Chronik

"Wegen" oder "mit" Covid im Spital: Bald wird unterschieden

Mit der Omikron-Welle werden viele coronapositive Patienten erwartet, die aus anderen Gründen im Spital sind. Bisher gab es Unschärfen.

Symbolbild. SN/APA/BARBARA GINDL
Symbolbild.

In Salzburg wird der erste Patient, der sich mit der Omikron-Variante des Coronavirus infiziert hat, auf einer Intensivstation behandelt. Es handle sich um einen 69-jährigen Mann, der nicht mit einer Impfung gegen einen schweren Krankheitsverlauf geschützt war, sagt Uta Hoppe vom Salzburger Uniklinikum. "Noch ist es nicht so, dass man sagen kann, man könne diese Krankheit so einfach durchlaufen lassen", sagt die Medizinerin.

Klar ist aber auch, dass die nun dominante Variante deutlich weniger schwere Verläufe hervorruft, gleichzeitig aber vielfach ansteckender ist. Auf diese neue Situation müssen sich die Krankenhäuser nun einstellen.

Daten aus anderen Ländern zeigen nämlich, dass sehr bald viele coronapositive Patienten in die Spitäler kommen werden, die eigentlich mit anderen Diagnosen eingeliefert worden waren.

"Covid wird als Begleiterkrankung auftreten"

Bisher seien das nur einzelne Patienten gewesen, die dann auch großteils auf den Covidstationen behandelt wurden, um sie besser isolieren zu können, sagt Hoppe. "Die wurden dann auch offiziell als Coronapatienten geführt." Die Statistik habe das wegen der geringen Zahl nicht wesentlich verfälscht.

Mit Omikron wird sich das ändern. Rund die Hälfte der coronapositiven Patienten könnte bald eigentlich wegen anderer Diagnosen im Spital sein, sagt Hoppe. "Covid wird als Begleiterkrankung auftreten, teilweise als Zufallsbefund. In einzelnen Spitälern lag die Zahl sogar bei 60 Prozent." Das mache es notwendig, diese Patienten auch gesondert zu erfassen und diese Zahlen auch an den Covideinsatzstab weiterzuleiten. "Das ist wichtig, um die richtigen gesellschaftspolitischen Entscheidungen zu treffen", sagt Hoppe.

Künftig würden Patienten mit Covid als Begleiterkrankung im LKH auch nicht mehr in den Covidstationen, sondern auf den Spezialkliniken versorgt werden. "Wir haben ja in den vergangenen knapp zwei Jahren einen großen Teil unseres Personals entsprechend geschult, deshalb wird es überall Möglichkeiten geben, diese auch zu isolieren."

Umsetzung in zwei bis drei Wochen erwartet

In den anderen öffentlichen Spitälern wird künftig ebenfalls zwischen "mit" und "wegen" Covid unterschieden. Im Krankenhaus Schwarzach habe man mit dem Jahreswechsel bereits einzelne Patienten gehabt, die etwa nach Skiunfällen behandelt wurden und dann bei dem standardmäßigen Coronatest im Spital positiv waren. Diese seien noch als Coronapatienten gezählt worden. Künftig soll sich das ändern, man warte noch auf entsprechende Vorgaben vom Covidkrisenstab.

Auch im Tauernklinikum habe man bereits erste Patienten nach Skiunfällen behandelt, die coronapositiv waren, sagt der ärztliche Leiter Rudolf Pointner. Ab sofort würde dort unterschieden, ob jemand "mit" oder "wegen" Corona im Spital sei. Bisher sei das nicht notwendig gewesen, sagt Pointner. "Bei den einzelnen Patienten, die coronapositiv wegen einer anderen Krankheit zu uns gekommen sind, ist die Erkrankung dann dominant geworden, sodass es dann meist echte Coronapatienten waren. Da war es dann so: Schafft er Corona, dann schafft er die andere Krankheit auch. Jetzt wird das anders."

Einheitliche Lösung erwünscht

Vonseiten des Landes heißt es, dass man das Thema in den Krisenstäben bearbeite. Wichtig sei dabei eine bundesweit einheitliche Lösung, um die Zahlen auch transparent darstellen zu können. Man rechne mit einer Umsetzung in zwei bis drei Wochen.

Am Donnerstag wurden in Salzburg 2237 neue Coronafälle registriert. Mit einem Höhepunkt der Coronawelle bei den Infizierten rechnet die Landesstatistik mit Ende Jänner bzw. Anfang Februar. Bis dahin könnten 35.000 Salzburger gleichzeitig mit dem Coronavirus infiziert sein. Auch in den Spitälern steigen die Coronazahlen bereits. 73 Personen wurden "mit" oder "wegen" Corona im Spital behandelt.

Aufgerufen am 16.05.2022 um 11:28 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/wegen-oder-mit-covid-im-spital-bald-wird-unterschieden-115802305

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