Chronik

Rettungsaktion geglückt: Polnische Forscher aus Lamprechtshöhle befreit, alle drei wohlauf

Spezialtaucher sind am späten Freitagnachmittag zu den drei Männern vorgedrungen. Am Abend gelang es ihnen, die Höhlenforscher zu befreien. Sie waren seit Donnerstagabend in der Höhle eingeschlossen. Es geht ihnen gut, sie waren nach der Rettung aber unterkühlt.

Nach stundenlangem Warten gab es am Freitagabend doch noch ein Happy End. Drei junge Forscher waren seit Donnerstagabend im vorderen Teil der insgesamt 50-Kilometer langen Lamprechtshöhle in St. Martin bei Lofer eingeschlossen. Mehr als 24 Stunden später, kurz vor 19 Uhr, erreichte die Einsatzleitung der Höhlenrettung via Funk die frohe Botschaft: Den Einsatzkräften war es gelungen, die drei Polen unverletzt in den sicheren Bereich der Höhle zu bringen. Kurz nach der Rettungsaktion waren sie zwar unterkühlt, aber wohlauf.

Die Höhlenretter kommen zurück: Mit ihnen die drei Polen  SN/boschner
Die Höhlenretter kommen zurück: Mit ihnen die drei Polen
Zwei der drei polnischen Forscher nachdem sie gerettet wurden.  SN/boschner
Zwei der drei polnischen Forscher nachdem sie gerettet wurden.
Der Einsatz ist vorbei.  SN/boschner
Der Einsatz ist vorbei.
Happy End am Freitagabend in St. Martin bei Lofer: Die drei polnischen Höhlenforscher (im Bild mit den schwarzen T-Shirts), Katastrophenreferent des Landes, Manfred Pongruber (links) und Einsatzleiter der Höhlenrettung Gernot Salzmann.  SN/land salzburg/hutter
Happy End am Freitagabend in St. Martin bei Lofer: Die drei polnischen Höhlenforscher (im Bild mit den schwarzen T-Shirts), Katastrophenreferent des Landes, Manfred Pongruber (links) und Einsatzleiter der Höhlenrettung Gernot Salzmann.

Forscher hätten steigenden Wasserstand erst nicht bemerkt

Zwei von ihnen, der 35-jährige Jacek Szczygiel und der 37-jährige Mateusz Golic, stellten sich nach kurzem Aufwärmen den Fragen der Medien, die die Rettungsaktion den Tag über, vom Eingang der Höhle aus, verfolgten.

"Wir haben den steigenden Wasserstand erst nicht bemerkt", sagt Szczygiel. Sein Kollege ergänzt: "Erst 30 Minuten vor dem Höhlenausgang haben wir gestern Abend gesehen, dass wir nicht mehr weiterkommen. Zuvor haben wir schon darüber nachgedacht, welche Pizza wir am Abend essen wollen." Eigentlich hätten sie die Höhle gegen 19 Uhr, spätestens jedoch in der Nacht, verlassen wollen. Doch daraus wurde bekanntlich nichts. Die drei polnischen Höhlenforscher saßen fest. Ein Siphon - eine tiefe Senke, die mit Wasser gefüllt ist - versperrte den Rückweg. Der Wasserstand war aufgrund des ungewohnt vielen Schmelzwassers für diese Jahreszeit überraschend schnell gestiegen und in das Gangsystem eingedrungen, erklärt Einsatzleiter Gernot Salzmann.

Die Höhlenretter dringen bis zum Siphon vor. SN/höhlenrettung
Die Höhlenretter dringen bis zum Siphon vor.

18 Höhlenretter waren im Einsatz

Am Donnerstagabend wurde deshalb eine Rettungsaktion in Gang gesetzt. Von den 18 Höhlenrettern, die im Einsatz waren, erkundete am Nachmittag immer wieder eine kleine Gruppe aus zwei oder drei Personen die Höhle. Sie waren es auch, die am frühen Nachmittag die ersten positiven Nachrichten überbrachten: Der Wasserstand war seit Mittag ständig gesunken, eine erste Funkverbindung in den Bereich vor dem Siphon konnte aufgebaut werden.

