Chronik

Hochwassersituation entspannt sich - Rußbach bleibt vom Lammertal abgeschnitten

Bis zu 150 Liter Regen pro Quadratmeter sind von Sonntag bis Montag innerhalb von 24 Stunden teilweise im Nordstau der Alpen gefallen. In der Tennengauer Gemeinde Rußbach am Paß Gschütt ist Montagfrüh Zivilschutzalarm ausgerufen worden. Starke Regenfälle hatten den Rußbach über die Ufer treten lassen. Ab Mittag sanken die Pegel wieder.

Ab etwa fünf Uhr früh war die Feuerwehr in der Tennengauer Gemeinde mit allen verfügbaren Kräften im Großeinsatz. Sowohl Richtung Abtenau als auch nach Gosau in Oberösterreich musste die Pass Gschütt Straße (B166) gesperrt werden.

"Aufgrund der Tatsache, dass somit die Gemeinde abgeschnitten ist, der Rußbach über die Ufer getreten ist und Teile des Ortes überflutet hat, haben wir um 6.20 Uhr Früh Zivilschutzalarm ausgelöst", sagte Markus Kurcz vom Katastrophenschutzreferat des Landes. Bei etwa 35 Häusern drangen Wasser und Schlamm in die Keller ein. Betroffen war unter anderem Bürgermeister Karl Huemer. Er sagte, das Wichtigste sei, dass es keine Verletzten gegeben habe. Noch schlimmere Schäden verhinderte laut dem Gebietsbauleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung Anton Pichler ein erst vor zwei Jahren fertiggestellter Hochwasserschutz.

Vormittags versuchte die Feuerwehr Abtenau über Forstwege einen Zugang von Rußbach nach Abtenau zu finden. "Es geht jetzt in erster Linie darum, Tauch- und Schlammpumpen sowie Mannschaft in den abgeschnittenen Ort zu bringen, damit wir mit den Aufräumarbeiten beginnen können", schilderte ein Mitarbeiter der Salzburger Landesfeuerwehrzentrale.

Um 9.30 Uhr wurde die Verbindung nach Gosau wieder geöffnet. Deshalb konnte um 11.30 Uhr auch der Zivilschutzalarm aufgehoben werden. Die Straße Richtung Abtenau hingegen ist an mehreren Stellen zerstört. Unter anderem wurde die Neuhausbrücke weggerissen. Es wird mehrere Tage bis Wochen dauern, ehe diese Verbindung wieder offen ist. "Wir haben glücklicherweise keine Verletzten oder Vermissten, jedoch erhebliche Schäden an der Infrastruktur", so der Tennengauer Katastrophenschutzreferent Philipp Kogler.

Eine 30-kV-Leitung, die parallel zur Bundesstraße von der Schwaighofbrücke Richtung Rußbach verläuft und deren Masten unterspült wurden, wurde abgeschaltet. Auch in Abtenau und Scheffau sind die Feuerwehren und weitere Hilfskräfte im Einsatz, um Verklausungen zu lösen und kleinräumige Überschwemmungen zu beseitigen.

Gegen Mittag war der Pegel des Rußbachs wieder um zwei Meter zurückgegangen. Auch der Pegel der Lammer begann wieder zu sinken.

Durch den starken Regen sind auch die Wasserstände der großen Flüsse in Salzburg gestiegen und haben zum Teil die Warngrenze überschritten. Die Salzach hat in Mittersill die Alarmstufe 1 erreicht. Es wurden Dämme aufgebaut und weitere Hochwasserschutzmaßnahmen gesetzt sowie die Aktivierung der Hubbrücke vorbereitet. Mehrere Gemeindestraßen waren gesperrt. Der Pegel stieg auf bis zu 4,96 Meter. Bei 5,10 Meter werden die Retentionsbecken geflutet und über das Anheben der Hubbrücke entschieden. Gegen Mittag war der Pegel bereits wieder auf 4,60 gesunken. Es gebe vorsichtige Entwarnung, sagte um 10.30 Uhr Fabian Scharler von der Feuerwehr Mittersill. "Laut den Prognosen kommt auch nicht mehr so viel Regen nach."

Im gesamten Oberpinzgau waren die Feuerwehren in Hochwasserbereitschaft versetzt worden.

