Chronik

Meistermacher auf zwei Rädern

Anton Steindl ist für viele Kinder der erste Polizist, mit dem sie es in ihrem Leben zu tun bekommen. 30.000 haben mit ihm die Radprüfung abgelegt.

Ihn kennen die Schüler, Lehrer und Volksschuldirektoren. Seit 1994 ist Anton Steindl Koordinator der Verkehrsprävention. In dieser Funktion erklärt der Polizist Kindern den Schulweg und wie sie im Straßenverkehr gut über die Runden kommen.

Sein Programm startet saisonal mit Schulanfängern im Kindergarten und den Erstklasslern der 27 städtischen Volksschulen. Mit ihnen wird der Schulweg geübt. "Und sie werden sichtbar gemacht. Das ist die halbe Miete", sagt Steindl.

Im zweiten Schuljahr festigen die Kinder das Thema Schulweg und lernen, bei keinem Fremden ins Auto zu steigen. Mit den dritten Klassen werden die Vorrangregeln geübt. In die Praxis umsetzen können die Kleinen ihr Wissen im geschützten Bereich des Verkehrsgartens Stölzlpark. Zum Vertiefen der Regeln steht den jungen Besuchern dort auch ein richtiges Klassenzimmer zur Verfügung. "Den Neunjährigen sage ich dann, ihr seid jetzt Meister auf zwei Beinen. Nächstes Jahr könnt ihr noch Meister auf zwei Rädern werden."

Bis zu 200 Schüler fallen pro Jahr durch die Radfahrprüfung

Denn: Als Königsdisziplin organisieren Steindl und sein Team die Fahrradprüfung für jährlich rund 1300 Viertklassler. Rund 30.000 Schülern hat er sie während seiner Laufbahn abgenommen. Dieser Schein erlaubt ihnen dann, schon ab 10 Jahren statt ab 12 (ohne Prüfung) allein im Straßenverkehr unterwegs zu sein. Die Prozedur startet im Herbst mit einem Ausflug der Klassen zur Prüfungsstrecke in Maxglan. Dort begehen sie gemeinsam die 1,2 Kilometer lange Route im öffentlichen Verkehrsnetz. Außerdem gibt es Lehrmaterial dazu und seit zwei Jahren auch ein Lehrvideo. Trotzdem schaffen den Test jedes Frühjahr 180 bis 200 Schüler nicht. Die gute Nachricht: Sie können im Juni zur Nachprüfung antreten. (Leider war das heuer coronabedingt nicht der Fall.) Steindl sagt, das Schöne an seinem Job sei, dass er Sinn stifte und er es dabei mit jungen Leuten zu tun habe, die so (hoffentlich) einen ersten positiven Eindruck von der Polizei bekämen.

Nächsten Mai verabschiedet sich der gebürtige Waldviertler und gelernte Tischler in die Pension - zeitgleich mit seiner Frau. Dann möchte der in Lochen nahe der Salzburger Grenze lebende Mann seinen Hobbys frönen: der Jagd, dem Laufen und Mountainbiken. In nur zehn Minuten sei er mit dem Rad am Mattsee, erzählt Steindl, selbst Vater von zwei Söhnen und mittlerweile zweifacher Großvater.

Seine Funktion übergibt er in jüngere Hände. Revierinspektor Florian Fellner von der Polizeiinspektion Rathaus wird die Stelle interimsmäßig besetzen. Rund 20 Polizisten aus den diversen Dienststellen gehören aktuell Steindls Team an. Sie alle melden sich freiwillig zu den Einsätzen in den Schulen und im Verkehrsgarten. Manche auch nur vorübergehend. Steindl augenzwinkernd: "Es hat Leute gegeben, die haben gesagt, lieber patrouillieren sie am Rudolfskai, als sich dieser Meute auszusetzen."

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Aufgerufen am 17.10.2021 um 09:27 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/meistermacher-auf-zwei-raedern-93861520

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