Polizei, Rettung, Feuerwehr, Höhlenrettung und Bezirksbehörden befinden sich am Einsatzort.   SN/Robert Ratzer
Polizei, Rettung, Feuerwehr, Höhlenrettung und Bezirksbehörden befinden sich am Einsatzort.
Polizei, Rettung, Feuerwehr, Höhlenrettung und Bezirksbehörden befinden sich am Einsatzort.   SN/Robert Ratzer
Polizei, Rettung, Feuerwehr, Höhlenrettung und Bezirksbehörden befinden sich am Einsatzort.

Doch um mit den drei eingeschlossenen Forschern in Kontakt zu treten, reichte das nicht aus. Dafür mussten Spezialtaucher angefordert werden, die aus Niederösterreich und Kärnten anreisten. Einem von ihnen gelang es am Nachmittag, den ersten Kontakt mit den Polen herzustellen, nachdem der Wasserstand in der Höhle innerhalb von Stunden um zwei Meter gesunken war. Geologe Wolfgang Gadermayr war Teil der Gruppe aus Höhlenrettern, die an der Rettung beteiligt war. "Der Taucher hat auf der anderen Seite des Siphons einen Zettel vorgefunden, auf dem die Forscher eine Nachricht mit ihrem Aufenthaltsort in der Höhle hinterlassen haben." Das sei in so einem Fall die richtige Vorgehensweise. Anschließend sei der Taucher weiter in die Höhle vorgedrungen - etwa 50 Meter - bis er auf die Forscher traf. "Der Mann hat sie mit Verpflegung, Schlafsäcken, Wärmewesten und Tee versorgt. Das ist in so einem Fall das Wichtigste", sagt Gadermayr.

Die Retter auf dem Weg in die Höhle. Vorne im Bild: Geologe und Höhlenretter Wolfgang Gadermayr. SN/Robert Ratzer
Die Retter auf dem Weg in die Höhle. Vorne im Bild: Geologe und Höhlenretter Wolfgang Gadermayr.

Forscher von der schnellen Rettungsaktion überrascht

Die drei polnischen Forscher sagten, sie hätten ihren Ohren kaum glauben können, als sie die Rufe der sich nähernden Höhlenretter wahrgenommen haben. Jacek Szczygiel: "Wir waren so überrascht, dass schon so bald Hilfe kam. Wir haben damit gerechnet, dass wir mindestens bis Sonntag in der Höhle bleiben werden." Die Polen hätten bereits ihren restlichen Proviant - ein paar Würstel - in Portionen aufgeteilt. Doch aufgrund des weiter sinkenden Wasserstands konnten sie die Höhle in Begleitung der Höhlenretter bereits am Freitagabend verlassen. Sie hatten sich entschieden, eine Strecke von eineinhalb Metern zu tauchen, um auf die andere Seite des Siphons zu gelangen.

Das Medieninteresse war enorm. SN/Robert Ratzer
Das Medieninteresse war enorm.

Enge Freundschaft zwischen österreichischen und polnischen Höhlenforschern

Szczygiel und sein Kollege sagten, sie seien noch nie in eine derartige Notsituation geraten. "Wir sind aber bereits seit 18 Jahren zusammen in Höhlen unterwegs und wissen, wie wir handeln müssen." Sie betonen, wie wichtig es sei, immer die volle Notausrüstung mit sich zu führen, auch wenn man nicht davon ausgeht, sie verwenden zu müssen. "Wir hatten zum Glück auch dieses Mal alles dabei, wie einen Kocher und Rettungsdecken." Eines bereuen Szczygiel und Golic dennoch: "Wir haben uns den Wetterbericht nicht ausführlich genug angesehen, das werden wir beim nächsten Mal definitiv anders machen."

