Chronik

Warum sich das Reisen mit dem Zug lohnt

Seit zehn Jahren schreibt Gerhard Liebenberger auf seinem Blog von seinen Zugreisen. Wie er davon leben kann - und wohin die nächste Fahrt geht.

Gerhard Liebenberger in Ecuador.  SN/privat
Gerhard Liebenberger in Ecuador.

In den ersten Beiträgen auf seinem Blog "andersreisen" fehlen die ä, die ü und die ö. Denn Gerhard Liebenberger hat sie 2009 in Internetcafés auf internationalen Tastaturen geschrieben, wann immer er die Abteile der Transsibirischen Eisenbahn verlassen hat. Die Reise von Salzburg bis nach Peking war die erste, die der heute 41-Jährige mit dem Zug angetreten ist. Damals hatte er noch eine fixe Anstellung als City Manager in Seekirchen am Wallersee. Er hat nur geschrieben, um Freunde, Verwandte, Kollegen auf dem Laufenden zu halten. "Ich war ganz perplex, dass auch viele Leute mitlasen, die ich gar nicht kannte."

Wenige Monate später kündigte er seinen Job, das Reisefieber hatte ihn gepackt und ließ ihn nicht mehr los. Fernweh ist seither sein Begleiter: Vier bis sechs Monate im Jahr ist Liebenberger unterwegs - meist auf Schienen. "Das Reisen an Land begeistert mich. Es geht aber auch darum, dort auszusteigen, wo Abenteuer sind." Wer mit dem Zug unterwegs sei, müsse sich mit den Ländern beschäftigen. Wie bekommt man Tickets, wer sitzt neben einem? "Die Veränderung geht langsamer. Es ist nicht wie bei einem Flugzeug, in das man steigt - und zwei Stunden später ist alles anders."

60.000 Nutzer pro Monat klicken den Blog von Liebenberger an, sein Leben finanziert er durch Werbung auf der Website. Zudem hält er Vorträge über seine Reisen, etwa am Samstag während des SN-Leserreisetags. Reisen mit dem Zug sei ein Trend, sagt der 41-Jährige. "Es wird plötzlich auch bei anderen Bloggern Thema. Menschen, die es vorher nicht mal mit der Bahn nach Seekirchen geschafft haben, fahren nun mit dem Nachtzug nach Lissabon." Für ihn selbst sei die Nachhaltigkeit des Reisens wichtig, im Vordergrund stehe aber das Erleben. Zuletzt hat er etwa einen Beitrag zum Salzkammergut geschrieben, oder über das Wandern in Südtirol. "Dort kommt man mit der Bahn gut hin."

Das größte Abenteuer in den zehn Jahren Reiseblog? "Bahn fahren in Indien ist das Abenteuerlichste, das man sich vorstellen kann." Vor allem wenn die Tickets der ersten Klasse bereits ausgebucht seien. "Einmal bin ich drei Stunden auf einem Bein gestanden. Das Abteil war so dermaßen voll, dass ich den zweien Fuß nicht abstellen konnte." Die nächste Reise plane er nach Laos, Thailand und Vietnam. Zum vietnamesischen Neujahr wird Liebenberger in Saigon sein: "Die Straßen sind dann voll mit Blumen, die Leute ganz wuselig für die Vorbereitungen." In jedem Haus werde ein Tisch für die Geister vorbereitet. Zehn Speisen, Räucherstäbchen und Schnaps. Zuletzt hat der Salzburger das Fest 2013 miterlebt. "Es ist spannend zu sehen, was sich in den Ländern verändert hat."

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