Rußbach war am Montag wegen zerstörter Straßen nicht erreichbar. Im Bild die Neuhausbrücke auf der Pass Gschütt Straße (B166).  SN/apa
Rußbach war am Montag wegen zerstörter Straßen nicht erreichbar. Im Bild die Neuhausbrücke auf der Pass Gschütt Straße (B166).
Hochwasseralarm an der Salzach in Mittersill – die Situation Montag früh, 29. Juli.  SN/lmz/fabian scharler
Hochwasseralarm an der Salzach in Mittersill – die Situation Montag früh, 29. Juli.

Die stark ansteigenden Pegelstände von Bächen und Flüssen hatten auch Auswirkungen in der Landeshauptstadt. Hier gab es ein zehnjährliches Hochwasser. Um 5:38 Uhr wurde die Hochwasser-Warngrenze für die Salzach erreicht, um 6:00 Uhr wurde die Warnstufe erhöht und der Hochwasserschutz in der Stadt aufgebaut. Man rechnete zwar nicht mit einem Übertreten der Salzach, jedoch könne man das nach der derzeitigen Lage nur vermuten, hieß es in der Früh aus dem Magistrat. Sämtliche Radfahrunterführungen waren bereits in der Nacht gesperrt worden. Mittags erreichte der Pegel 7,11 Meter. Danach entspannte sich die Situation.

In Oberndorf rechnete man ebenfalls mit einem zehnjährlichen Hochwasser. Vereinzelte Straßen und Wege, darunter eine Brücke über die Salzach, wurden gesperrt. Der Höhepunkt der Hochwasserwelle erreichte Oberndorf am frühen Nachmittag.

Landesweit waren etwa 723 Einsatzkräfte von 39 Feuerwehren an 194 Stellen im Einsatz.

Murenabgang - KIeines Deutsches Eck wieder frei

In Bayern haben Polizei und Feuerwehr Montag früh die B21 zwischen dem Grenzübergang Melleck-Steinpass und Schneizlreuth in beiden Richtungen sperren müssen. Dort war eine Schlammlawine abgegangen. Nach den Aufräumungsarbeiten durch die Einsatzkräfte konnte die Straße wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Von der Salzach überflutete Felder und Straßen am Montag, 29. Juli 2019, bei der Panoramabahn bei Hollersbach im Oberpinzgau.   SN/APA/EXPA PICTURES/JFK
Von der Salzach überflutete Felder und Straßen am Montag, 29. Juli 2019, bei der Panoramabahn bei Hollersbach im Oberpinzgau.
Von der Salzach überflutete Felder und Straßen am Montag, 29. Juli 2019, bei der Panoramabahn bei Hollersbach.   SN/APA/EXPA PICTURES/JFK
Von der Salzach überflutete Felder und Straßen am Montag, 29. Juli 2019, bei der Panoramabahn bei Hollersbach.
Von der Salzach überflutete Felder und Straßen am Montag, 29. Juli 2019, bei der Panoramabahn bei Hollersbach.   SN/APA/EXPA PICTURES/JFK
Von der Salzach überflutete Felder und Straßen am Montag, 29. Juli 2019, bei der Panoramabahn bei Hollersbach.
Ein Radfahrer auf einer Brücke über der hochwasserführenden Salzach am Montag, 29. Juli 2019, bei Hollersbach.  SN/APA/EXPA PICTURES/JFK
Ein Radfahrer auf einer Brücke über der hochwasserführenden Salzach am Montag, 29. Juli 2019, bei Hollersbach.

Regierung sagte rasche finanzielle Hilfe zu, Politik dankte Helfern

Die Bundesregierung will alles tun, dass für Betroffene nach den Wetterschäden schnell entsprechende Mittel aus dem Katastrophenfonds zur Verfügung gestellt werden. Der dafür zuständige Finanzminister, Eduard Müller, meinte: "Das Wichtigste ist jetzt, dass die Infrastruktur rasch wiederaufgebaut werden kann und die privaten Haushalte von den Schlammmassen befreit werden können."

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein bedankte sich für den Einsatz aller freiwilligen Helfer und Einsatzkräfte: "Der Zusammenhalt in der Zivilgesellschaft ist vorbildlich. Der Einsatz der Hilfskräfte ist bewundernswert und ringt mir höchsten Respekt ab. Ich danke allen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen und Menschen in Not helfen. Als Bundesregierung ist es unser größtes Anliegen, alles Notwendige zu tun, um möglichst rasch und unbürokratisch Hilfe leisten zu können", sagte die Kanzlerin.

Sowohl ÖVP-Parteiobmann Sebastian Kurz als auch SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner dankten den Hunderten Feuerwehrleuten und den vielen freiwilligen Helfern.

Quelle: SN

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