung vorschreiben kann, so wäre es das Mindeste gewesen, eine Absicherung der Bausubstanz durch einen Bauzaun zu verlangen." Vor einigen Jahren seien beim Schlössl bereits die Lampen und eine Figur gestohlen worden. Auch ein wunderschönes Marienbild an der Fassade der Ceconi-Villa gegenüber vom einstigen Braugasthof sei gestohlen worden, sagt Kutil. Er weiß auch von verschwundenen Marmorplatten beim Gasthof zu berichten.

Landeskonservatorin Eva Hody spricht beim Wappen von "einem Unikat" und "einem herben Verlust". Sie geht von einem geplanten Diebstahl für einen Auftraggeber aus: "Aber man kann diese Dinge nicht schützen." Kutils Kritik weist sie zurück: "Mich ärgert der Diebstahl auch maßlos, so wie die Graffiti-Sprühereien und die vielen Einbrüche."

Es kommt immer wieder zu Diebstählen

Eberharter bestätigt, dass es mehrfach solche Vorfälle gegeben hat: "Ich weiß nicht mehr, was wir dagegen machen sollen." Er habe einen Bauzaun aufstellen lassen. Aber dieser sei wenig später aufgezwickt worden. "Wir haben auch die Türen und Tore verschlossen und mit einem Gitter verschraubt. Selbst das ist aufgebrochen worden." Aber viel bebe es aus dem Gutshof ohnehin nicht mehr zu stehlen: "Es ist ja nichts mehr da. Aus der Ceconi-Villa wurden vor ein, zwei Jahren sogar alte Kacheln aus einem Ofen mitgenommen."

Die Kritik, dass die Eigentümer das Baujuwel nicht schon längst revitalisiert hätten, weist Eberharter zurück. Denn das Schlössl werde seit einem Monat von einer Firma kernsaniert: "Wir richten auch ein Nebengebäude und das Dach her. Das wird bis Jahresende fertig und kostet eine halbe bis eine Million Euro." Die künftige Nutzung des Hauses mit 350 m22 Nutzfläche sei aber noch offen. Über die Details der weiteren Sanierung sagte Eberharter nur so viel: "Wohnen wird auf jeden Fall ein Thema sein. Und der Gasthof wird wahrscheinlich wieder ein Gasthof werden." Wie die "gewerbliche Beimischung" sein werde, sei aber noch offen: Denkbar seien hier Büros oder Dienstleister. "Das geplante Hotelprojekt ist aber sicher die unsicherste Geschichte." Möglich erscheint es aber weiterhin, weil jener Teil des danebenliegenden "Professorfeldes", der den vier Gutseigentümern gehört, weiter eine Hotelwidmung aufweist.

Revitalisierung kostet 50 Millionen Euro

Warum die Revitalisierung des Gesamtkomplexes noch nicht passiert sei, begründet Eberharter auch mit den Kosten von rund 50 Mill. Euro. Denn: "Da braucht man die Käufer und Mieter; die Finanzierungsstruktur und die Investoren - und auch die Behörden müssen mitspielen. Diese Mischung muss auf den Punkt zusammenpassen. " Das brauche eben seine Zeit.

Auch Landeskonservatorin Hody betont, dass es viele Parameter brauche, um das kulturelle Erbe zu sichern. Das Denkmalschutzgesetz allein sei nicht ausreichend. Gefragt sei auch die Verantwortung der Raumordnung: "Warum macht man dort auch ein Gewerbegebiet? " Auch, dass nun direkt neben dem Schlössl das Kunstdepot für das Museum der Moderne hochgezogen worden sei, helfe dem Altbau nicht - im Gegenteil. Hody: "Wir versuchen, mit den Eigentümern Lösungen zu finden. Aber ich kann nichts erzwingen. Ich habe weder eine Budget für Sicherungs- noch für Gesamtmaßnahmen. Wir sind da nur ein Begleiter bei der Erhaltung."

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Schöne Heimat

Auf der Lauer

Von Hans Ziller
13. August 2020
Immer wieder ein dankbares Motiv, die Spinnen bzw. das Spinnennetz.

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