Chronik

Obus-Misere in Salzburg: 60 Jahre altes Fahrzeug muss einspringen

Weil derzeit zu viele Busse wegen Rostschäden nicht verwendet werden können, greift die Salzburg AG auf Fahrzeuge aus dem Museum zurück. Mittlerweile dreht ein Obus aus dem Jahr 1957 seine Runden durch die Stadt - die SN stiegen zu.

Baujahr 1957: Der Bus sorgte am Dienstagvormittag für staunende Gesichter und viel Gelächter. SN/thomas sendlhofer
Baujahr 1957: Der Bus sorgte am Dienstagvormittag für staunende Gesichter und viel Gelächter.

"Ich muss dann noch ein Foto machen, weil das glaubt mir keiner. Das ist das Älteste, was die Salzburg AG zu bieten hat", meinte ein Fahrgast, der am Dienstagvormittag aus dem Staunen kaum herauskam. Die Fahrgäste mussten schon genau hinsehen, um zu erkennen, dass der Obus mit der Aufschrift "Sonderfahrt" tatsächlich im Linienbetrieb zwischen Parsch und Itzling West unterwegs war. "Das gibt's ja nicht", sagte eine Zugestiegene zum Busfahrer, die gar von einer "Geisterbahn" sprach. Entgeistert blickte jedenfalls so mancher Passant auf der Straße, als der Bus vorbeifuhr.

Der Altersunterschied ist unübersehbar. SN/thomas sendlhofer
Der Altersunterschied ist unübersehbar.

Seit 70er Jahren im Museum

"Ein Oldtimer", stellte eine Frau fest, die ihren Augen kaum traute und laut lachte, als der Bus bei der Haltestelle vorfuhr. "Das ist einmal etwas anderes", meinte eine Passagierin.

Eine treffende Beschreibung: Der Fahrer muss die Haltestellen selbst durchsagen, die Sitze sind aus Holz, die Türen öffnen und schließen recht ruppig im Vergleich zu den neueren Bussen. Auch die Geräuschkulisse ist ungewohnt. Immer wieder zischte es am Dienstagvormittag zudem aus einem undichten Ventil.

"Das ist nichts Gefährliches, nur Druckluft, keine Angst", beruhigte der Lenker so manch besorgten Fahrgast. Das Ventil sei eben "heute ein bisschen unruhig". Schon seit den 1970er Jahren soll das Gefährt ein Fall fürs Museum sein.

Manuelle Durchsagen, Sitze aus Holz, ungewohnte Geräuschkulisse: Der Bus soll bereits seit den 1970er-Jahren ein Museumsstück sein. SN/thomas sendlhofer
Manuelle Durchsagen, Sitze aus Holz, ungewohnte Geräuschkulisse: Der Bus soll bereits seit den 1970er-Jahren ein Museumsstück sein.

Fahrer sorgte für gute Laune

Die Fahrgäste nahmen es durchgehend mit Humor. Dazu trug auch der Busfahrer bei, der seine Passagiere bei Laune hielt. "Ist Ihnen eh nichts passiert", rief er etwa einer Frau hinterher, die mit ihrer Handtasche kurz in der Tür stecken geblieben war. Für jene, die laut über das Alter des Fahrzeugs rätselten, hatte er eine Antwort parat: "Weil ich gerade einen Herren gehört habe: Baujahr 1957, zu mieten für Hochzeiten, Scheidungen und Geburtstage. Und heute dürfen's gratis mitfahren."

Salzburg AG dementiert

Am späten Vormittag war der Bus nicht mehr auf der Strecke anzutreffen. Er sei nur zur Verstärkung im Frühverkehr eingesetzt worden, teilte ein Mitarbeiter der Salzburg AG auf SN-Anfrage mit. Die Unternehmenssprecherin dementierte das am Nachmittag. Der Bus sei im Vorfeld der "Langen Nacht der Museen" im Rahmen einer "Einstellungsfahrt" unterwegs gewesen, Fahrgäste habe der Bus mitgenommen "im guten Glauben zu unterstützen". Generell würden die Obusse bei Ein- und Aussetzfahrten "immer zusätzlich im Personenverkehr verwendet".

Viele positive Reaktionen

Für die Passagiere war das nebensächlich. Auch die Reaktionen im Internet waren fast durchwegs positiv. Viele SN-Leser und -leserinnen kommentierten die Museumsfahrt begeistert auf Facebook, hier nur auszugsweise: "Gibt's irgendeinen Fahrplan für diesen schicken Oldtimer? Da würde ich wahnsinnig gerne mitfahren"; "sehr cooles Teil", "schön ist er" und "ob die Preise für die Bustickets von damals wieder kommen? ;)".

Zu sehen bei "Langer Nacht der Museen"

Der Obus 123 gehört nicht der Salzburg AG. Das teilte Jan Roider vom Verein "Pro Obus" mit. Der Bus sei eine Dauerleihgabe eines englischen Sammlers an den Verein, der vier "Oldies" betreue. Für alle Oldtimer-Fans gibt er den Tipp: Der Bus ist am 6. Oktober bei der Langen Nacht der Museen am Kapitelplatz zu bestaunen.



Quelle: SN

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