Chronik

Militärhelikopter flog Corona-Patienten aus Frankreich nach Salzburg ein

Eine Maschine aus Frankreich landete Mittwochabend mit zwei schwer Erkrankten am Flughafen Salzburg. Dort wartete bereits das Rote Kreuz, um die Patienten mittels Infektionstransport ins Uniklinikum zu überstellen.

Ein Militärhubschrauber setzte am Mittwoch gegen 18.30 Uhr am Salzburger Flughafen auf. An Bord: Zwei schwer am Coronavirus erkrankte Patienten (67 und 77) aus dem von der Pandemie massiv betroffenen Elsass.

Rund zehn in Ganzkörperanzüge gehüllte Personen waren an der Übernahme beteiligt, darunter zwei Notfall- und vier Rettungssanitäter des Roten Kreuzes sowie zwei Notärzte. Bei Flughafen-Sprecher Alexander Klaus weckte die Szenerie Erinnerungen an die Brandkatastrophe in Kaprun 2000, als die Beteiligten wegen der Hygienevorschriften ähnlich gekleidet gewesen seien. "Allerdings nicht in diesem Ausmaß."

Die intubierten Patienten wurden direkt am Rollfeld in die beiden bereitgestellten Rettungswagen des Roten Kreuzes umgeladen und ins Covid-Haus ins Uniklinikum gebracht. Eine weitere, kleinere Maschine Baden-Baden landete um 19.58 Uhr direkt auf dem Areal des Uniklinikums mit einem 68-jährigen Patienten.

In der französischen Region sind die Spitäler aufgrund der vielen Krankheitsfälle überlastet. "Angesichts der großen Dramatik der Situation ist dies nur ein kleiner Beitrag, aber es ist symbolisch wichtig, dass wir uns in Europa unterstützen", hieß es am Dienstagabend in einer Stellungnahme von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Der Überstellung ging eine Anfrage der französischen Botschaft voraus, heißt es aus dem Bundeskanzleramt.

Es sei explizit der Standort Salzburg angefragt worden, weil er für einen Hubschrauberanflug geografisch und topografisch am besten geeignet sei. Die drei Intensivpatienten kommen demnach aus der Region Grand Est, zu der das Elsass gehört. Patienten aus den vollen Spitälern seien bereits in die Schweiz, nach Deutschland und Luxemburg überstellt worden. "Natürlich macht man das nur, wenn es genügend Kapazitäten gibt." Und das sei auch der Fall, bestätigt LH-Stv. Christian Stöckl. Salzburg sei im Bundesländervergleich "bei den Zahlen sehr weit an der Spitze". Tatsächlich waren in Salzburg laut Daten des Gesundheitsministeriums (Stand Freitag) noch mehr als 80 Prozent der Beatmungsgeräte frei - österreichweit waren es durchschnittlich 35 Prozent. Von den 127 Intensivbetten im Covid-Haus waren am Mittwoch zehn belegt gewesen. "Es kann keine dauerhafte Strategie in Europa sein, sich abzugrenzen", sagte Primar Richard Greil, Leiter des medizinischen Krisenstabs. Er bezeichnete die Überstellung der Patienten auf dem Luftweg als "richtig und sinnvoll".

Unterdessen werden Stimmen lauter, dass es dem medizinischen Personal im Covid-Haus an Schutzausrüstung fehlen soll - und Ärzte Coronapatienten mitunter mit gewöhnlichen OP-Masken versorgen müssten, die eher dem Fremd- als dem Selbstschutz dienten.

Greil bestätigt zwar die angespannte Lage bei der Beschaffung der Ausrüstung, betont aber: "Das ist eine Frage, welche medizinische Leistung erbracht werden muss." So benötige Personal keine FFP3-Masken (höchster Schutzstandard), das durch eine Plexiglasscheibe geschützt sei und Patienten aufnehme, da es "keine Exposition" habe. Sehr wohl sei der höchste Schutz für jene Bereiche vorgesehen, in denen zum Beispiel für die Beatmung intubiert werden müsste. Die Ausstattung mit Schutzmaterial "entspricht internationalen Standards".

Aufgerufen am 28.10.2020 um 01:25 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/militaerhelikopter-flog-corona-patienten-aus-frankreich-nach-salzburg-ein-85693519

Kommentare

Schlagzeilen