Chronik

Schlossherrin verlässt ihr zweites Zuhause

Das Schlosscafé ohne Roswitha Maislinger? Ende Dezember kehrt die Betreiberin nach 17 Jahren ihrem Schloss den Rücken. Sie geht in Pension.

Sie war immer bei den Leuten. Mitten im Geschehen, im Service. Der blonde sympathische "Wirbelwind" war nonstop da, hatte trotz Stress ein offenes Ohr für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für die Wünsche ihrer Gäste. Bald wird sie die altehrwürdigen Gemäuer des Schlosses Mattsee nur noch "privat" betreten, zumindest ein Mal im Monat zum Schlosscafé-Stammtisch.

Roswitha Maislinger aus Natternbach (OÖ) war schon immer im Gastgewerbe, besonders die Kaffeehaus-Luft hat es ihr angetan. So absolvierte sie ihre Lehre in der Konditorei Haslberger in Grieskirchen, ging dann mit 16 Jahren auf Saison ins Café Neuhofer nach Mattsee. Und hier passierte es, "ich bin hängen geblieben", sagt sie.

Die Kaffeehaus-Luft war schon immer das ihre

Grund dafür war die Liebe, sie lernte ihren Mann Norbert Maislinger kennen. Mit ihm hat sie zwei Töchter und mittlerweile zwei Enkelkinder. Schon bald machte Roswitha Maislinger ihre Konzessionsprüfung, wollte sich selbstständig machen. "Daraus ist vorerst nichts geworden."

Lehrreiche Jahre im Café Fingerlos, Café Klassik, Strasserwirt und Café Bazar

So verbrachte sie fünf "sehr lehrreiche Jahre" im Café Fingerlos, drei Jahre im Café Klassik, eine Saison beim Strasserwirt in Leopoldskron und dann - nur kurz - im Café Bazar. Denn kurz davor hat sie sich fürs Schlosscafé Mattsee beworben. Siehe da, es dauerte nicht lange, und sie war die Pächterin des Schlosses Mattsee. Dieses wurde von einer Ruine in fünf Jahren Bauzeit zu einem Juwel, zuerst an die "Genussakademie" verpachtet. Dieser Vertrag währte nicht lange, nach einem Jahr war das Schloss "frei" und binnen 14 Tagen zu haben. Und da schlug Roswitha Maislinger zu.

Im Sommer 2003 übernahm sie das Schloss Mattsee

Das war im Sommer 2003. Erst als Familienbetrieb begonnen, "habe ich bald gesehen, dass das nur mit der Familie nicht geht". Mit Seminaren, pro Jahr etwa hundert Trauungen, Hochzeitsfeiern, Taufen, Geburtstagen, Ausstellungen und dem Diabelli-Sommer waren bei Vollbetrieb im Sommer 22 Leute bei ihr beschäftigt. Ihr erstes Projekt war, dem Frühstücken großes Augenmerk zu schenken. "Jedes Jahr kam eines dazu, das, das weniger gegangen ist, haben wir rausgenommen", sagt sie. Ihre Lieblingsfrühstücke sind das "Mediterrane" und das "Kleine Feine".

Bis zu 180 À-la-carte- Frühstücke am Wochenende

Am Wochenende verströmte der Duft von Illy-Kaffee in den Gewölben, im Wintergarten und auf der Terrasse ein wohliges Gefühl von Wärme. Den Tag mit einem Frühstück im Schlosscafé zu beginnen, war etwas Besonderes. Das wussten Gäste aus der Gemeinde, der Region, bis Zell/See und Innsbruck zu schätzen. Schwägerin Heidi Maislinger hat diese immer "mit Liebe gemacht". Eierspeis mit Speck, das war das schnelle Frühstück für die Chefin, die zwar in der Früh nicht die Erste, dafür abends immer die Letzte im Schloss war. "Und eine halbe Stunde später einen Cappuccino, das wussten meine Mitarbeiter schon."

Langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 13 Lehrlinge

13 Lehrlinge hat sie ausgebildet und stolz ist sie auch darauf, dass sie in all den Jahren nie inseriert hat, "die Mitarbeiter sind immer alle von selbst gekommen". Mehr noch. "Alle, die hier arbeiteten, waren immer auch privat Gäste im Café. Wir waren immer eine große Familie." Zu dieser gehörten auch Koch Eduard Haigerer aus Mattsee sowie die Putzfee Rosi Lindner. Und zum Saisonabschluss im September gab's immer eine große Feier.

Mit den Stammgästen hat die offene Frau viele Freundschaften geschlossen. "Hier im Schloss zu arbeiten, war immer etwas Besonderes. Es ist von der frühmorgens bis zum Abend sonnig. Der Mattsee war mein Kraftplatz, das Schloss mein zweites Zuhause." Apropos: Auch die Familie - besonders ihr Mann Norbert Maislinger - hat sie tatkräftig unterstützt. "Ohne ihn hätte ich es nicht geschafft."

Ein paar Hoppalas in 17 Jahren sind verkraftbar

Besonders gern war die "ständig erreichbare" Powerfrau im Wintergarten. Im Sommer genoss sie zwischendurch auf der Terrasse am Tisch Nr. 31 ihren Espresso.

Natürlich gab es in 17 Jahren auch Hoppalas. Nicht viele. Doch manchmal passierte es, dass ein Gast anstatt des bestellten Eiskaffees ein Balsamicodressing serviert bekam - weil von ähnlicher Farbe und in gleichen Krügen vorbereitet. Halb so schlimm! Mit einem Gläschen "Patriarca"-Prosecco der Vinothek "Di Barone" war der Ärger bald vergessen.

Auf regionale Lebensmittel hat die Schlosswirtin nicht nur fürs Frühstück, sondern auch bei den Hauptspeisen viel Wert gelegt. Für Qualität war sie bekannt. Und dafür, dass sie immer da war, "vom ersten bis zum letzten Tag".

Schon lange hat die Gastwirtin ihren Pensions-Fokus auf Ende 2020 gelegt. "Dass Corona die Saison so abrupt beendet, das tut weh." Gerne würde sie ihre letzten zwei Wochen bis 20. Dezember - ab 1. 1. 2021 übernimmt David Höfer - noch öffnen. Erst dann kann sie loslassen, sich auf Freizeit einlassen, die sie beim Wandern, Golfen, Skifahren, Mountainbiken, auf Reisen und mit ihrer Familie verbringen wird. Und nach 17 Jahren ohne freies Wochenende möchte Roswitha Maislinger auch einmal "nur so in den Tag hineinleben".

Aufgerufen am 23.01.2021 um 11:03 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/schlossherrin-verlaesst-ihr-zweites-zuhause-96457840

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