Aufarbeitung eines geschichtlichen Tabus

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Standpunkt Maria Riedler

Es ist eine spannende Geschichte, die Philippe Sands erzählt, fast wie ein Krimi. Vor allem, wenn sie einem - geografisch - so unglaublich nahekommt.

Doch sie ist zugleich verstörend, denn sie ist kein Krimi, sondern ein Stück Geschichte. Über langjähriges Schweigen in Österreich. Selbst jetzt wird Erinnerungskultur oft nur in Kranzniederlegungen gelebt. Eine Stummheit, die nicht nur Nachkommen der Nazis krank machte, sondern auch die Opfer betraf. So erzählte Sands, dass auch seine Eltern niemals über Österreich oder Deutschland sprachen. Umso berührender ist die respektvolle Verbindung von Philippe Sands mit Horst Wächter und die Versöhnung mit Enkelin Friderica Magdalena Wächter-Stanfel. Sie konvertierte übrigens zum Islam - eine Art von innerlicher Flucht, wie sie in Radstadt eindrucksvoll schilderte. Bewegend, wie Philippe Sands zum Schweigen seiner Eltern sprach, die ihre Angehörigen durch den NS-Völkermord verloren hatten. Über Länder wie Österreich oder Deutschland durfte in seiner Familie nicht gesprochen werden: "Als ich das erste Mal nach Österreich kam, war es für mich noch schwierig. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass sich vieles verändert hat, und ich fühle mich hier immer besser angekommen", so Sands. Eine Stimme aus dem Publikum: "In den 70er-Jahren trafen sich in Radstadt noch regelmäßig ehemalige Nationalsozialisten. Man kann Elisabeth Schneider nur zu dieser Veranstaltung gratulieren und danken."


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Aufgerufen am 17.05.2022 um 02:13 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/standpunkt-aufarbeitung-eines-geschichtlichen-tabus-115667980

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