Die Forscher kennen die Lamprechtshöhle in St. Martin bei Lofer sehr gut, sagt ihr Salzburger Kollege, der Geologe Wolfgang Gadermayr. "Seit 1975 kommt immer wieder eine Gruppe aus Krakau in die Lamprechtshöhle, daraus hat sich mittlerweile eine intensive Freundschaft entwickelt."

Dass es sich bei den drei Forschern um Vollprofis handle, weiß auch Milosch Dryjanski. Der Höhlenretter ist Forscherkollege der drei Polen und setzte am Donnerstagabend die Rettungskette in Gang. "Als der Wasserstand gestiegen ist, wollte ich ihnen ein Verpflegungspaket hineinbringen." Gleichzeitig sollen die drei anderen Forscher versucht haben, auf die andere Seite des Siphons in die Nähe des Höhleneingangs zu gelangen. Doch beides war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich.


Karte der Höhle. SN/boschner
Karte der Höhle.

Lamprechtshöhle: Nicht das erste Mal Höhlrenretter eingeschlossen

In der Lamprechtshöhle waren am Freitag nicht zum ersten Mal Menschen eingeschlossen. Wie es sich anfühlt, in dieser festzusitzen, weiß auch Höhlenretterin Cornelia Feichtner. Angst habe sie keine gehabt, als sie das Wasser vor etwa zweieinhalb Jahren in der Höhle einsperrte. "Ich war mit etwa zehn Höhlenrettern unterwegs. Das war eine gute Übung, weil wir jetzt wissen, dass wir als Team funktionieren", sagt Feichtner heute.

Bild: SN/Robert Ratzer
„Vor zweieinhalb Jahren bin ich auch einmal in der Lamprechtshöhle festgesessen.“
Cornelia Feichtner, Höhlenretterin

Höhlenretter und Forscher haben den Wasserstand immer im Blick. Dennoch komme es vor, dass dieser schneller als erwartet steige, sagt auch Höhlenretter Johannes Lassacher, der am Freitag beim Rettungseinsatz in der Lamprechtshöhle dabei war. "Das passiert, ist aber nie ein schönes Gefühl. Das Wasser ist der größte Feind in der Höhle."

Bild: SN/Robert Ratzer
„Das Wasser ist der größte Feind in der Höhle.“
Johannes Lassacher, Höhlenretter

Das musste auch der Geologe und Höhlenforscher Georg Zagler aus Salzburg erleben. Er war am Freitag zwar nicht im Einsatz, jedoch einer von 60 Salzburger Höhlenrettern in Alarmbereitschaft. 18 Stunden saß er einmal in einer Salzburger Höhle fest. Wie er die Situation erlebt hat? "Man kann nichts anderes tun, als zu versuchen, warm zu bleiben. Wir haben uns damals wie eine Kuhherde zusammengekuschelt." Wichtig sei, in so einer Situation möglich nicht ins Nasse zu gehen. "Und man sollte auch nicht nur dahindösen."

Bereits 2013 und 2016 waren Personen in der Höhle eingeschlossen

Am 28. August 2013 setzte starker Regen am Vormittag den Ausgang des Naturwunders vollkommen unter Wasser. Eine Gruppe - zufällig zusammengewürfelte Familien und Einzelpersonen - kam nicht mehr rechtzeitig ins Freie und musste stundenlang im Höhleninneren ausharren. Am Nachmittag ging das Wasser glücklicherweise zurück, die 26 Eingeschlossenen konnten unverletzt geborgen werden.

>>>Hier klicken: Die Rettung der Personen im Jahr 2013 im Video<<<

Am 5. August 2016 wurden nach starken Regenfällen sieben Menschen - darunter zwei Kinder - in der Lamprechtshöhle eingeschlossen. In den frühen Abendstunden konnten alle sieben von Helfern der Wasserrettung geborgen werden. Die Kinder wurden durch das Wasser beim Ausgang getragen, die Erwachsenen passierten das zu diesem Zeitpunkt nur mehr knapp knietiefe Wasser selbst.

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